Die gute Nachricht zuerst: Die Landwirtschaft in den reichen Industriestaaten hat in den vergangenen Jahrzehnten deutlich mehr erzeugt, während die Umweltbelastung nicht entsprechend weiterwuchs.
In den OECD-Ländern stieg die Agrarproduktion zwischen 1990 und 2023 um rund ein Drittel, während die landwirtschaftlich genutzte Fläche um fast elf Prozent schrumpfte. Die Treibhausgasemissionen der Landwirtschaft blieben im selben Zeitraum insgesamt relativ stabil.
Das klingt nach einem Effizienzerfolg: mehr Lebensmittel, weniger Fläche, weniger Schadstoffe pro erzeugter Einheit. Genau dies hält die OECD in ihrem neuen Bericht "Environmental Performance of Agriculture in OECD Countries 2026" auch fest.
Doch der Befund hat eine Kehrseite. Die Umwelt gewinnt dadurch noch nicht automatisch. Viele Belastungen gehen zu langsam zurück, manche nehmen wieder zu, und bei der Artenvielfalt zeigt der Trend weiter nach unten.
Die Studie ist deshalb weniger Entwarnung als Warnsignal. Sie zeigt, dass technische Verbesserungen, präzisere Düngung, höhere Erträge und effizientere Betriebe zwar wirken. Aber sie reichen nicht aus, um Landwirtschaft wirklich natur- und klimaverträglich zu machen.
Besonders deutlich wird das beim Klimaschutz. Zwar hat sich die Treibhausgasintensität der Produktion verringert, doch die Fortschritte verlangsamen sich. Der mittlere jährliche Rückgang der Emissionsintensität lag zuletzt nur noch bei 0,4 Prozent, während es in den 1990er Jahren noch 1,2 Prozent waren.
Anders gesagt: Die Landwirtschaft schafft es, sauberer zu produzieren, aber nicht schnell genug.
Fortschritte, aber kein Durchbruch
Das ist brisant, weil die Branche gleich doppelt im Zentrum der ökologischen Krise steht. Sie ist selbst vom Klimawandel bedroht – durch Dürre, Starkregen, Bodenerosion, Hitze und neue Schädlinge.
Zugleich trägt sie dazu bei: durch die Treibhausgase Methan aus der Tierhaltung und Lachgas aus gedüngten Böden. Hinzu kommen Umweltbelastungen durch Ammoniak aus Stall und Gülle, Pestizideinsatz, Flächenverbrauch und den Verlust von Hecken, Wiesen und Brachen.
Der OECD-Bericht beschreibt diese Gemengelage nüchtern, aber unmissverständlich. Beim Düngemittel-Einsatz gab es zuletzt zwar spürbare Rückgänge, vor allem zwischen 2021 und 2023. Doch die Nährstoffüberschüsse in den Böden und im Wasser, vor allem durch Stickstoff und Phosphor, bleiben in vielen der 38 OECD-Länder kritisch.
Damit bleibt eines der alten Probleme der Agrarpolitik noch immer ungelöst: Zu viel Stickstoff belastet mit seinen Umwandlungsprodukten Wasser, Klima und Luftqualität: Nitrat gefährdet das Grundwasser, Lachgas wirkt als starkes Treibhausgas, Ammoniak trägt zur Feinstaubbildung sowie zur Überdüngung und Versauerung empfindlicher Ökosysteme bei.
Immerhin sanken die landwirtschaftlichen Ammoniakemissionen zwischen 2013 und 2023 in 24 OECD-Staaten. In zehn Ländern aber stiegen sie. Auch hier das gleiche Bild wie beim Gesamtbefund: Es gibt Fortschritte, aber keinen generellen Durchbruch.
Besonders alarmierend ist der Blick auf die Biodiversität. Feldvögel gelten als empfindlicher Seismograf für den Zustand der Agrarlandschaft. Wo Lerche, Kiebitz oder Rebhuhn verschwinden, verschwinden meist auch Insekten, artenreiche Wiesen, strukturreiche Feldränder und damit auch ein Stück ökologisches Gedächtnis der Kulturlandschaft.
In 22 von 27 OECD-Ländern, die diesen Indikator erfassen, gingen die Bestände der Feldvögel weiter zurück. Das ist vielleicht die härteste Botschaft des Berichts: Die Landwirtschaft ist produktiver geworden, aber die Natur auf den Äckern und Wiesen hat davon vielerorts nichts.
Teurer Verlust von Böden
Die OECD-Daten passen in ein größeres Bild. Denn weltweit geht es längst nicht mehr nur um Umweltfolgen der Landwirtschaft, sondern um die Funktionsfähigkeit der Böden selbst.
Die UN-Konvention zur Bekämpfung der Wüstenbildung (UNCCD) hat jetzt vor einer wachsenden Finanzierungslücke im Kampf gegen Landdegradierung gewarnt. Nach Angaben ihrer Exekutivsekretärin Yasmine Fouad werden jährlich rund 355 Milliarden US-Dollar benötigt, um zerstörte oder gefährdete Landflächen zu schützen und wiederherzustellen.
Mobilisiert werden bisher nur etwa 77 Milliarden Dollar. Der Großteil davon kommt von den Regierungen der betroffenen Länder selbst, nur ein kleiner Teil aus privaten Investitionen. Fouad sagte der britischen Zeitung The Independent, gesunde Böden müssten als "grundlegende Infrastruktur" für Wirtschaft und Gesellschaft behandelt werden.
Landdegradierung bedeutet nicht einfach, dass irgendwo ein Acker weniger fruchtbar ist. Gemeint sind Phänomene wie Erosion, Humusverlust, Entwaldung, Überweidung, Versalzung und Abnahme der Bodenfruchtbarkeit. In Trockengebieten kann daraus Desertifikation werden, also die dauerhafte Verwandlung produktiver Landschaften in wüstenähnliche Räume.
Nach UNCCD-Angaben waren 2019 bereits 15,4 Prozent der gemeldeten Landflächen weltweit degradiert. Jedes Jahr kommen mindestens 100 Millionen Hektar ehemals gesunder und produktiver Flächen hinzu. Betroffen sind demnach rund 1,3 Milliarden Menschen.
Die Kosten von Desertifikation, Landdegradierung und Dürre werden auf jährlich 878 Milliarden Dollar beziffert, in den betroffenen Ländern im Schnitt rund zwei Prozent ihrer Wirtschaftsleistung.
Deutsche Landwirtschaft braucht immer mehr Energie und Wasser
Das ist auch für Europa und die anderen OECD-Staaten kein fernes Problem. Die globalen Ernährungsketten sind eng verflochten. Wenn Böden in Afrika, Asien oder Lateinamerika erodieren, wenn Ernten durch Dürre ausfallen oder Regionen unbewohnbarer werden, schlägt sich das auch in den Lebensmittelpreisen sowie potenziell in Migration und Konflikten nieder.
Die G7-Umweltminister bezeichneten Desertifikation und Dürre zuletzt als systemische globale Herausforderungen und als Verstärker von Sicherheitsrisiken. Damit rückt die Bodenfrage aus der Nische der Agrar- und Umweltpolitik heraus. Sie ist eine Frage von Wohlstand, Stabilität und Frieden.
Die Daten für Deutschland weichen übrigens vom OECD-Durchschnitt ab. Während die Agrarproduktion in der OECD von 2013 bis 2023 im Jahresschnitt um 0,8 Prozent wuchs, sank sie in der Bundesrepublik um 0,4 Prozent.
Zugleich nahm der Ressourceneinsatz in wichtigen Bereichen stärker zu: Beim direkten Energieverbrauch der Höfe weist die OECD für Deutschland ein jährliches Plus von fast 17 Prozent aus gegenüber nur 0,5 Prozent im Mittel. Auch die landwirtschaftlichen Wasserentnahmen stiegen in Deutschland mit 5,4 Prozent pro Jahr erheblich stärker als im Durchschnitt der OECD-Staaten, wo es 0,3 Prozent waren.
Gemischter ist das Bild bei den Nährstoffen. Der Einsatz von Stickstoffdünger sank in Deutschland mit knapp fünf Prozent jährlich deutlich stärker als im Durchschnitt, der nur bei einem Viertelprozent lag. Bei Phosphor zeigt sich jedoch wieder der gegenteilige Trend: Während die Phosphordüngung in der OECD insgesamt um ein halbes Prozent zurückging, legte sie in Deutschland um fast sieben Prozent pro Jahr zu.

'Tut uns leid, das Geld, ohnehin nicht vorhanden, müssen wir ganz dringend für Aufrüstung verwenden...' Oder so.
Mit der sogenannten konventionellen Landwirtschaft wird die Bodendegradierung, die Zunahme des Energieverbrauchs, die Düngerverschwendung usw. nicht aufzuhalten sein. Kriege allenthalben werden dafür zudem dafür sorgen, dass die Produktion gehemmt und viele Böden noch zusätzlich verseucht werden. Zudem ganze Regionen von der Versorgung abschneiden und die Zahl der Menschen ohne die erforderliche Kaufkraft, um sich zu versorgen, weiter erhöhen. Mittelfristig verstärkt das den Migrationsdruck, was der politischen Rechten frommt, die wiederum alles tut, was die Probleme verschlimmert.