Mehr Überschwemmungen, extremere Trockenheiten, eine verlängerte Waldbrandsaison – die globale Erwärmung hat auch die USA im Griff.
US-Präsident Donald Trump, der einen menschengemachte Klimawandel leugnet, sieht sich nun auch in seiner zweiten Amtszeit mit den Folgen konfrontiert. Etwa bei den verheerenden Bränden im Januar, die Teile von Los Angeles einäscherten, und jetzt bei der Flut im Bundesstaat Texas, die mindestens 128 Todesopfer forderte, während mehr als 170 Menschen noch vermisst werden.
Bei seinem Besuch im Flutgebiet zeigte Trump sich schockiert. An seinem "Drill, baby, drill"-Kurs zur Förderung der fossilen Energien ändert er jedoch nichts. Offenbar will er aber an der nationalen Katastrophenschutzbehörde Fema festhalten, deren Auflösung geplant war.
Trump hatte das Flutgebiet in Texas am Freitag besucht. Er machte sich, begleitet von Einsatzkräften und seiner Frau Melania, in dem am schwersten betroffenen Bezirk Kerr einen Eindruck von den Verwüstungen.
Dort hatte die am 4. Juli binnen kürzester Zeit entstandene Flutwelle am Guadalupe River meterhohe Wälle aus Haustrümmern, Autowracks und entwurzelten Bäumen erzeugt. Viele der Opfer waren Kinder, die ein Sommercamp am Ufer des Flusses besucht hatten. Auch dort war das Wasser ohne Vorwarnung schnell angestiegen.
Der Präsident schien ernsthaft betroffen. "Im ganzen Land sind die Herzen der Amerikaner gebrochen", erklärte er. Ein kleiner Fluss sei zu einem "Monster" geworden, sagte Trump zu der Sturzflut. Er sprach den Betroffenen sein Beileid aus und dankte den Einsatzkräften. "Die Familien sind am Boden zerstört. Sie haben ein Kind verloren, einige sogar zwei."
Bei einem Gespräch mit dem texanischen Gouverneur Gregg Abbott, der Bundesministerin für Innere Sicherheit, Kristi Noem, sowie regionalen Abgeordneten verglich Trump die Texas-Flut dann mit anderen Naturkatastrophen. "Ich habe viele Regionen nach Hurrikans und Tornados erlebt. Aber so etwas wie hier habe ich noch nie gesehen", befand der Republikaner.
Einschnitte auch beim Wetterdienst
Trump zog dann allerdings auch einen merkwürdigen Vergleich. Er verglich die Fluten mit einer "gigantischen Welle im Pazifischen Ozean, bei der die besten Surfer der Welt Angst hätten, darauf zu surfen". Das weckte erneut Zweifel an der Empathiefähigkeit der Präsidenten. Wichtiger ist jedoch, welche Folgen aus dem Desaster gezogen werden.
Laut Medienberichten soll der Präsident nach dem Besuch in Texas bereit sein, die Auflösung der Katastrophenbehörde zu stoppen. Ministerin Noem teilte am Sonntag mit, Trump wolle stattdessen, dass die Fema "neu aufgestellt" und ihre Zusammenarbeit mit den Bundesstaaten anders geregelt wird, um die Effizienz zu verbessern.
Aus dem Weißen Haus hieß es dazu, ein Prüfungsgremium aus Top-Experten werde dazu Vorschläge machen. Vorher hatte der Präsident mehrfach betont, die Behörde müsse abgeschafft werden, weil sie "langsam und völlig ineffektiv" sei.
Die Fema plant bisher die Reaktion des Bundes auf Naturkatastrophen wie Überschwemmungen und Wirbelstürme, stimmt sich dabei mit den lokalen Behörden ab und unterstützt betroffene Einzelpersonen, Familien und Unternehmen.
Weitergehende Korrekturen in Trumps Anti-Klimaschutz-Agenda sind hingegen nicht in Sicht. Seine Regierung hat massive Einschnitte unter anderem bei der nationalen Wetter- und Klimabehörde NOAA in Gang gesetzt, hier soll insgesamt rund ein Fünftel der Belegschaft abgebaut werden. Vor allem dürfte es die Abteilung für Ozean- und Atmosphärenforschung treffen.
Fachleute warnen unter anderem davor, dass die Qualität der Unwetterwarnungen und Extremwetter-Voraussagen leiden wird. Einschnitte gibt es auch beim Wetterdienst NWS – möglicherweise hatte das bereits Folgen bei der aktuellen Texas-Katastrophe.
Die New York Times und andere Medien hatten berichtet, in NWS-Büros in den texanischen Städten San Antonio und San Angelo nahe dem Flutgebiet seien wichtige Posten unbesetzt, die Zahl der offenen Stellen habe sich dort seit Trumps Amtsantritt im Januar verdoppelt.
In dem politischen Plan "Project 2025" des rechtskonservativen Thinktanks Heritage Foundation, der als Blaupause für Trumps zweite Amtszeit gilt, ist die harte Linie gegen NOAA und NWS vorgegeben. Die NOAA wird dort als Teil der "Klimawandel-Alarmindustrie" bezeichnet, und zum NWS heißt es, er solle verschlankt werden, um Steuergeld zu sparen.
"Solche Ereignisse werden noch häufiger"
Unterdessen gilt es in der Fachwelt als wahrscheinlich, dass die Heftigkeit der Texas-Flut durch den Klimawandel getriggert wurde. Der Bundesstaat ist zwar schon seit Langem wegen der dort zu findenden Kombination aus steilem Gelände, tropischer Feuchtigkeit und sich – besonders im Monat Juli – langsam bewegenden Stürmen als "Flash Flood Alley" bekannt. Die Niederschläge Anfang Juli waren jedoch ungewöhnlich heftig.
In Kerrville, der Hauptstadt des Bezirks Kerr, fielen laut dem Wetterdienst Accuweather in nur drei Stunden 25 Liter Regen pro Quadratmeter, westlich der Stadt Austin waren es in fünf Stunden fast 35 Liter. Ausgelöst wurde das durch eine Kombination aus rekordverdächtigen Wassertemperaturen im Golf von Mexiko, den Überresten des Tropensturms Barry und dem Fehlen eines Jetstreams in der oberen Atmosphäre, der ihn hätte wegblasen können.
"Der Klimawandel führt zu einer Erwärmung der Atmosphäre. Eine wärmere Atmosphäre speichert viel mehr Feuchtigkeit, und wir haben in den letzten Jahren weltweit viel mehr Feuchtigkeit in der Atmosphäre gesehen als normalerweise", erläuterte Brett Anderson, leitender Meteorologe bei Accuweather.
Der Klimaforscher Bill McGuire, Professor am University College London, warnte: "Die tragischen Ereignisse in Texas sind genau das, was wir in unserer heißeren, klimaveränderten Welt erwarten."
In den letzten Jahren habe es eine "Explosion von Extremwetterereignissen" gegeben – einschließlich verheerenderer Sturzfluten, welche durch langsame, feuchtere Stürme verursacht würden, die in kurzer Zeit außergewöhnliche Regenmengen über kleine Gebiete abladen. Dies führe häufig zu einer Überflutung der Flusseinzugsgebiete mit der Folge von Todesopfern und schweren Schäden an der angrenzenden Infrastruktur.
"Solche Ereignisse werden noch häufiger eintreten, wenn die globale Temperatur weiter ansteigt, angetrieben von CO2-Emissionen, die immer noch über 40 Milliarden Tonnen pro Jahr liegen", sagte McGuire.
Trumps Steuergesetz ignoriert auch ökonomische Risiken
Trump scheinen solche Warnungen nicht zu einem grundsätzlichen Umdenken zu bewegen. Vielmehr hat er gerade mit seinem vom Parlament verabschiedeten Steuergesetz, dem "One Big Beautiful Bill Act", nicht nur in der US-Sozialpolitik einen Flurschaden erzeugt, sondern auch bei Energie und Klima.
Steuerliche Anreize für erneuerbare Energien wie Wind und Sonne werden stark gekürzt oder ganz gestrichen, während fossile Energieträger – Kohle, Gas, Öl – wieder verstärkt gefördert werden. In der Fachwelt wird befürchtet, dass dadurch nicht nur der Ausbau klimafreundlicher Technologien massiv gebremst, sondern auch viele Millionen Tonnen CO2-Emissionen zusätzlich freigesetzt werden.
Neben den Klimafolgen bringt das Gesetz allerdings auch wirtschaftliche Risiken mit sich. Studien zeigen, dass der Rückbau grüner Projekte zu deutlich höheren Strompreisen führen könnte – bis zu 480 US-Dollar Mehrkosten pro Haushalt und Jahr etwa in Texas.
Zudem droht der Verlust Tausender Arbeitsplätze in der Zukunftsbranche der sauberen Energien, während Europa und China massiv in eine klimafreundliche Infrastruktur investieren. Doch ob Trumps Wählerschaft das beeindruckt, wenn ihr schon das Klima selbst egal ist, muss sich zeigen.
