Susanne Benz. (Bild: privat)

Klimareporter°: Frau Benz, bei der Langen Nacht des Klimas sprechen Sie über das Thema "Die stille Hitzewelle unter unteren Füßen". Sonst ist meist von Hitzewellen die Rede, die von oben, von der Sonneneinstrahlung kommen. Was ist bei Ihnen gemeint?

Susanne Benz: Letztlich geht es um dieselbe Wärme, die wir auch an der Oberfläche spüren. Die Hitze, die der Klimawandel mit sich bringt, kommt mit Verzögerung auch unter der Erde an: Boden und Grundwasser werden wärmer.

In Städten kommen zusätzlich Keller, Leitungen, U‑Bahn-Schächte und andere unterirdische Infrastrukturen als Wärmequellen hinzu.

Das passiert viel langsamer und unspektakulärer als ein 40‑Grad-Sommertag – wir nehmen es deshalb kaum wahr. In unseren Studien zeigen wir, wie sich diese "Fußbodenheizung" unter unseren Füßen aufbaut und wie tief der Klimawandel mancherorts bereits in den Untergrund reicht.

 

Es gibt bereits das Konzept der kalten Nahwärme, die die Bodenwärme in kalten Zeiten zum Heizen nutzt und im Sommer die Wärme auch wieder an den Boden zurückgeben will und so Gebäude auch kühlen könnte. Was unterscheidet Ihr Konzept davon?

Kalte Nahwärme nutzt den Untergrund als Wärmequelle und häufig auch als saisonalen Wärmespeicher.

Mich interessiert zusätzlich die Wärme, die durch Klimawandel und Urbanisierung ohnehin in den Untergrund gelangt. Diese Wärme ist zunächst ein Nebeneffekt, lässt sich aber prinzipiell mit flacher Geothermie wieder nutzen.

Der entscheidende Unterschied ist die Bilanz: Wir fragen, wie viel Wärme tatsächlich neu in den Untergrund eingetragen wird und welcher Anteil davon langfristig nachhaltig genutzt werden kann.

Susanne Benz

ist Physikerin und Geo­wissen­schaft­lerin und leitet eine Nachwuch­sgruppe am KIT-Institut für Photo­grammetrie und Fern­erkundung in Karlsruhe. Sie erforscht unter anderem, wie Klimawandel und Städte Temperaturen im Untergrund verändern – von Grund­wasser­erwärmung bis zu urbaner Hitze und geothermischem Potenzial.

Wenn Sie die Möglichkeit hätten, eine Forderung für mehr Klimaschutz unmittelbar geltend umzusetzen – welche wäre das?

Ganz unabhängig von meiner Forschung: mehr Geld für einen wirklich guten Nahverkehr.

Nur wenn Bus und Bahn bequem, zuverlässig und bezahlbar sind, können Autos tatsächlich unnötiger werden – und damit unsere Städte lebenswerter und klimafreundlicher.

Für mein eigenes Forschungsfeld sind natürlich die Energiewende und effiziente Wärmesysteme zentral. Wärmerecycling und andere klimafreundliche Lösungen werden aber erst dann wirklich attraktiv, wenn sich bei der fossilen Energie die tatsächlichen Klimakosten widerspiegeln.

Klimareporter° ist offizieller Medienpartner der Langen Nacht des Klimas am 12. September 2026 in Berlin.

 

Mit Mut und Ideen gegen die Klimakrise

Wo bleibt die Klimabewegung, fragen manche Medien angesichts grassierender Folgen des Klimawandels mit Hitzewellen, Dürren und hierzulande nicht gekannten menschlichen und ökonomischen Kosten. Was Klima- und Umweltbewegte jetzt tun können – darüber will die Lange Nacht des Klimas 2026 debattieren, Vorschläge und Lösungen entwickeln. Am 12. September 2026 bietet die Kulturfabrik Moabit in Berlin ab 16 Uhr einen Nachmittag und Abend mit Vorträgen, Filmen, Workshops und Aktionsideen, aber auch mit Unterhaltung und Entspannung. Rund 40 spannende Veranstaltungen verwandeln Kino, Theater, Club und Garten der Kulturfabrik in einen Ort für Austausch und Inspiration.

www.langenachtdesklimas.de

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