Gerade erleben wir dramatisch steigende Öl- und Gaspreise und eine verantwortungslose Abhängigkeit von fossilen Energieländern.
Jetzt rächt sich, dass die deutsche Wirtschaftsministerin Katherina Reiche und Kanzler Friedrich Merz weiterhin auf fossile Rohstoffe setzen – so wie in den USA Präsident Donald Trump.
Die Folgen von Trumps völkerrechtswidrigem Krieg sind überall spürbar: an den Zapfsäulen, in der Industrie, an den Börsen, in jedem Geldbeutel. Denn jetzt wird wieder einmal alles teurer. Und ist umweltbelastend. Was noch mehr kostet.
Die Zahl der Kriegsflüchtlinge wird ebenfalls stark steigen, mit unberechenbaren Folgen. Kriege waren und sind schon immer nur Scheinlösungen.
Dabei ist es eigentlich ganz einfach: Sonne und Wind sind unabhängig von der Sperrung der Meeresenge von Hormus. Die Sonne scheint auch in Deutschland auf jedes Dach und der Wind weht überall.
Wenn die iranischen Ajatollahs die Straße von Hormus für Gas- und Öltanker sperren, juckt das weder Sonne noch Wind. Es gibt kein einziges Land der Welt, das sich nicht zu 100 Prozent mit erneuerbarer Energie versorgen könnte. Wir haben neben den zwei großen Ökoenergiequellen Sonne und Wind auch noch weitere kleinere wie Wasserkraft, Bioenergie, Erdwärme sowie Wellen- und Strömungsenergie der Ozeane.
Naturgesetze verstehen
Allein die Sonne schickt uns jede Sekunde unseres Hierseins etwa 15.000-mal mehr Energie, als zurzeit alle acht Milliarden Menschen verbrauchen. Jedes Kind lernt heute in der Schule, dass die solare Energiewende in wenigen Jahren möglich ist, wenn die Politik die Weichen richtig stellt und wenn die Bürgerinnen und Bürger mitmachen.
Aber ausgerechnet die deutsche Wirtschaftsministerin und der deutsche Bundeskanzler wollen diese einfachen Naturgesetze nicht verstehen, weil sie sich abhängig von den alten Energiekonzernen und vom Ausland gemacht haben. Die Bundesregierung beharrt auf einem vorsintflutlichen "Gebäudemodernisierungsgesetz", das noch auf Jahre primär auf Öl und Gas setzt.
Franz Alt
ist Journalist und Buchautor. Er leitete 20 Jahre das politische Magazin "Report" beim Südwestrundfunk, danach bis 2003 die Zukunftsredaktion des SWR. Als einer der ersten deutschsprachigen Journalisten informierte er über Klimawandel und Energiewende.
Und dieselbe Regierung kämpft gegen das Aus für Verbrenner-Autos im Jahr 2035, das die EU beschlossen hat. Das bringt der deutschen Automobilwirtschaft aber keine Planungssicherheit, sondern weiterhin Unsicherheit, was Gift für jeden Wirtschaftszweig ist.
Sowohl China als auch Tesla freuen sich über diese deutsche Dummheit. Denn nun machen sie weiterhin beste Geschäfte mit ihren E‑Autos.
Ich weiß von Chinesen, die ihr Glück kaum fassen können über die deutsche Energiepolitik. China allein hat 2025 mehr Solar- und Windanlagen aufgestellt als die gesamte übrige Welt zusammen.
Und Indien ist auf bestem Weg, es China bei den Erneuerbaren nachzumachen. Die beiden Anderthalb-Milliarden-Nationen haben bei der Energiewende und bei der solaren Weltrevolution die Nase vorn. Deutschland war zwar gut beim Erfinden der Technik, verschläft aber heute unter Merz und Reiche die Umsetzung.
Dass es auch intelligenter geht, hat Helmut Kohl 1990 mit dem deutschen Stromeinspeisegesetz und einer Abnahmeverpflichtung für Ökostrom bewiesen. Dieses Gesetz war der Vorläufer des erfolgreichsten deutschen Gesetzes aller Zeiten, des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG).
Dieses Gesetz wurde von über 70 Ländern übernommen und hat zu einer solaren Weltrevolution geführt, die wir in vielen Ländern gerade erleben, außer in Deutschland. Das EEG sagt ganz einfach: Du bekommst einen ökonomischen Anreiz, wenn du dich ökologisch verhältst.
Um Sonne und Wind werden keine Kriege geführt
Doch Reiche und Merz wollen jetzt den raschen Ausbau der Erneuerbaren abbremsen. Donald Trump freut sich und lobt sie dafür, aber ihr früherer Parteikollege Helmut Kohl dürfte sich im Grab umdrehen, vermutet die Süddeutsche Zeitung.
Trump und Reiche wollen die Energie-Uhr zurückdrehen und die Erneuerbaren ausbremsen. Jetzt erweist sich, dass Katherina Reiche früher, als sie bei einer Eon-Tochter arbeitete, zu Recht "Gas‑Kathi" genannt wurde. Sie macht ihrem Spitznamen alle Ehre.
Während die Gas- und Ölpreise gigantisch steigen, kann in Deutschland eine Kilowattstunde Strom aus Sonne oder Wind für fünf bis sieben Cent produziert werden: also preisgünstig, umweltfreundlich und für alle Zeit. Vor allem aber unabhängig von ausländischen Großkonzernen und Öl-Diktaturen.
Und ohne Kriege führen zu müssen. Um Sonne und Wind werden niemals Kriege geführt werden. Die Sonne hat einen "Sicherheitsabstand" zur Erde von 150 Millionen Kilometern. Da kommen weder Trump noch Putin oder sonst ein Obergauner jemals ran.
Also: Der Ölpreis-Schock hätte vermieden werden können oder kann zumindest künftig vermieden werden, wenn jetzt endlich die richtigen Konsequenzen gezogen werden: der rasche Umstieg auf 100 Prozent erneuerbare Energien – weltweit.
Eine der entscheidendsten Zukunftsfragen heißt: Krieg um Öl oder Frieden durch die Sonne? Der Irak-Krieg, der Afghanistan-Krieg, der Krieg um Venezuela und jetzt der Iran-Krieg: All diese Kriege waren oder sind Kriege um die fossilen Rohstoffe. Sonne und Wind dagegen sind Geschenke des Himmels. Sie sind Friedensenergien.
Ein Vorschlag der Süddeutschen: Kanzler Merz sollte mal die Töchter seiner Töchter fragen, was sie von seiner heutigen Energiepolitik eines fernen Tages halten werden.

Allerdings profitieren im weltweiten Wirtschaftssystem viele Player vom Verkauf dreckiger Energieträger. Insbesondere Staaten, die fossile Energieträger exportieren (USA, Russland, die Golfstaaten, etc.) und viele Unternehmen, deren Geschäftsmodell auf fossilen Energien fußt.
Diese Staaten und (einflussreichen) Unternehmen wehren sich mit Händen und Füßen gegen einen Umstieg weg von fossilen Energien. Daher steht die Sinnhaftigkeit des Umstiegs auf erneuerbare Energien gar nicht zur Diskussion, diese ist evident. Die eigentliche Frage ist, wie der fossile staatlich/industrielle Komplex global aufgebrochen werden kann.