Donald Trump
Nein, da ist alles schwarz. (Bild: Gage Skidmore/​Wikimedia Commons)

Der Narzisst im Weißen Haus hat es geschafft. Kaum jemand bleibt von ihm unberührt. Donald Trumps Worte und der dicke Filzstift, mit dem er seine Dekrete unterzeichnet, treffen sie alle.

Ob Zollzahlerin, Ölkonzern-Boss, Börsenmaklerin, Windkraft-Ingenieur, illegale US-Einwanderin, Notenbank-Chef, ökologisch denkende Teslafahrerin, Pensionsfonds-Manager, Klimaforscherin, Harvard-Präsident, Arbeiterin im Autowerk.

Oder Journalist. Denkt man über das Thema der nächsten Kolumne nach, fällt ER, nein: er einem als erster ein. Was er in den letzten Tagen wieder alles ausgeheckt hat, das den Lauf der Dinge jenseits und diesseits des Atlantiks und sonst wo auf der Welt verändert.

Es ist nur Finsteres dabei. Das ist deprimierend, und so mancher rettet sich in eine verzweifelte Hoffnung.

So zum Beispiel: Ist Trump vielleicht ein Grüner wider Willen? Robinson Meyer, Gründer des US-Klima-Infodienstes Heatmap News, schrieb: Trump, der sich als Herr des fossilen Zeitalters aufspielt, entpuppe sich als "Degrowth Donald". Als derjenige, der die Ära des Postwachstums einläutet.

Machbare Konzepte für Degrowth fehlen

Motto: Bremst Trump mit seiner Zollpolitik die Wirtschaft weltweit, sinken Ressourcenverbrauch und Emissionen. So wie es Umweltfachleute und Klima-NGOs seit Langem fordern. Auch der Guardian-Kolumnist George Monbiot meinte, man müsse dem "Drill Baby Drill"-Mann wohl danken.

Ernst gemeint ist das nicht. Denn auch Meyer und Monbiot wissen natürlich: Hinter Trumps Degrowth steht alles andere als ein Konzept zum grünen Umbau. Die Emissionen bleiben, in den USA und weltweit, trotz seiner Globalisierungsbremse immer noch so hoch, dass sie die Klimakrise drastisch verschärfen werden.

Joachim Wille ist Co-Chefredakteur des Online-Magazins Klimareporter°.

Trump ist, sozusagen, das Pendant zum Corona-Virus, das die Aufwärtskurve des globalen CO2-Ausstoßes nur zeitweise einbrechen ließ, um dann neue Rekorde zu setzen. Zumal der Präsident im eigenen Land ja alles daran setzt, um die Energiewende zu stoppen und den Erdöl- und Erdgas-Konzernen neuen Bohrlizenzen zu besorgen.

Mit anderen Worten, so sehr man sich bemüht, bei der Trump-Exegese kommt nichts Vernünftiges heraus. Wenn wir machbare Konzepte für Degrowth, nachhaltiges Wachstum oder eine gerechte Globalisierung wollen, müssen wir sie schon selbst entwickeln. Der Nar(r)zisst im Weißen Haus wird uns dabei nicht helfen.