In Vorzeigerunden mit Umweltverbänden gibt sich die IG Metall gern grün angehaucht. In der Praxis bleibt davon bei der verkappten Autogewerkschaft nichts übrig, wie die Debatte um die verhinderte Kaufprämie für fossile Verbrenner-Pkw zeigt.
Verklagte Stromdealer, soziale Kampfbegriffe und der Auto-Fokus
Kalenderwoche 23: Die Konjunkturhilfen der Bundesregierung enthalten einige gute Ansätze, aber ein "grünes" Paket ist das Ganze nicht, sagt Tim Meyer, Vorstand beim Öko-Energieversorger Naturstrom und Mitglied des Herausgeberrats von Klimareporter°. Dafür hätte beispielsweise die Senkung der EEG-Umlage beherzter ausfallen müssen.
Nach neuen Erkenntnissen könnte der Meeresspiegel bis 2100 um über einen Meter und bis 2300 sogar mehr als fünf Meter ansteigen, wenn die Menschheit weiter so viel Treibhausgase ausstößt wie bislang.
Die Krisen der letzten 20 Jahre haben eines gemeinsam: Ihre Grundursache liegt in unserer globalisierten, neoliberalen und patriarchalen Marktlogik. Trotz dieser Erfahrungen halten wir immer noch am wachstumsorientierten Kapitalismusmodell fest. Das ist weder logisch noch klug.
Keine Kaufprämie für Verbrenner: Die Autoindustrie kann nicht mehr einfach durchregieren wie bisher, zeigt das Konjunkturpaket der Bundesregierung. Gefördert wird die Branche trotzdem. Eine Mobilitätsprämie, von der nicht nur Autokäufer profitieren, wäre fürs Klima besser gewesen.
Die Wegwerfmaske ist nur die Spitze des Eisberges der ökologischen Kollateralschäden, die die Coronakrise im Gepäck hat. Zum Glück gibt es auch einiges auf der ökobilanziellen Habenseite der Krise zu verbuchen.
Die Politik sollte die Coronakrise als Chance nutzen, in die Infrastruktur einer klimafreundlichen Mobilität von morgen zu investieren. So lassen sich auch neue, zukunftsfähige Arbeitsplätze schaffen, statt nur den Abverkauf überkommener Technologie zu subventionieren.
Grüne Milliarden, faszinierte Stromkunden und windgestützte Erfolge
Kalenderwoche 22: Für Besitzer kleiner Dach-Solaranlagen, die jetzt aus der Förderung fallen, sollte es mehrere Optionen geben, sagt Gero Lücking, Geschäftsführer für Energiewirtschaft beim Ökostrom-Anbieter Lichtblick und Mitglied des Herausgeberrats von Klimareporter°. Auch wer mit smartem Zähler und E-Auto voll auf Eigenversorgung setzen will, soll ein Angebot bekommen.
Auch nach dem Ende der EEG-Förderung müssen so viele Erneuerbare-Energien-Anlagen am Netz bleiben wie möglich. Sie leisten einen sicheren Beitrag zum Umstieg von Kohle- und Atomstrom auf saubere Energie und zum Klimaschutz. Die Bundesregierung muss hier schnell Planungssicherheit schaffen.
Noch immer entscheiden Frauen kaum mit, wenn es zum Beispiel um Klimaschutz und Anpassungsmaßnahmen geht. Das bringt schlechtere Ergebnisse. Deshalb braucht Klimagerechtigkeit Feminismus.
Über klimagerechte Auswege aus der Wirtschaftskrise und über Mittel gegen rückwärtsgewandte Politik diskutieren Energieökonomin Claudia Kemfert, Energieforscher Volker Quaschning und Klimawissenschaftler Stefan Rahmstorf, moderiert vom Meteorologen Özden Terli.
Am 12. Juni 2019 fehlte im deutschen Stromnetz eine Leistung von mehreren tausend Megawatt, um Angebot und Nachfrage auszugleichen. Gründe waren nicht die schwankende Erzeugung erneuerbarer Energien oder Kraftwerksausfälle, sondern illegale Geschäftspraktiken am Strommarkt.
Überfällige Flugverbote, zielgenaue ÖPNV-Rettung und Prämien für Monsterautos
Kalenderwoche 21: Auch der öffentliche Verkehr leidet unter Corona, weil Wege zur Arbeit, zur Schule oder ins Café wegfallen. Der Bund muss das auffangen, meint Andreas Knie, Sozialwissenschaftler, Mobilitätsforscher und Mitglied des Herausgeberrats von Klimareporter°. Dabei sollte der Nahverkehr aber auch gleich modernisiert werden.
Es wird mehr gerodet während der Coronakrise. Eine Studie der Umweltstiftung WWF zeigt, wer die Weltmeister im Abholzen sind. Eine Pandemie ist eben kein Klimaschutz-Instrument.
Ob in Nigeria oder in Köln: Die Gewinne sind Shell stets wichtiger als Umwelt, Gesundheit und Recht. Zur Hauptversammlung konnte nur sehr eingeschränkt protestiert werden, doch Gruppen wie "Ende Gelände" machen klar: Ohne fossile Konzerne wie Shell aufzulösen, gibt es keine gerechte Energiewende.
Heute tagt die Hauptversammlung von Uniper, dem Energiekonzern, der das neue Steinkohlekraftwerk Datteln 4 ans Netz bringen will. Ein Anlass für Kohlegegner:innen verschiedener Umwelt- und Klimabewegungen, zu protestieren. Denn für sie ist klar: Ein neues Kohlekraftwerk im Jahr 2020 ist irrsinnig.
ein Gastbeitrag von Lisa Göldner, Luisa Neubauer,Kathrin Henneberger
Fehlsteuernde Lobbyisten, kleines Nachfolge-EEG und die Rückkehr ins Büro
Kalenderwoche 20: Corona zeigt, dass alles geht, wenn es sein muss, sagt Jens Mühlhaus, Vorstand beim Münchner Ökostrom-Anbieter Green City und Mitglied des Herausgeberrates von Klimareporter°. Wenn die Konjunkturprogramme nicht Klimaschutz als zentrales Element berücksichtigen, werden in der Nach-Corona-Zeit noch mehr Menschen auf der Straße stehen als vor der Pandemie.
Was sich ändern muss, damit wir uns nicht die Zukunft verbauen
Wird ein Wohnbedürfnis durch Neubau erfüllt, entstehen die meisten Treibhausgase schon vor dem Einzug. Die öffentliche Förderung des Bauens und die gesetzlichen Vorschriften müssen sich künftig am Klima- und Ressourcenschutz und damit an Ökobilanzen für Häuser orientieren.
ein Gastbeitrag von Ulrich Wischnath,Michael Burchert
Die Coronakrise scheint zumindest gut für den Klimaschutz zu sein. Doch der Schein trügt. Warum Corona richtiger Mist für das Klima werden könnte und was sich dagegen tun lässt.
Brasiliens Präsident Bolsonaro hat die Öffnung des Regenwaldes für Holzfäller, Viehzüchter und Bergarbeiter stark vorangetrieben. Nun hat sich dort das Coronavirus stark ausgebreitet. Gleichzeitig steigt die Entwaldungsrate – und die kommenden Monate dürften besonders trocken werden.