Selbstbewusster Protest: Bei den landesweiten "No Kings"-Demonstrationen gegen die Trump-Regierung vor einem Jahr in New York. (Bild: Christopher Penler/​Shutterstock)

Kriege in Nahost und in der Ukraine, hohe Öl- und Gaspreise, Wirtschaftsschwäche – und die Klimakrise. Das sind die Themen, die die Welt bewegen. In dieser Woche ging es auf hoher politischer Ebene um Lösungen dafür.

Die Chefs und Chefinnen der G7, jener mächtigen Industrieländergruppe, die für 45 Prozent der Welt-Wirtschaftsleistung steht, suchten im französischen Évian nach Antworten. Parallel tagte in Bonn die UN-Zwischenkonferenz, die den diesjährigen Weltklimagipfel COP 31 im Herbst vorbereitet.

Doch verkehrte Welt: Man bekam den Eindruck vermittelt, die beiden Themenkreise hätten nichts miteinander zu tun.

Hier die große Politik, die endlich den Öl- und Gasfluss über die Straße von Hormus reaktivieren will, um die Weltwirtschaft zu stabilisieren. Dort die Klima-Fachleute, die sich an der Reparatur des aus den Fugen geratenen Erdsystems abmühen.

Die mächtigen Männer und Frauen, die sich in Évian trafen, hatten bei diesem Thema einen Blackout. Und das, obwohl die meisten von ihnen zumindest auf dem Papier ambitionierte CO2-Ziele verfolgen, folglich wissen, dass das sie die Energiewende noch kräftig beschleunigen müssen, um hier in die Spur zu kommen.

Warum das so war? Um den fossilen, bombenwerfenden Derwisch der Weltpolitik nicht zu verärgern, jenen Mann, dessen wichtigste Botschaft auf dem Gipfel lautete: "Ich bin hier der Boss."

Kein Grund zur Zurückhaltung 

Das war ein Offenbarungseid. Denn der Rest der Truppe signalisierte US-Präsident Trump damit, selber keine Lösungen zu haben, nicht zur Kriegseindämmung, aber auch nicht zur Lösung der Energiekrise.

Dabei ist das, zumindest im zweiten Fall, völlig falsch. Zwar sind die G7-Länder durchweg noch schwer öl- und gasabhängig, wie sich an der Hormus-Krise zeigt.

Doch die Blaupausen zur Änderung dieser Lage sind da, und gerade die Europäer in der G7 hätten allen Grund, selbstbewusst auf die erreichten Fortschritte beim Umbau des Energiesystems sowie den Green Deal mit dem Ziel Klimaneutralität 2050 zu verweisen, den die EU-Kommission trotz vieler Anfechtungen erstaunlich konsequent vorantreibt.

Hinzu kommt, dass der Hormus-Schock weltweit den erneuerbaren Energien einen Push gegeben hat, vor allem in Asien, wo Solar- und Windenenergie bisher vielfach als zu teuer und unzuverlässig galten. Eine Rückkehr zum Stand vor dem Irankrieg wird es nicht geben. 

Das wäre Grund genug, dreierlei weltweit zu forcieren: den Übergang zu einem CO2-freien Energiesystem, die Finanzierung der Klimaanpassung sowie von Verfahren, um überschüssiges CO2 wieder aus der Atmosphäre zu holen.

Gipfel wie die von G7 und vor allem G20 müssten diese Aufgaben als Friedens-, Sicherheits- und Wirtschaftspolitik behandeln. Für die UN-Klimakonferenzen sind sie Kernauftrag.

Das Ziel allein genügt nicht 

Doch selbst die Bonner Vorbereitungskonferenz wurde dem nicht gerecht. In technischen Fragen gab es Fortschritte, insgesamt verliefen die Gespräche aber wieder zu langsam und konfliktreich.

Immerhin weist das von der türkisch-australischen COP‑31-Präsidentschaft in Bonn vorgeschlagene Ziel in die richtige Richtung: 2035 soll Strom 35 Prozent des weltweiten Endenergieverbrauchs decken statt wie heute rund ein Fünftel. Verkehr, Gebäude und Industrie könnten so schneller von Öl und Gas wegkommen.

Doch das Ziel allein genügt nicht. Es braucht nationale Beiträge, verlässliche Finanzierung und Bündnisse von Vorreiterstaaten, die beim Ausbau der Erneuerbaren, beim Fossilausstieg und bei resilienten Infrastrukturen vorangehen.

 

Wieder zog sich der Streit ums Geld durch fast alle Verhandlungsstränge in Bonn. Viele Staaten des globalen Südens fragen zu Recht, wie sie Elektrifizierung, gerechten Umbau und Klimaanpassung bezahlen sollen.

Gleichzeitig kürzen die USA und andere Industrieländer ihre Klimafinanzierung oder stellen Zusagen infrage. Das belastet die Aussichten für die COP 31 im November in der Türkei.

Der G7-Gipfel hätte hier ein positives Signal geben können. Hat er leider nicht. Aus Angst vor dem "Boss".

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