Trump geht es ums Öl. Andere Argumente für seine Attacke auf Venezuela und das Kidnapping seines Präsidenten Maduro – Drogenschmuggel-Stopp, Landes-Wiederaufbau, Demokratie-Herstellung – sind vorgeschoben oder sekundär.
Das war schnell klar, doch ein jetzt bekanntes Faktum macht es noch klarer: Der US-Präsident besprach seinen Maduro-Coup vor dem Einsatz nicht mit dem US-Kongress, sondern mit den heimischen Ölkonzernen.
Das zeigt: Trump strebt danach, die fossile Zukunft der USA durch den Export seiner "Drill, baby, drill"-Doktrin abzusichern. Er entfernt sich damit noch mehr von einer zukunftsfähigen Politik und liefert dem Rest der Welt ein weiteres starkes Argument, die grüne Energiewende beschleunigt voranzutreiben.
Die USA sind im letzten Jahrzehnt, während Trumps erster Amtszeit, zum größten Erdöl-Produzenten weltweit aufgestiegen. Unter Nachfolger Joe Biden änderte sich das nicht, seiner Klimaschutz-Agenda zum Trotz.
Trumps Drill-Kurs bedeutet nun, dass die Abhängigkeit der USA von Öl und Gas in Zukunft hoch bleiben wird, was bei den vergleichsweise kleinen Reserven im eigenen Land längerfristig Probleme bringen wird. In Trumps fossiler Logik liegt es daher nahe, sich den Zugriff auf die venezolanischen Reserven zu sichern, die größten weltweit.
Venezuela war bis 2005 einer der größten Erdöllieferanten der USA. Das Motto ist also: rückwärts in die Zukunft.
Kollateralschäden der fossilen Wirtschaft
Die Frage ist offen, ob das Venezuela-Abenteuer so ausgeht, wie Trump und die Ölmultis erwarten, die seine Wiederwahl mit vielen Dollarmillionen befördert haben. Die Investitionen, die gebraucht werden, um Venezuelas Ölquellen wieder zum Sprudeln zu bringen, sind hoch. Gleichzeitig ist der Ölpreis am Weltmarkt derzeit niedrig, die Refinanzierung also schwierig.
Doch unabhängig davon: Trumps Coup ist ein erneutes Beispiel dafür, welche Kollateralschäden das Extrahieren und Verbrennen der fossilen Energien auch über die Klimakrise hinaus mit sich bringt. Bleibt zu hoffen, dass Venezuela und der Welt wenigstens eine Neuauflage der Kriege ums Öl erspart bleibt, wie die USA ihn unter Bush senior und junior in Irak führten.
Bisher schaut vor allem Europa dem fossilen Trump-Schauspiel wie in Schockstarre zu. Tatsächlich müsste die Venezuela-Attacke der Anlass sein, den aus Gründen des Klimaschutzes und der Energiesicherheit – Thema "Putin-Gas" – begonnenen Umbau des Energiesystems zu beschleunigen, statt ihn abzubremsen, wie es neuerdings die Tendenz ist, siehe das geplante Aus des Verbrenner-Aus.
Die EU sollte sich, was Zukunftstechnologien wie Solar, Wind, Speicher und E‑Mobilität angeht, eher an China orientieren als an den Trump-USA, die hier technologisch ins Abseits steuern und ihrer Wirtschaft damit schon mittelfristig stark schaden werden.
Trump versucht zu leugnen, dass die Erneuerbare-Energien-Revolution bereits läuft, die sich darin zeigt, dass China in einem Jahr mehr Solarmodule installiert als Deutschland in 30 Jahren und ausgerechnet Saudi-Arabien allein in einem Projekt Solarkraftwerke mit Speicher baut, die die Leistung eines Atomkraftwerks besitzen.
Gerade Deutschland, immerhin die drittgrößte Volkswirtschaft der Erde, muss den Energiewende-Booster und die Effizienzrevolution – Stichworte: Wärmewende, E‑Mobilität, Kreislaufwirtschaft – endlich zünden. Die Fehler der Merkel-Regierungen dürfen sich nicht wiederholen.
Es ist doch grotesk: Merkel und Co haben bewusst der früher weltweit führenden deutschen Solarindustrie den Garaus gemacht und das Feld China überlassen. Daraus zu lernen, ist der Job von Merz und Co. Tun sie das, hat vielleicht sogar ein Trump Respekt vor uns.

Die USA stellen ebenso wie Russland oder China die "regelbasierte Weltordnung" in Frage.
Diplomatische Feinheiten interessieren nicht mehr, es gilt das Recht des Stärkeren.
Was soll ein nicht geeinigtes Europa dem entgegensetzen?
Der Begriff 'regelbasierte Weltordnung' ist selbst ein propagandistischer. Im engeren Sinne hat es das nie gegeben. Die mächtigsten Staaten, zuvorderst die usa, haben sich immer schon, nicht erst, seit sie von einem Menschen repräsentiert werden, der das explizit und offensiv zum Ausdruck bringt, einen Dreck um Regeln, Kodizes gekümmert. Gerade die usa hat einen Krieg nach dem anderen geführt, davon ein gut Teil objektiv als völkerrechtswidriger Angriffskrieg zu bezeichnen. Der Vietnam-Krieg war so einer, der Krieg gegen den Irak. In beiden Fällen wurden casus belli angeführt, die sich später als schlichte Lüge erwiesen. Seit der Suez-Krise 1956 haben sich die Europäer - die ich als die Grosseltern aller geopolitischen Probleme bezeichnen würde, wenn man sich die Geschichte so ansieht - not- bzw. von den usa gedrungen zurückgehalten, haben aber weiterhin keine Probleme, sich z. B. politisch schwachen afrikanischen Staaten gegenüber wirtschaftlich erpresserisch zu verhalten, von den vielen, meist verdeckten militärischen Interventionen ganz zu schweigen.
Und durchaus - die Europäer können, auch wenn sie untereinander immer wieder streiten, die usa in die Schranken weisen. Dabei muss man nicht zwanghaft an militärische Mittel denken. Es gibt ergreifbare Massnahmen, die den usa klar schaden würden. In den meisten Fällen auch den Europäern selbst, aber das hält sie im Fall Russland ja nicht zurück. Die sogenannten Wirtschaftssanktionen gegen Russland kosten die Europäer selbst ungezählte Milliarden, sie tun es dennoch, es ist also eine Frage des Willens bzw. der Motivation.
Und die Botschafter einzubestellen soll ein geeignetes Mittel sein, diese irregeleitete US-Regierung zu beeindrucken?
Wirtschaftssanktionen gegen die USA sind eine ganz andere Hausnummer als Wirtschaftssanktionen gegen Russland.
Ah ja, inwiefern denn? Für mich klingt das reichlich defaitistisch. (Und haben Sie mein PS zur Kenntnis genommen?)
Das ist ein Zitat aus einem ARD-Tagesschau-Artikel von gestern ('Die Scheu der Europäer vor einer starken Antwort'). Das mit der Eingreiftruppe finde ich nicht besonders sinnvoll, aber die an wirklich unverdächtiger Stelle zitierte Aussage zeigt, dass ich mit meiner Sicht der Dinge nicht allein stehe.
Man kann es schon als die letzte Oelung sehen. Wenn Rambo Trump damit davonkommt - was soll ihn dann noch stoppen bei der Abschaffung der laestigen Demokratie. Die Marktkonforme Demokratie al la Frau Merkel wird dann glatt uebersprungen.