Europa wird immer mehr zum Spielball der großen Mächte, ist abhängig und erpressbar. Macht euch das nicht auch Sorgen?
Militärische Unterstützung, künstliche Intelligenz, Erdgasimporte. Und wenn wir nicht nach der Pfeife von Donald Trump, Xi Jinping oder dem Emir von Katar tanzen, werden die Daumenschrauben angezogen.
Vor allem unsere Energieversorgung birgt ein enormes Erpressungspotenzial. Europa besitzt nicht einmal mehr zwei Prozent der weltweiten Erdgas- und Erdölvorkommen, Tendenz stark fallend.
Volker Quaschning
ist Professor für Regenerative Energiesysteme an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin. Seine Lehr- und Sachbücher zur Energiewende gelten als Standardwerke.
Was ein Stopp der Lieferungen aus einem großen Öl- oder Gaslieferland wie Russland bedeutet, haben wir zuletzt bei der Erdgaskrise 2022 erlebt. Aber wir werden nicht schlau.
Wir setzen weiter auf Verbrennerautos, auch über das Jahr 2035 hinaus. Die nötigen Erdölimporte werden die Nachfolger von Donald Trump und Co ganz sicher liefern. Natürlich völlig ohne Vorbedingung.
Technologieoffene Erdgasheizung statt Wärmepumpen? Die nötigen Flüssiggasimporte aus den USA oder Katar? Hey Mann, Katar versucht sich jetzt schon in die europäische Gesetzgebung einzumischen.
Leute, wir müssen aufwachen! Wir müssen raus aus der Abhängigkeit von Öl, Kohle und Gas.
Beschleunigen wir die Energiewende, machen wir Tempo beim Ausbau der Solar- und Windenergie, fahren wir Elektroautos, heizen wir mit Wärmepumpen, die mit erneuerbarem Strom aus Europa betrieben werden.
Wenn erneuerbare Energien einmal 100 Prozent unseres Energiebedarfs decken, ist sämtliches Energieerpressungspotenzial Geschichte. Lasst uns alles daran setzen, das so schnell wie möglich zu erreichen.

Seit Ende Mai 2022 wurden die in Deutschland ankommenden Gasflüsse gedrosselt und bis Mitte Juni 2022 auf weniger als die Hälfte der üblichen Menge gesenkt:
https://www.udo-leuschner.de/energie-chronik/220601.htm
"Zuerst stoppte der Kreml Anfang April die letzten mageren Gasflüsse über die Pipeline Jamal (sie wird seitdem nur noch in der Gegenrichtung zur Belieferung Polens von Westen her verwendet). Dann kam es im Mai zu Störungen auf der Transgas, die teilweise mit dem Krieg in der Ukraine zu tun hatten, aber letztendlich doch von der Gazprom inszeniert wurden. Dafür spricht auch die parallele Absenkung der Gasflüsse auf Nord Stream 1 und Transgas im Juni, bis hin zu deren völligem Versiegen während der zehntägigen Wartungsarbeiten an Nord Stream 1, obwohl diese nicht die Transgas betrafen."
https://www.udo-leuschner.de/energie-chronik/220701.htm
Schon seit Ende 2021 wurde die polnische Jamal kaum noch für Gaslieferungen aus Russland benutzt, sondern allenfalls noch in der Gegenrichtung, um Polen von Deutschland aus zu versorgen. Ende April 2022 verhängte Gazprom einen völligen Lieferstopp für Polen, und Mitte Mai kündigte sie an, die Jamal auch für Lieferungen an westliche Länder nicht mehr zu verwenden.
https://www.udo-leuschner.de/energie-chronik/220506.htm
Die Nord Stream Pipelines wurden erst am 26. September 2022 gesprengt.
Nein, die Initiative zum Abbruch kam klar von Deutschland und weiteren europäischen Staaten. Bekanntlich gibt es noch ein paar, die heute noch russisches Gas erhalten. Und es hat etwas Masochistisches, denn es ist die Hauptursache für die Verteuerung der Energie und dies wiederum die Hauptursache für die Rezession oder allenfalls Stagnation der deutschen Wirtschaft.
Russland hat die Gaslieferungen als Waffe genutzt.
Daher ist das Vertrauen, dass Russland zukünftig zuverlässig Erdgas nach Europa liefern wird dahin. Deutschland ist daher gezwungen, alternative Gaslieferanten zu finden - zumindest so lange, bis die Gasnutzung beendet wird.
Die Initiative zur Drosselung kam sicherlich nicht aus "Deutschland und weiteren europäischen Staaten" sondern ausschließlich aus dem Kreml.
Diesen Fakt kann man - falls man Interesse an den Fakten hat - auch schön in den von mir verlinkten Artikeln nachlesen.