Die Love-Hotels machen mit. Na also, es gibt doch noch gute Nachrichten zum UN-Klimagipfel COP 30, der im November im brasilianischen Belém, in der Amazonas-Region, stattfinden wird.
Die Etablissements, die ihre Zimmer sonst stundenweise abrechnen, stellen einen Teil davon den Gipfelteilnehmern zur Verfügung, um so die grassierende Knappheit an Unterkünften in der Stadt zu mildern. Mit 200 oder 280 US-Dollar ist man dabei, bei den teureren Angeboten inklusive Whirlpool.
Noch besser: Die Hotelbetreiber geben sich Mühe, damit auch schüchterne Konferenzbesucher sich wie zu Hause fühlen können. Verspiegelte Decken, Poledance-Stangen, Sexstühle und kitschige erotische Kunstwerke sollen entfernt oder zugehängt werden, und die Matratzen will man wechseln. Immerhin 600 der geschätzt 2.000 Zimmer in der Branche bieten die Betreiber an.
Leider reicht das aber noch nicht aus, um die Probleme zu lösen. Angeblich hat es bisher nicht einmal die Hälfte der fast 200 Länder, die üblicherweise an den COPs teilnehmen, geschafft, Buchungen in Belém zu bestätigen.
Die Kirchen haben nun eine Aktion gestartet, damit Gemeindemitglieder kostenlose Betten zur Verfügung stellen.
"Es wird wunderbar sein"
Doch auch das dürfte die Diskrepanz zwischen den üblicherweise anreisenden 40.000 oder mehr Teilnehmer:innen und den normalen Hotelkapazitäten in Belém von 18.000 nicht ausgleichen. Die Kritik spricht schon von einer "Paywall-COP" statt einer "People's COP".
So steht der Belém-Gipfel unter keinen guten Vorzeichen. Was nützt es, "nah an den Lungen der Erde" zu tagen, wie Brasiliens Präsident Lula versprach, wenn viele gar nicht teilnehmen können und vielleicht sogar ganze Länderdelegationen, NGOs und Wissenschaftler:innen zu Hause bleiben müssen.
Joachim Wille ist Co-Chefredakteur des Online-Magazins Klimareporter°.
Es wäre ein schlechtes Zeichen für den ganzen UN-Klimaprozess, der ohnehin zu erlahmen droht – angesichts des Austritts der USA aus dem Paris-Abkommen und der Zögerlichkeit, mit der die Regierungen ihre CO2-Reduktionspläne für das nächste Jahrzehnt melden.
Das hätten sie eigentlich schon im Februar tun sollen, aber immer noch liegen erst von rund 30 der knapp 200 Länder Meldungen vor. UN-Klimachef Simon Stiell hat deswegen jüngst einen flammenden Appell an die Säumigen losgelassen, die Sache nicht schleifen zu lassen.
Präsident Lula hat sich mit seiner Ortswahl ziemlich verkalkuliert. Da nützt es auch nichts, dass er meinte, man könne dort ja auch einfach unter freiem Himmel übernachten. "Schlafen Sie und schauen Sie zu den Sternen auf ... Und es wird wunderbar sein."
