Der UN-Erdgipfel in Rio de Janeiro 1992 war ein historischer Einschnitt. Erstmals nach dem Ende des Kalten Krieg traten 108 Staats- und Regierungschefs, von George Bush senior über Helmut Kohl und François Mitterrand bis Fidel Castro, persönlich zusammen.
Das Ziel: Lösungen für die wirklichen Probleme des Planeten zu finden – nämlich Umwelt, Klima und Entwicklung der ärmeren Staaten, anstatt weiter Unsummen in die Aufrüstung zu stecken.
Es war vor fast 34 Jahren der Startpunkt für die gemeinsamen Bemühungen der Staaten der Welt, das Weltklima nicht völlig außer Kontrolle geraten zu lassen und den grassierenden Schwund der Biodiversität zu stoppen.
Daran muss man erinnern, um zu verdeutlichen, was es bedeutet, wenn die USA sich unter Präsident Donald Trump fast komplett aus der multilateralen Klima- und Biodiversitätspolitik zurückziehen. Diese Tabula rasa der globalen Zusammenarbeit ging angesichts von Trumps Attacke auf Venezuela und seiner Drohungen gegen Grönland in der Öffentlichkeit fast unter.
Ein Memorandum des Weißen Hauses hat US-Behörden angewiesen, den Austritt aus 66 internationalen Organisationen, Konventionen und Übereinkommen "so schnell wie möglich" umzusetzen – darunter eben auch die grundlegende UN-Klimakonvention UNFCCC, die damals in Rio beschlossen wurde.
Gleichzeitig steht der zweite US-Ausstieg aus dem Pariser Klimaabkommen unmittelbar bevor, mit dem die Erderwärmung konkret auf 1,5 bis zwei Grad gegenüber vorindustrieller Zeit limitiert werden soll. Diesen Schritt hatte Trump schon gleich nach Amtsantritt vor einem Jahr angekündigt, er wird am 27. Januar wirksam.
Der Austritt aus der Klimakonvention wiegt jedoch noch schwerer: Die Konvention von 1992 bildet den völkerrechtlichen und institutionellen Rahmen der globalen Klimadiplomatie, unter dem die jährlichen Weltklimakonferenzen stattfinden und der die Basis des Kyoto-Protokolls und des Paris-Vertrags ist. Washingtons Austritt gilt als ein Einschnitt, weil die USA wohl als erster unter 197 Staaten überhaupt angekündigt haben, sich auch hier auszuklinken.
"Kolossales Eigentor"
Der Chef des UN-Klimasekretariats, Simon Stiell, reagierte ungewöhnlich scharf und sprach von einem "kolossalen Eigentor", das den USA wirtschaftlich schade, während andere Volkswirtschaften die Energiewende als Investitions- und Jobmotor ausbauten.
UN-Generalsekretär António Guterres äußerte "Bedauern" über die angekündigten Rückzüge. Die Vereinten Nationen verwiesen zugleich darauf, dass bestimmte Finanzbeiträge zum UN-System verpflichtend sind.
Auch in den USA selbst gab es viel Kritik. Der frühere Vizepräsident und Nobelpreisträger Al Gore warnte in einer Stellungnahme vor einem Verlust an Glaubwürdigkeit und Einfluss seines Landes und vor einer Schwächung von Klimadiplomatie und ‑wissenschaft.
In Europa wurde der Schritt ebenfalls verurteilt. EU-Klimakommissar Wopke Hoekstra nannte ihn "bedauerlich und unglücklich" und betonte, die Europäische Union werde an internationaler Klimakooperation und Klimaforschung festhalten.
In Berlin erklärte Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD), bei der jüngsten UN-Klimakonferenz Ende 2025 in Brasilien sei sichtbar geworden, dass "die USA mit ihrer Haltung zum Klimaschutz allein sind", während die anderen Länder am 1,5‑Grad-Ziel festhielten. Protest gab es auch in Ländern des globalen Südens, die von den Klimaveränderungen besonders betroffen sind.
Deutlich fällt auch die Bewertung aus der Wissenschaft aus. Niklas Höhne vom New Climate Institute in Köln sagte: "Es ist erschütternd zu sehen, wie konsequent die Trump-Administration einen umfassenden Plan auf der Basis des Rechts des Stärkeren umsetzt."
Die Unterstützung von Kohle, Öl und Gas, der systematische Abbau aller nationalen Klimaschutzmaßnahmen, das aktive Verhindern von Klimaschutz innerhalb und außerhalb der USA, der Griff nach dem Öl von Venezuela und jetzt das Aussteigen aus einer Reihe von internationalen Organisationen gehörten zu einer groß angelegten Strategie der Trump-Administration, so der Klimaforscher.
Jule Könneke von der Stiftung Wissenschaft und Politik nannte die Ankündigung einen "diplomatischen Tiefpunkt", der über Symbolpolitik hinausgehe. Lambert Schneider vom Öko-Institut warnte zudem vor praktischen Folgen: Ohne US-Mitgliedschaft in der Konvention drohten Lücken bei Emissionsberichten und klimarelevanten Daten. Zu befürchten sei, "dass wichtige wissenschaftliche Daten, zum Beispiel von Satelliten, nicht mehr zur Verfügung stehen werden, was die Forschung zum Klimawandel beeinträchtigten kann".
Mitarbeit im Weltklimarat weiter möglich
Klar ist, dass ein formaler Austritt die USA aus dem Kernprozess der Klimadiplomatie herauslösen würde. Nach den Vertragsregeln wird ein Austritt zwar grundsätzlich erst ein Jahr nach offizieller Notifikation wirksam, in diesem Fall also 2027. Washington kann allerdings bereits jetzt Beteiligung und Finanzierung zurückfahren.
Ob Gerichte dies noch bremsen könnten, ist unklar. Laut Rechtsanalysen ist es eine offene Frage, ob ein US-Präsident ohne Beteiligung des Kongresses aus einem ratifizierten Vertrag austreten darf. Die Klimakonvention ist vom Senat ratifiziert worden.
Schwerwiegende Folgen dürfte auch die Ankündigung des US-Finanzministeriums haben, die Vereinigten Staaten träten "mit sofortiger Wirkung" aus dem Finanzierungsinstrument der Konvention, dem Green Climate Fund (GCF), aus und gäben dort ihren Sitz im Board auf. Der Grüne Klimafonds erklärte zwar, die Vakanz beeinträchtige seine Arbeit nicht, die Industrieländergruppe werde den Sitz nachbesetzen.
Für viele Entwicklungsländer ist der Schritt dennoch ein Warnsignal. Klimafinanzierung ist schließlich der Schlüssel, um Anpassung und Emissionsminderung zu beschleunigen und die Lasten des Klimawandels nicht weiter zu verschärfen. Die USA waren unter Trump-Vorgänger Joe Biden der weltweit größte Geber bei der Klimafinanzierung.
Bei der von Trump und Co ebenfalls angekündigten Aufkündigung der Zusammenarbeit mit dem Weltklimarat IPCC ist die Lage etwas anders. In einer Erklärung betont das Forschungsgremium, die Teilnahme an seinen Prozessen sei "freiwillig, frei und offen" für UN-Mitgliedsstaaten – und zwar "mit oder ohne formelle Ankündigung".
Der IPCC-Vorsitzende Jim Skea erklärte, man arbeite weiter am siebten Klima-Sachstandsbericht, der 2028/29 erscheinen soll. US-Forschende können grundsätzlich weiterhin als Autorinnen oder Gutachter beteiligt sein, in der Praxis dürfte die US-Regierung aber kein Geld und andere Ressourcen mehr dafür bereitstellen.
Neben dem Klima trifft die Ankündigung auch die Biodiversitätspolitik und speziell den internationalen Wissenschaftsrat IPBES, das Parallelgremium zum Klimarat IPCC. Der renommierte Biologe Josef Settele vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in Halle erinnerte daran, dass die USA Gründungsmitglied sind und US-Forschende "zu den engagiertesten Mitwirkenden" gehörten.
Zugleich betonten Settele und andere Fachleute: Auch im Biodiversitätsrat bleibt Mitarbeit möglich, etwa über Nominierungen und Kooperationen, wird aber schwieriger zu organisieren, etwa wenn staatliche Reise- und Arbeitsbudgets wegfallen.
