Simon Stiell aus Grenada, Leiter des UN-Klimasekretariats, eröffnete am Dienstag den diesjährigen Petersberger Klimadialog in Berlin. (Bild: Screenshot/​BMUKN)

Die Sache liegt eigentlich auf der Hand: Verstärkter Klimaschutz muss die Lehre aus der aktuellen Energie- und Wirtschaftskrise sein.

"Die Zusammenarbeit für das Klima ist der Schlüssel, um die doppelte Gefahr der globalen Erwärmung und des Kostenchaos durch fossile Energien abzuwehren", sagte UN-Klimachef Simon Stiell am Dienstag beim Petersberger Klimadialog in Berlin. Saubere Energie biete Sicherheit und Bezahlbarkeit, und sie gebe den Nationen und Völkern ihre Souveränität zurück. 

Die haben sie, wie sich an den Folgen des Iran-Kriegs zeigt, tatsächlich an fossile Despoten wie Putin und Trump abgegeben. "Nie war es wichtiger, schneller ins Handeln zu kommen", sagte Stiell. Ein wahres Wort.

Die Frage ist: Wird es nur gehört? Oder auch beherzigt?

Der Petersberger Dialog ist ein Seismograf dafür. Das hochrangige Treffen, das immer im Frühjahr in Deutschland stattfindet, gilt als "Entwicklungslabor der Klimadiplomatie". Er ist der Auftakt für weitere Treffen, die im Herbst in den jährlichen UN-Klimagipfel münden, der diesmal in der Türkei stattfindet.

Entscheidungen fallen in Berlin nicht, aber das zweitägige Treffen vermittelt ein Gefühl dafür, wie ernst die Weltgemeinschaft es mit dem Umsteuern überhaupt noch meint. Und es scheint: viel ernster als befürchtet.

Es wäre falsch, die Klimadiplomatie abzuschreiben, wie es viele angesichts der unter dem Strich ernüchternden Ergebnisse von inzwischen 30 UN-Klimagipfeln längst getan haben. Es braucht diese Treffen, um die Hoffnung auf eine Energiewende lebendig zu halten, die nicht nur die Klimakrise bewältigen hilft, sondern auch den ärmeren Ländern auf der Südhalbkugel eine nachhaltige, nichtfossile Entwicklung ermöglicht.

"Schlag in die Magengrube" für Milliarden Haushalte

Nicht nur Stiell hat das zum Auftakt betont, viele Redner, darunter Deutschlands Umweltminister Carsten Schneider, schlossen sich dem an. Dass die Entwicklungsländer hier eine Stimme haben, ist extrem wichtig. Man sieht es gerade wieder: Nicht nur die Klimakrise setzt ihnen überproportional zu, sie leiden auch besonders unter der von Trumps Iran-Krieg erzeugten Energieknappheit und den explodierten Preisen.

Wie Stiell es treffend formulierte: Der Iran-Krieg werde für Monate bis Jahre höhere Preise für fossile Energien zur Folge haben – und das versetze Milliarden von Haushalten einen "Schlag in die Magengrube".

"Schneller ins Handeln zu kommen" ist deswegen in der Tat wichtiger denn je. Und möglich ist es, trotz der Interessen des fossilen Imperiums, das sich in Trump, Putin und Co noch einmal aufbäumt.

Ganz aktuelle Zahlen zeigen, dass die Energiewende global so stark Fahrt aufnimmt, wie man sich das vor Kurzem noch nicht vorstellen konnte.

So meldete der britische Thinktank Ember just zum Petersberg-Dialog-Start, dass die erneuerbaren Energien 2025 zur weltweit größten Stromquelle geworden sind und erstmals die Kohle überholt haben. Gleichzeitig boomt die E‑Mobilität.

Viele Staaten werden diese Entwicklung unter dem Eindruck der Folgen des Iran-Kriegs weiter forcieren, allen voran China, und dass selbst in den Trump-USA Wind- und Solarenergie weiter wachsen, zeigt, wie mächtig der neue Trend ist.

 

Europa und vor allem seine größte Volkswirtschaft Deutschland müssen achtgeben, von der grünen Welle nicht überspült zu werden. Bundeskanzler Friedrich Merz hat bei seinem Petersberg-Auftritt am heutigen Mittwoch die Chance, hier ein Signal zu geben.

Die bisherige Energie- und Klimapolitik seiner Koalition ist rückwärtsgewandt, von der Erneuerbaren-Bremse über ein Retro-Heizungsgesetz bis zum Kampf für den Verbrenner. Merz sollte hier Korrekturen ankündigen. Der Grund dafür liegt doch auf der Hand.

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