Auf einem Dekorations-Rondell sind zweidimensionale lebensgroße bunte Pferde aufgestellt.
Deko in Shanghai zum beginnenden Jahr des Pferdes am 17. Februar. (Bild: Keitma/​Shutterstock)

Wenn China einen neuen Fünfjahrplan vorlegt, schaut die Welt genau hin. Logisch, denn das Land ist weltweit mit Abstand der größte Emittent von Treibhausgasen – und zugleich der größte Investor in erneuerbare Energien.

Der neue Plan zur Dekarbonisierung der Wirtschaft bestätigt dieses doppelte Gesicht der chinesischen Klimapolitik: ambitioniert beim Ausbau sauberer Technologien, aber vorsichtig beim Abschied von fossilen Energien.

Peking will die CO2-Intensität der Wirtschaft – also die Emissionen pro Einheit Wirtschaftsleistung – bis 2030 um 17 Prozent senken.

Gleichzeitig soll der Anteil nicht-fossiler Energien am gesamten Energiemix von derzeit knapp 22 auf 25 Prozent steigen. Der Ausbau von Solar-, Wind-, Wasser- und Atomkraft bleibt zentrale Strategie. China spricht von einem "neuen Energiesystem", das sauber, CO2-arm und effizient sein soll.

Auch neue Industriesektoren wie Batterien, Wasserstoff oder "intelligente" E‑Fahrzeuge stehen ganz oben auf der Agenda. Ein nationaler Fonds für die grüne Transformation soll diesen Kurs weiter beschleunigen. Für die internationale Energiewende ist das eine gute Nachricht.

Im Jahr des Pferdes

Doch der Plan hat eine deutliche Schwachstelle: die Kohle. Zwar will China den Verbrauch begrenzen und jährlich rund 30 Millionen Tonnen durch erneuerbare Energien ersetzen.

Doch eine verbindliche Obergrenze fehlt ebenso wie ein konkreter Zeitpunkt für den Höhepunkt des Kohleverbrauchs. In dem Land mit seinem riesigen Energiebedarf und wirtschaftlichen Unsicherheiten will die Regierung offenbar kein Risiko für Wachstum und Versorgung eingehen.

Diese Vorsicht hat Folgen für das Weltklima. Viele Beobachter hatten gehofft, China könnte den Höhepunkt seiner Emissionen deutlich vor dem offiziellen Zieljahr 2030 erreichen, nachdem sie jetzt schon fast zwei Jahre nicht mehr gewachsen sind. Der neue Plan dämpft diese Erwartungen. 

Joachim Wille ist Co-Chefredakteur des Online-Magazins Klimareporter°.

Gleichzeitig macht er deutlich, worum es China auch geht: geopolitische und wirtschaftliche Führung in der grünen Industrie. Wer die Technologien der Energiewende kontrolliert, bestimmt künftig große Teile der Weltwirtschaft.

In China hat gerade das Jahr des Pferdes begonnen. In der chinesischen Symbolik steht das Pferd für Schnelligkeit, Mut und Freiheitsliebe. Beim Klimaschutz jedoch bewegt sich China bislang eher im kontrollierten Trab vorwärts. Für das Weltklima wäre es besser, wenn daraus schnell ein schneller Galopp würde.

 

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