Tanks der staatlichen Ölgesellschaft PDVSA im Hafen von Maracaibo: Venezuelas Energiesektor ist in jeder Hinsicht veraltet. (Bild: José Isaac Bula/​Shutterstock)

Die Wirtschaft Venezuelas ist seit über einem Jahrhundert eng mit der Förderung von Öl und Gas verknüpft. Anfang des 20. Jahrhunderts führten große Funde im Maracaibo-Becken und später im Orinoco-Gürtel dazu, dass das Land vom Agrarstaat zu einem der weltweit wichtigen Rohölproduzenten aufstieg.

Gemessen an seinen heute noch vorhandenen Reserven müsste Venezuela auch weiterhin zu den dominierenden Erdölmächten zählen. Tatsächlich spielt das Land auf dem globalen Ölmarkt derzeit jedoch nur eine Nebenrolle.

Das könnte sich durch die jüngste Attacke von US-Präsident Donald Trump auf das Land und den bisherigen Präsidenten Nicolás Maduro ändern. Die USA haben ihn bei einem Militäreinsatz gefangen genommen. Trump kündigte an, die USA würden vorerst selbst die Kontrolle in Venezuela übernehmen.

Venezuela verfügt nach Angaben des Fachmagazins Oil & Gas Journal über rund 300 Milliarden Barrel nachgewiesener Ölreserven, überwiegend im Gebiet des Maracaibo-Sees – das entspricht etwa 17 Prozent der weltweit bekannten Vorräte. Damit übertrifft das Land selbst große Förderstaaten wie die USA, Saudi-Arabien und Russland.

Tatsächlich jedoch steuert Venezuela derzeit nur rund ein Prozent zur weltweiten Rohölproduktion bei. Noch Mitte der 1990er Jahre, vor dem Amtsantritt des Sozialisten Hugo Chávez, lag dieser Anteil bei über vier Prozent.

Ölreserven sechsmal so groß wie die der USA 

Die Ölindustrie bildete jahrzehntelang das ökonomische Rückgrat des Landes. Dieses Fundament ist jedoch durch Missmanagement, politische Eingriffe und internationale Sanktionen schwer beschädigt worden. Als Nicolás Maduro 2013 als Nachfolger von Chávez ins Amt kam, lag die tägliche Förderung noch bei rund drei Millionen Barrel. Heute ist es nur noch etwa ein Drittel davon.

Im Jahr 2024, dem letzten Jahr mit vollständigen Daten, betrug die Produktion durchschnittlich 921.000 Barrel pro Tag. Früher gingen große Mengen venezolanischen Rohöls in die USA. Wegen Sanktionen und geopolitischer Spannungen wurde dieser Markt jedoch weitgehend geschlossen. Zuletzt gingen die Exporte vor allem nach Asien, besonders nach China, sowie an Verbündete wie Kuba. China investiert jedoch mittlerweile auch in Rohstoffgewinnung für Greentech.

Bei einer Ölbohrung wird Gas abgefackelt.
Die angekündigten Klimaschutzmaßnahmen Venezuelas konzentrierten sich auf die Verringerung des Flarings, also des Abfackelns von überschüssigem Gas. (Bild: Ratfink/​Pixabay)

Die venezolanische Ölindustrie ist bereits 1976 verstaatlicht worden. Unter Chávez kam es ab Anfang der 2000er Jahre zu einer Verschärfung der staatlichen Kontrolle: Ausländische Konzerne, die noch im Land arbeiteten, wurden gezwungen, deutlich schlechtere Vertragsbedingungen zu akzeptieren, teils ohne adäquate Entschädigung.

Zu den Unternehmen, die sich daraufhin zurückzogen, gehören Conoco-Phillips und Exxon Mobil. Beide versuchen seit Jahren, enteignete Vermögenswerte juristisch zurückzuerlangen – bislang ohne echten Erfolg.

Nach Trumps Ankündigungen dürfte sich der US-Einfluss im venezolanischen Energiesektor jedoch bald deutlich ausweiten. Vor diesem Hintergrund erscheint der politische Zugriff auf Caracas weniger von demokratischen Motiven oder dem Kampf gegen den Drogenhandel getragen als vom strategischen Interesse an den gewaltigen Ölreserven des Landes.

Die bestätigten Ölreserven der USA liegen mit rund 46 bis 48 Milliarden Barrel deutlich niedriger, die hohe Produktion wurde zuletzt vor allem durch Fracking ermöglicht. Der Zugriff auf venezolanisches Öl mit seinen rund 300 Milliarden Barrel passt daher perfekt – und perfide – zu Trumps energiepolitischen Vorstellungen. Für den globalen Klimaschutz, von dem sich der "Drill, baby, drill"-Präsident offen verabschiedet hat, ist das ein fatales Signal.

Abholzung und Extremwetter

Die bisher relativ niedrigen CO2-Emissionen Venezuelas erklären sich aus dem vergleichsweise niedrigen Entwicklungsstand des Landes mit wenig Industrie sowie aus dem starken Rückgang der Erdölproduktion. Die Stromerzeugung zeichnet sich durch einen relativ hohen Anteil von Wasserkraft aus, was die Emissionen in diesem Sektor senkt.

Negativ zu Buche schlägt hingegen die starke Entwaldung. Die ökologische Lage Venezuelas ist dabei längst ein eigenständiger Krisenfaktor. Besonders im Süden, im Amazonas- und Orinoco-Raum, schreitet die Entwaldung voran – getrieben durch illegale Goldförderung, informellen Bergbau, Holzeinschlag sowie den unkontrollierten Ausbau von Straßen und anderer Infrastruktur. Diese Prozesse zerstören nicht nur Biodiversität, sondern setzen zusätzlich Kohlenstoff frei und schwächen natürliche CO2-Senken.

Gleichzeitig leidet Venezuela bereits spürbar unter den Folgen des Klimawandels: Häufigere und intensivere Dürren beeinträchtigen die Wasserkraft, auf die ein großer Teil der Stromversorgung angewiesen ist, während Starkregen und Überschwemmungen in Küsten- und Gebirgsregionen regelmäßig Infrastruktur, Landwirtschaft und Wohngebiete schädigen. Steigende Temperaturen verschärfen zudem Gesundheitsprobleme und gefährden die Ernährungssicherheit, da landwirtschaftliche Erträge zurückgehen und Lieferketten instabil werden.

 

Venezuela hat sich wie alle Länder im Paris-Abkommen zum Klimaschutz verpflichtet. Die Klimapolitik des Landes gilt unter Fachleuten als unzureichend, um das 1,5-bis-zwei-Grad-Erwärmungslimit einzuhalten. Laut seinem aktuellen NDC-Klimaplan will Venezuela die CO2-Emissionen bis 2030 um rund 20 Prozent gegenüber einem Business-as-usual-Szenario senken.

Ein Schwerpunkt der venezolanischen Verpflichtung liegt auf der Reduktion des Gas-Flarings. Laut dem NDC-Dokument sollen diese Emissionen zwischen 2024 und 2030 um etwa 71 Prozent sinken, was erhebliche Mengen an verschwendetem Gas und emittiertem CO2 vermeiden könnte. Was aus solchen Plänen wird, wenn die Trump-USA in dem Sektor maßgeblichen Einfluss gewinnen, ist offen.

Lesen Sie dazu unseren Kommentar: Trumps letzte Ölung