Steinkohle-Tagebau Patilla in Kolumbien
Kolumbiens größter Steinkohletagebau liegt vier Autostunden von Santa Marta entfernt und liefert auch nach Deutschland. (Bild: Benedikt Hora/​Wikimedia Commons)

"Schön, dass wir mal wieder gesprochen haben." Ist das das Ergebnis der Konferenz von 57 Staaten zum Ausstieg aus den fossilen Energien, die mit so großen Erwartungen befrachtet worden war?

Viele hatten gehofft, das Treffen in der kolumbianischen Stadt Santa Marta werde den Knoten platzen lassen, der die 30 bisherigen UN-Klimagipfel eingeschnürt hat – und zuletzt, bei der Konferenz in Brasilien Ende 2025, verhinderte, dass endlich eine weltweit gültige "Roadmap" zum Ende der Verbrennung von Kohle, Erdöl und Erdgas beschlossen werden konnte.

Die Antwort fällt – wie so oft in der Klimapolitik – ambivalent aus. Einerseits: Ja, da ist Bewegung.

In Santa Marta ging es erstmals nicht mehr um das Ob, sondern um das Wie des Ausstiegs. Die 57 Staaten verständigten sich darauf, nationale Fahrpläne zu entwickeln, um Förderung und Nutzung fossiler Energieträger zurückzufahren.

Das ist mehr als diplomatische Folklore. Es markiert einen Perspektivwechsel weg vom endlosen Feilschen hin zu konkreter Umsetzung.

Andererseits: Der große Durchbruch blieb aus. Bindende Ziele? Fehlanzeige. Einheitliche Zeitpläne? Ebenso. Stattdessen freiwillige "Roadmaps", deren Verbindlichkeit gering ist. Und von fast 200 Staaten weltweit waren nur 57 anwesend, also nicht mal ein Drittel.

Immerhin verlagerte sich die Debatte wirklich auf die Angebotsseite – also die Förderung fossiler Rohstoffe. Lange ein Tabu in der internationalen Klimapolitik. Ein Signal ist auch, dass ein neuer wissenschaftlicher Beirat Ländern helfen soll, schneller aus Kohle, Öl und Gas auszusteigen.

Vielen Ländern fehlt das Geld für eine Energiewende

Klar war von vornherein, dass es keinen Sinn haben würde, Länder wie die USA oder die Erdölstaaten einzuladen, die das fossile Zeitalter noch viel Jahrzehnte verlängern wollen – und im Fall von US-Präsident Donald Trump wohl so lange, bis der allerletzte Tropfen Öl aus der Erdkruste geholt wurde.

Ein großes Manko allerdings: Auch China war nicht dabei. Das Land betätigte sich bei den UN-Verhandlungen zwar lange als Bremser, doch seine Stellung ist eben zentral.

Einerseits als globaler "Obereinheizer", der allein ein Drittel der CO2-Emissionen verantwortet, aber offiziell erklärt hat, sein Energiesystem nachhaltig umbauen zu wollen. Und andererseits als mit Abstand weltweit führender Produzent von preiswerter Solar- und Windkraft-Technik, ohne dessen Produkte die Energiewende gar nicht zu stemmen ist.

Besonders deutlich wurde in Santa Marta auch, wo für viele Staaten die eigentlichen Blockaden beim Umbau des Energiesystems liegen: im Geld. Viele Länder des globalen Südens sitzen in der Schuldenfalle und finanzieren ihren Schuldendienst ausgerechnet mit fossilen Exporten. Ohne Schuldenerleichterungen und neue Finanzstrukturen wird der Ausstieg hier zur Quadratur des Kreises.

Und dann sind da noch die politischen Minenfelder: Investitionsschutzabkommen, die von fossilen Konzernen gegen Klimapolitik in Stellung gebracht werden, oder Konflikte um Rohstoffe für die Energiewende. Oder die generelle Frage, wer die Kosten der Energiewende trägt und wie ein globaler CO2-Preis entstehen könnte, der den Umstieg deutlich erleichtern würde. All das blieb auf der Konferenz in Kolumbien ungelöst.

 

Doch vielleicht liegt die eigentliche Bedeutung des Treffens woanders: Es war der Versuch, die lähmende Logik der UN-Klimadiplomatie zu umgehen – dieses Einstimmigkeitsprinzip, das Fortschritt oft verhindert. Santa Marta war ein "Klub der Willigen", ein Labor für schnelleres Handeln.

Ob daraus mehr wird als ein gut gemeintes Gespräch, entscheidet sich erst noch. Die nächste Konferenz soll 2027 im pazifischen Inselstaat Tuvalu stattfinden – symbolträchtig, denn dort zeigt der steigende Meeresspiegel, worum es geht.

Bis dahin bleibt der Eindruck: Der Knoten ist noch nicht geplatzt. Aber er beginnt sich zu lockern.

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