Klimareporter°: Herr Semsrott, bei der Langen Nacht des Klimas sprechen Sie über das Thema "Gegenmacht: Wie wir der autoritären Wende entgegentreten". Viele engagierte Klimaschützer würden sich allerdings wünschen, Staat und Gesellschaft würden sich mit deutlich mehr Autorität für den Klimaschutz engagieren. Wie passt das zusammen?
Arne Semsrott: Der Abbau des Klimaschutzes durch die Bundesregierung geht einher mit Maßnahmen des autoritären Staatsumbaus. Wenn wir mehr Klimaschutz wollen, muss die demokratische Zivilgesellschaft mehr Gehör finden. Demokratie und Klimaschutz gehören zusammen.
Die Bundesregierung plant derzeit eine Reform des Informationsfreiheitsgesetzes, die viele als direkten Angriff auf das von Ihnen geleitete Projekt "Frag den Staat" verstehen. Wie stehen die Chancen, das noch zu verhindern?
Der zivilgesellschaftliche Widerstand ist enorm – von einer Petition mit 700.000 Unterschriften über einen sehr breiten offenen Brief bis zu viel direkter Ansprache von SPD- und Unionspolitikern. Wenn die Bundesregierung das Vorhaben vorantreibt, riskiert sie Gegenwind aus allen Teilen der Gesellschaft, das ist jetzt klar. Die Messe ist noch nicht gelesen.
Wenn Sie die Möglichkeit hätten, eine Forderung für mehr Klimaschutz unmittelbar geltend umzusetzen – welche wäre das?
Die Umwidmung aller klimaschädlichen Subventionen für Maßnahmen des sozialen Klimaschutzes – das hätte direkt eine Hebelwirkung und würde Machtverhältnisse ändern. Eine gute Grundlage für weitere Maßnahmen.
Arne Semsrott
ist Politikwissenschaftler und Aktivist. Er leitet das Recherche- und Transparenzportal "Frag den Staat", mit dem er unter anderem für die Veröffentlichung der "NSU-Akten" sorgte. Zudem gründete er den Freiheitsfonds, der Menschen aus dem Gefängnis freikauft. Sein Buch "Machtübernahme" erschien 2024.
Klimareporter° ist offizieller Medienpartner der Langen Nacht des Klimas am 12. September 2026 in Berlin.
Mit Mut und Ideen gegen die Klimakrise
Wo bleibt die Klimabewegung, fragen manche Medien angesichts grassierender Folgen des Klimawandels mit Hitzewellen, Dürren und hierzulande nicht gekannten menschlichen und ökonomischen Kosten. Was Klima- und Umweltbewegte jetzt tun können – darüber will die Lange Nacht des Klimas 2026 debattieren, Vorschläge und Lösungen entwickeln. Am 12. September 2026 bietet die Kulturfabrik Moabit in Berlin ab 16 Uhr einen Nachmittag und Abend mit Vorträgen, Filmen, Workshops und Aktionsideen, aber auch mit Unterhaltung und Entspannung. Rund 40 spannende Veranstaltungen verwandeln Kino, Theater, Club und Garten der Kulturfabrik in einen Ort für Austausch und Inspiration.

