Es hätte ein Signal der Geschlossenheit werden sollen. Zum "Climate Ambition Summit" während der UN-Generalversammlung in New York waren alle 197 Vertragsstaaten des Pariser Klimaabkommens aufgerufen, ihre neuen Klimapläne, die sogenannten NDCs, vorzulegen. Diese geben Auskunft, wie stark die Staaten ihre Emissionen bis 2035 senken wollen.

Doch die Bilanz fällt ernüchternd aus. Nur ein Bruchteil der Staaten hat geliefert, die Ambition bleibt vielfach schwach – und das Zeitfenster für das 1,5-Grad-Ziel schließt sich.

 

Nach Angaben des UN-Klimasekretariats waren bis zur New Yorker Klimawoche lediglich 47 aktualisierte Pläne eingegangen. Im Februar, als die offizielle Deadline eigentlich ablief, hatten gerade einmal 13 Länder ihre Beiträge fristgerecht eingereicht – darunter Brasilien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Uruguay.

Die meisten großen Emittenten blieben säumig. Auch die zweite Deadline haben nun zentrale Akteure verfehlt: Weder China noch die EU oder Indien haben ihre neuen Ziele offiziell in das Register der UN-Klimakonvention eingestellt. Die USA steigen unter Präsident Trump wieder ganz aus dem Klimavertrag aus.

UN-Generalsekretär António Guterres forderte in New York, die Staaten müssten "viel weiter" gehen und "viel schneller" sein. Die NDCs seien nur glaubwürdig, wenn die Regierungen fossile Energien konsequent zurückdrängten und den Ausbau erneuerbarer Energien beschleunigten. 

Der Klimagipfel COP 30 im November in Brasilien müsse mit einem "glaubwürdigen globalen Reaktionsplan" enden, um die weltweiten Bemühungen wieder auf Kurs zu bringen. Im Vorfeld der Generalversammlung warnte der Guterres, das 1,5-Grad-Ziel sei "am Rande des Kollapses".

EU verpasst auch die zweite Deadline 

Trotz des Drucks schieben viele Regierungen ihre Einreichungen hinaus. Zur Begründung heißt es etwa, man brauche mehr Zeit für interne Abstimmungen oder wolle wirksamere Pläne entwickeln. Klimabewegungen kritisieren jedoch, dass damit wertvolle Zeit verloren gehe.

Ohne klare nationale Signale blieben Investitionen in erneuerbare Energien und die nötige Infrastruktur unsicher.

Die 80. Generalversammlung in New York begann am 23. und endet am 29. September. (Bild: John Isaak/UN Photo)

Für Schlagzeilen sorgte Chinas Präsident Xi Jinping, der per Videobotschaft ankündigte, die Emissionen seines Landes bis 2035 um sieben bis zehn Prozent unter den erwarteten Höchststand zu senken, der bis 2030 erreicht werden dürfte.

Zwar begrüßten Beobachter, dass Peking erstmals ein Ziel für 2035 nennt. Doch die Unschärfen bleiben groß, denn weder das genaue Basisjahr noch konkrete Maßnahmen etwa beim Kohleausstieg wurden klar benannt.

Australien wiederum präsentierte während der Klimawoche am UN-Sitz einen neuen Klimaplan, der eine Reduktion um 62 bis 70 Prozent unter das Niveau von 2005 vorsieht. Damit bewegt sich Canberra im oberen Bereich dessen, was Fachleute bislang für realistisch hielten.

Auch die EU deutete ehrgeizigere Zahlen an – eine Senkung um 66 bis 72 Prozent bis 2035 im Vergleich zu 1990. Formal eingereicht ist der Plan jedoch noch nicht. Vor der COP 30 im November solle der neue Klimaplan nun aber wirklich kommen, sicherten EU-Vertreter in New York zu.

Dies sei wichtig für die Glaubwürdigkeit Europas, lauteten dazu die mäßig mutmachenden Worte des Bundesumweltministers Carsten Schneider. Es müsse ein starkes Ziel sei, das "unsere Wirtschaft auf den Weltmärkten der Zukunft nach vorne bringt".

Brasiliens angekündigter Beitrag gilt als vergleichsweise ambitioniert, da er eine Wende bei der Amazonas-Entwaldung vorsieht. Doch gerade viele Staaten des globalen Südens mahnen, ohne massive Klimafinanzierung und Technologietransfer ließen sich anspruchsvolle Ziele kaum erfüllen.

"Wir müssen uns unser Scheitern eingestehen" 

Die meisten Umweltorganisationen zeichnen ein düsteres Bild. Nach ihren Einschätzungen werden die bislang vorliegenden Pläne noch immer zu einer Erwärmung von deutlich über zwei Grad bis zum Ende des Jahrhunderts führen.

Die Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch begrüßt die neuen, in New York vorgestellten Klimaziele als Rückenwind für den Klimagipfel im November. Petter Lydén, bei Germanwatch zuständig für internationale Klimapolitik, schob allerdings nach, bisher handle es sich nur um eine "mäßige Brise".

Die neuen Klimapläne seien zwar erkennbar besser als die vorherigen, so Lydén, aber nach wie vor "deutlich entfernt von den Pariser Klimazielen".

Das UN-Klimasekretariat will Ende Oktober einen Synthesebericht vorlegen, der alle bis dahin eingereichten NDCs bündelt. Er wird zum entscheidenden Prüfstein, ob die Weltgemeinschaft auf Kurs gebracht werden kann. 

Auf der Klimakonferenz COP 30, die in sechs Wochen im brasilianischen Belém beginnt, muss sich die Weltgemeinschaft an dem Synthesebericht messen lassen und auf ihn reagieren.

 

Am Mittwoch trat in Gestalt von Johan Rockström, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, schließlich noch die mahnende Stimme der Klimawissenschaft vor die Staatschefs und Ministerinnen. Eine Überschreitung der 1,5-Grad-Grenze in den nächsten fünf bis zehn Jahren sei kaum mehr abzuwenden.

Die Weltgemeinschaft müsse sich ihr Scheitern eingestehen, sagte Rockström. Es sei nicht gelungen, "Völker und Nationen vor den unkontrollierbaren Auswirkungen des vom Menschen verursachten Klimawandels zu schützen". Aber, hob der Wissenschaftler seine Stimme, das hieße nicht, dass wir in Zukunft scheitern müssten.

Bis zum Ende des Jahrhunderts zu einem Temperaturplus von unter 1,5 Grad zurückzukehren, müsse die Verpflichtung aller internationalen Bemühungen sein. Die Wissenschaft sei eindeutig und die Lösungen bekannt. "Scheitern ist nicht unvermeidlich. Es ist eine Entscheidung."