Die Erholung der Ozonschicht, eines globalen öffentlichen Gutes, gilt heute als Beweis dafür, dass internationale Solidarität funktionieren kann – und als Erfolgsgeschichte globaler Umweltpolitik. Der Internationale Tag zum Schutz der Ozonschicht am 16. September erinnert jährlich an das 1987 unterzeichnete Montreal-Protokoll – ein Abkommen zum Verbot ozonabbauender Stoffe.

Es wurde von allen 198 UN-Staaten ratifiziert und zählt zu den wenigen universell gültigen Verträgen. Die Staaten verpflichteten sich, die Produktion und die Nutzung von rund 100 ozonabbauenden Stoffen schrittweise einzustellen.

 

Inzwischen dient das Montreal-Protokoll als Vorbild für Abkommen zum Klimaschutz. So fordern derzeit kleine Inselstaaten zusammen mit Pakistan nachdrücklich die Ausarbeitung eines Nichtverbreitungsvertrags für fossile Energien, um die gesundheitsschädlichen Wirkungen der damit verbundenen Emissionen zu vermeiden.

Dieser Vertrag soll ähnlich wie das Montreal-Protokoll die schrittweise Einstellung der Produktion und des Verbrauchs fossiler Brennstoffe innerhalb eines bestimmten Zeitrahmens vorschreiben. Viele staatliche und nichtstaatliche Akteure, darunter Städte wie Bonn, unterstützen die Initiative.

Auch das Europäische Parlament drängt die EU-Mitgliedsstaaten inzwischen, den Vertrag voranzubringen. Trotz wachsender Unterstützung sind beträchtliche Hürden zu überwinden. Dabei stellt sich die Frage, welche Lehren sich aus dem Erfolg des Montreal-Protokolls für den Nichtverbreitungsvertrag ziehen lassen.

Klar ist: Die schrittweise Abschaffung fossiler Brennstoffe ist weit komplexer als das Verbot von Stoffen, die die Ozonschicht schädigen. Außerdem lassen sich nicht alle Erfolgsfaktoren von damals eins zu eins auf den angestrebten Nichtverbreitungsvertrag übertragen.

Mit öffentlichem Bewusstsein und breiter Zustimmung zum Erfolg

Der Blick zurück zeigt: Ohne öffentliches Bewusstsein und breite Akzeptanz wäre der Erfolg des Montreal-Protokolls kaum möglich gewesen. In den 1980er Jahren waren die wissenschaftlichen Beweise über die Wirkungen ultravioletter Strahlung auf die Menschen noch lückenhaft. Selbst der Zusammenhang zwischen bestimmten Chemikalien und dem Abbau der Ozonschicht war nicht zweifelsfrei belegt.

Dennoch war das Abkommen nur zwei Jahre nach der Entdeckung des Ozonlochs über der Antarktis fertig ausgehandelt und ratifiziert. Wissenschaft und Umweltbewegung zogen an einem Strang und brachten das Thema in die Öffentlichkeit.

Bild: IDOS

Aparajita Banerjee

ist Soziologin, Politik­wissen­schaft­lerin und wissen­schaft­liche Mitarbeiterin in der Forschungs­abteilung "Umwelt-Governance" des German Institute of Development and Sustainability (IDOS).

Dabei überwog die Sorge um die menschliche Gesundheit gegenüber den wirtschaftlichen Interessen der Industrie, die ozonabbauende Stoffe produzierte oder nutzte. Sogar Entwicklungsländer, die auf günstige Kühl- und Gefriertechnologien angewiesen waren, schlossen sich an. Die Botschaft war eindeutig: Ozonschädigende Stoffe sind gefährlich und müssen verschwinden.

Im Rahmen des Montreal-Protokolls wurde zugleich ein multilateraler Fonds eingerichtet, der zu gleichen Teilen von Vertreter:innen aus Entwicklungs- und Industrieländern verwaltet wurde. Sein Zweck war es, Länder bei der schrittweisen Abschaffung von ozonabbauenden Stoffen in Kältetechnik oder Kühltechnologien zu unterstützen.

Der Fonds übernahm auch die Finanzierung von Forschung und Wissenstransfer im Bereich alternativer Technologien. Da nicht alle Staaten in der Lage waren, schnell aus der Nutzung auszusteigen, wurden gestaffelte Ausstiegspläne für eine schrittweise Abkopplung entwickelt.

Das Protokoll enthielt zudem Flexibilitätsklauseln, die es den Ländern erlaubten, ihre eigenen Ausstiegsverpflichtungen innerhalb festgelegter Fristen zu erfüllen.

Auch heute ist das öffentliche Bewusstsein entscheidend für den Nichtverbreitungsvertrag. Die wissenschaftlichen Belege für die gesundheitsschädlichen Folgen der Luftverschmutzung durch fossile Brennstoffe sind zahlreich und eindeutig.

Ein neues Abkommen muss regeln, was im Paris-Vertrag fehlt

Das 1,5-Grad-Limit des Pariser Klimaabkommens wirkt angesichts politischer Kompromisse und praktischer Hürden oft unrealistisch. Mit dem Hinweis auf die direkten Auswirkungen fossiler Brennstoffe für die menschliche Gesundheit lässt sich die Forderung nach einem Ausstieg leichter vermitteln.

Da das Paris-Abkommen die schrittweise Abschaffung fossiler Brennstoffe nicht ausdrücklich vorsieht, braucht es ein neues globales Abkommen mit genau einem Ziel: Begrenzung von Produktion und Nutzung fossiler Brennstoffe. Ein solch klarer Fokus kann breite öffentliche Unterstützung mobilisieren und ein Gegengewicht zur starken Lobby der fossilen Industrie schaffen.

Ein stärkeres öffentliches Bewusstsein kann den nötigen Druck auf politische Entscheider:innen ausüben, sich klar zu Ausstiegsplänen aus fossilen Brennstoffen zu bekennen – einschließlich konkreter kurz- und mittelfristiger Ziele.

Nach dem Vorbild des Montreal-Fonds könnte zudem ein neuer Fonds Länder bei der Transformation unterstützen und Forschung, Entwicklung sowie Technologietransfer finanzieren. Dadurch ließe sich auch ein umfassendes Verständnis der sozialen, wirtschaftlichen und politischen Herausforderungen entwickeln, die mit dem Ausstieg aus fossilen Brennstoffen verbunden sind. Darauf aufbauend können gerechte politische Handlungsoptionen aufgezeigt werden.

 

Für viele mag ein Nichtverbreitungsvertrag im aktuellen politischen Kontext wie eine Utopie erscheinen. Doch das Montreal-Protokoll zeigt eindrucksvoll, dass das soziale Dilemma mit klaren Verpflichtungen gelöst werden kann.

Am Anfang jeder großen Idee steht der Glaube an ihre Realisierbarkeit. Schritt für Schritt haben Hunderte von Städten – von Bonn bis Kalkutta, von Kingston bis Paris, von Lima bis Toronto – begonnen, an diese Möglichkeit zu glauben und den Nichtverbreitungsvertrag zu unterstützen.

Jetzt ist es an der Zeit, eine Welle breiterer öffentlicher Unterstützung zu mobilisieren und gleichzeitig an den vielen Details des Nichtverbreitungsvertrags zu arbeiten, sozusagen als letzte Chance für eine Abkehr von fossilen Brennstoffen, bevor es zu spät ist.

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