Die Landwirte schlagen Alarm. Nach der langen Trockenheit und extremen Hitze dieses Sommers drohen vor allem in Süd- und Westdeutschland erhebliche Ernteausfälle.
Bauernverbands-Präsident Joachim Rukwied rechnet bei wichtigen Kulturen mit deutlichen Einbußen, regional sogar mit Totalausfällen. Wo Einnahmen wegbrechen, während die Kosten weiterlaufen, kann ein einziges extremes Jahr einen Hof in Existenznot bringen.
Deshalb ist es legitim, über Überbrückungskredite, vorgezogene EU-Direktzahlungen oder andere Hilfen zu reden. Allerdings nicht nach dem Gießkannenprinzip. Die Schäden sind regional höchst unterschiedlich.
Während manche Betriebe massive Verluste verkraften müssen, verdienen andere weiter gut. Staatliche Unterstützung muss deshalb gezielt nach Betroffenheit vergeben werden. Pauschale Subventionen für die gesamte Branche wären verfehlt.
Erträge werden unsicherer
Ohnehin darf sich die Politik nicht darauf beschränken, nach jedem Extremereignis – ob Megadürre oder Überflutungen – nur Hilfen bereitzustellen. Denn 2026 ist kein singulärer landwirtschaftlicher Betriebsunfall.
Rukwied weist selbst darauf hin, dass die Bauern seit 15 bis 20 Jahren spüren, wie die Erntemengen durch den Klimawandel tendenziell sinken. Die Landwirtschaft muss sich auf dauerhaft veränderte Produktionsbedingungen einstellen.
Höhere Durchschnittstemperaturen, häufigere Hitzewellen und längere Trockenperioden erhöhen die Risiken. Starkregen, Hagel und neue Schädlinge können ganze Ernten vernichten.
Ein längerer Vegetationszeitraum und mildere Temperaturen bringen einzelnen Kulturen und Regionen Vorteile. Doch dieser Bonus wird zunehmend von Hitze- und Trockenstress aufgezehrt.
Vor allem werden Erträge unsicherer. Den Betrieben hilft es wenig, wenn der statistische Durchschnitt halbwegs stabil bleibt, aber bei ihnen alle paar Jahre ein großer Teil der Ernte ausfällt.
Umbau der Landwirtschaft bleibt entscheidend
Deshalb führt kein Weg an einem Umbau der Landwirtschaft vorbei. Dazu gehören trockenheits- und hitzerobustere Sorten, humusreichere Böden, die mehr Wasser speichern, vielfältigere Fruchtfolgen, Agroforst- und Agrisolar-Systeme sowie eine Landschaftsgestaltung, die Niederschläge zurückhält, statt sie möglichst schnell abzuleiten.
Bewässerung kann helfen, ist aber kein Allheilmittel. Denn wenn Wasser knapp ist, konkurriert die Landwirtschaft mit Trinkwasser-Versorgung, Industrie und Natur.
Auch mehr Bio-Landbau gehört in diese Strategie. Ökologisch bewirtschaftete Böden weisen häufig höhere Humusgehalte und aktiveres Bodenleben auf, vielfältigere Fruchtfolgen können die Widerstandskraft erhöhen. Bio-Landwirtschaft ist keine Garantie gegen Dürreschäden, kann aber einen wichtigen Beitrag zu klimaresilienteren Agrarsystemen leisten.
Staatliches Geld ist gut angelegt in Förderung von Bodenverbesserung, die Einführung von klimaresistenten Sorten sowie von wassersparender Bewässerung, und eine verstärkte Umstellung auf Öko-Landbau.
Abzulehnen ist hingegen eine Rückkehr zu alten Rezepten wie einer weiteren Verbilligung des Agrardiesels, um Betriebe finanziell zu entlasten. Ausgerechnet fossile Energieträger stärker zu subventionieren, um Schäden durch die fossile Erderwärmung abzufedern – widersinniger ginge es kaum.
Die wichtigste Agrarsubvention der Zukunft ist deshalb die Investition in Klimaresilienz und in den Umbau der Landwirtschaft selbst.
Denn auch das gehört zur Wahrheit: Landwirtschaft ist nicht nur Opfer der Klimakrise, sie verstärkt sie auch. Methan aus der Massentierhaltung und Lachgas aus stark gedüngten Böden tragen selbst erheblich zur Erderwärmung bei. Klimaanpassung und Klimaschutz dürfen deshalb nicht gegeneinander ausgespielt werden.
