Nach der jüngsten Hitzewelle in Deutschland und den Waldbränden in Frankreich, Spanien und Belgien bleibt eigentlich nur eine Schlussfolgerung: Die Klimakrise ist real. Wir müssen etwas dagegen unternehmen.
Doch statt sich dieser Erkenntnis zu stellen und auf die steigenden Temperaturen und ihre Folgen entsprechend zu reagieren, scheinen große Teile der Bevölkerung sich für einen anderen Weg zu entscheiden: Klimaskepsis.
Diesen Schluss ziehen jedenfalls mehrere Langzeitstudien der Kommunikationsforschung.
In einer kürzlich erschienenen Studie untersuchten Wissenschaftler:innen der Europa-Universität Flensburg anhand von Umfragen, wie sich die Klimaskepsis der deutschen Bevölkerung im Zeitraum zwischen 2014 und 2023 entwickelt hat.
Um das Klimaskepsis-Niveau in Deutschland einzuschätzen, formulierten die Forschenden insgesamt 14 Fragen, darunter Statements wie "Die Menschen beuten die Umwelt in schwerwiegender Weise aus", "Die sogenannte 'Energiewende' richtet mehr Schaden an, als sie Nutzen bringt" oder "Wie bereit wären Sie, zum Schutz der Umwelt Einschränkungen Ihres Lebensstandards hinzunehmen?"
Steigende Temperaturen, wachsende Klimazweifel
Dabei zeigte sich, dass nicht nur die Zweifel gegenüber bestimmten klimapolitischen Instrumenten, etwa einer Umweltsteuer, zugenommen haben. Auch die Skepsis gegenüber der ökologischen Krise sowie der Notwendigkeit und Wirksamkeit der Dekarbonisierung des Energiesektors ist zuletzt deutlich angestiegen.
Konkret zweifelten im Jahr 2023 fast zwei Drittel der Befragten entweder am Klimawandel, am Klimaschutz oder an dessen konkreter Umsetzung – mehr als noch 2022. Dabei antworteten über 90 Prozent bei mindestens einer Frage klimaschutzkritischer als im Vorjahr.
Während die allgemeine Klimaskepsis in Deutschland also bei zwei Dritteln der Bevölkerung gestiegen ist, hat sie sich bei dem anderen Drittel eher verschoben – die Befragten unterstützten etwa stärker die Energiewende, waren gleichzeitig aber weniger bereit, sich für den Klimaschutz persönlich einzuschränken.
Mit diesen Ergebnissen liefert die Untersuchung neue Belege für bisherige Studienergebnisse, die in eine ähnliche Richtung wiesen – so etwa das seit 2015 laufende Forschungsprojekt "Down2Earth" der Universität Hamburg. "Die Ergebnisse der Studie passen gut zu den Daten aus unserer Langzeitbefragung. Auch wir hatten einen deutlichen Anstieg klimaschutzskeptischer Tendenzen beobachtet", sagt Anne Reif, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt.
Wie die "Down2Earth"-Daten zeigen, hat sich dieser Trend seit 2023 weiter verstärkt. "Auch sehen wir seitdem einen Rückgang in der Zustimmung über alle Einstellungen zu Klimawandel, Klimaschutz und Klimapolitik um circa zehn Prozent seit der ersten Befragung in 2015", erklärt Reif.
Eine weitere Erkenntnis der Flensburg-Studie: Es sind nicht die notorischen Klimaskeptiker, die immer skeptischer werden. Sondern: Je "klimaskeptischer" eine Person im Jahr 2022 antwortete, desto unwahrscheinlicher war es, dass sich ihre Klimaskepsis 2023 weiter steigerte. Gerade "klima-wohlwollende" Personen werden also zunehmend kritischer.
Klimaskepsis mutiert also tatsächlich zum Massenphänomen. "Unsere Resultate zeigen, dass die Klimawandel-Skepsis in Deutschland nicht mehr auf eine kleine, aber laute Minderheit beschränkt ist. Stattdessen handelt es sich hier um einen breiten Trend, der auf einem substanziellen Anteil der deutschen Bevölkerung beruht", so die Forschenden.
Als einen Hauptgrund für diese Entwicklung vermuten die Flensburger:innen die geopolitische Lage der Jahre 2022 und 2023. Denn 2022 griff Russland die Ukraine an und es gab eine Energiekrise, die die Einstellungen gegenüber dem Klimaschutz maßgeblich beeinflusst haben könnte.
Laut Klimakommunikationswissenschaftlerin Reif könnten auch die multiplen Krisen der letzten Jahre zu einer Verdrossenheit bei Klimathemen geführt haben. "Weitere mögliche Erklärungen sind der wachsende Zuspruch für die den Klimawandel leugnende AfD und den aktuellen klimapolitischen Kurs der Regierung", sagt die Hamburger Forscherin.
Wer sind die Klimaskeptiker?
Als den stärksten Einflussfaktor für steigende Klimaskepsis identifizierten die Forschenden die politische Einstellung der Befragten. So sei der Anstieg klimaskeptischer Einstellungen in Deutschland vor allem auf Personen aus dem rechten Spektrum zurückzuführen, die Tradition und Individualismus schätzen, das Vertrauen in die Regierung verloren haben und mit der Demokratie unzufrieden sind.
"Wer Klimaschutz und Transformationsprozesse gesellschaftlich breit verankern und zugänglich machen will, muss diese Einstellungen ernst nehmen und Klimaschutz sozial gerecht gestalten", mahnte Co-Autor Emanuel Deutschmann von der Uni Flensburg. "Wenn der Vertrauensverlust und die Unzufriedenheit mit politischen Institutionen weiter zunehmen, können sich nicht nur Zweifel gegenüber Umweltschutzmaßnahmen, sondern auch gegenüber der Ernsthaftigkeit der ökologischen Krise selbst weiter verstärken."
Der Hamburgerin Reif reicht diese Erklärung – und somit die angebotene Lösung – allein nicht aus, um die Veränderung zu erklären. Auch, da die Zahl der deutschen Klimaskeptiker das Potenzial der AfD-Wählerschaft aktuell stark übersteigt.
Laut Reif gibt es vielmehr eine weitreichende Diskursverschiebung. "Die Befragten unterschätzen die allgemeine Besorgnis und Unterstützungsbereitschaft für den Klimaschutz, und die Einschätzung der Mehrheitsmeinung bedingt wiederum die eigenen Überzeugungen und Verhaltensweisen", so die Kommunikationswissenschaftlerin. Menschen könnten also auch einfach deshalb klimaskeptischer werden, weil sie ihr Umfeld für klimaskeptischer halten, als es ist.
Hinzu komme, dass die Häufigkeit der Medienberichterstattung und persönlicher Gespräche über Klimawandel und ‑politik zurückgehe. "Deswegen plädieren wir dafür, dass der Journalismus dem Klimawandel wieder mehr Aufmerksamkeit schenkt und konstruktiv über Klimawandel und Klimapolitik berichtet", sagt Anne Reif. "Außerdem ist es wichtig, miteinander über das Thema im Gespräch zu bleiben."

Andererseits ist Klimaskepsis auch ein Ausdruck der Hilflosigkeit der Menschen: Das ist sooo groß, da kann ich als Einzelne*r sowieso nichts machen. Anstatt ins Handeln zu kommen, sitzen wir wie das Kaninchen vor der Schlange - erstarrt.
Hinzu kommt, dass wir einen Kanzler haben, der diesen extremen Hitzesommer als "Wetterphänomen" auffasst. Damit unterstützt er die Auffassung, dass ja nichts getan werden müsse. Wer will schon auf lieb gewordene Angewohnheiten verzichten?
Außerdem lässt er eine Wirtschaftsministerin im Amt, die einer erfolgreichen Branche den Kampf angesagt hat: den Erneuerbaren Energien. Es scheint ein Unterschied zu sein, ob ein Arbeitsplatz bei VW oder REWE verloren geht oder bei der Wind- und Solarbranche. Sorry, ist es nicht.
Eine Moralisierung der Klimakrise oder eine Appellation an die ethisch gebotene Vernunft ist gar nicht mehr notwendig. Wir kommen mit dem Wandel in der Bevölkerung nachhaltiger voran, wenn wir den kleinen Michel stets auf die persönliche Kostenersparnis bei Nutzung Regenerativer Energie hinweisen. Er hat das recht anschaulich an den Boom der Balkonkraftwerken verdeutlicht. Als nächste Kippe kommt erst die Wärmepumpe (wird in den nächsten zwei, drei Jahren deutlich billiger) und als zweites Car as a service - billiger als ein eigenes Auto. Der Deutsche ist halt nachvollziehbar preissensibel 😉 Im Nachgang werden alle bestätigen, dass sie schon immer für EE waren.
Hoch problematisch bleibt es leider beim Naturschutz🥴