Klimareporter°: Herr McKibben, in Brasilien hat die COP 30 begonnen, die dreißigste Weltklimakonferenz. Trotz der vielen Jahre an Klimadiplomatie und Versprechungen sind die Treibhausgas-Emissionen immer weiter gestiegen, während sich die Klimakrise verschärft. Das Ziel, die Erderhitzung unter 1,5 Grad zu halten, ist schon nicht mehr erreichbar.
Warum sind die Konferenzen gescheitert, und was erwarten Sie vom bevorstehenden Gipfel?
Bill McKibben: Der Klimawandel ist ein schwieriges Problem. Er wird durch dasselbe verursacht, was auch die Wirtschaft stützt: fossile Brennstoffe. Die fossile Industrie ist in vielen Ländern politisch stark genug, um Veränderungen zu erschweren, siehe USA.
Aber in den letzten Jahren sind die Preise für Solar- und Windenergie so weit gefallen, dass wir eine echte Chance für schnellere Fortschritte haben. Ich denke, dass sich das in verschiedenen nationalen Strategien widerspiegeln wird.
US-Präsident Trump hat die unter der Biden-Regierung eingeleiteten Schritte zur Energiewende rückgängig gemacht, alle Umweltschutzmaßnahmen angegriffen, sich aus dem Paris-Abkommen zurückgezogen und 300 neue Öl- und Gasbohrgenehmigungen erteilt. Das sind die schlechten Nachrichten. Gibt es auch gute Nachrichten?
Auf Ebene der Bundesstaaten gibt es weiterhin Fortschritte – Texas ist derzeit der größte Akteur im Bereich der erneuerbaren Energien. Das reicht jedoch nicht aus, um den Gegenwind von der Bundesregierung auszugleichen, deshalb kämpfen wir alle so hart wie möglich dagegen an.
Bill McKibben
ist Umweltjournalist in den USA und einer der weltweit ersten und bekanntesten Klimaaktivisten. Er ist Mitbegründer des Klimaschutznetzwerks 350.org sowie von Third Act, einer Organisation, die Menschen über 60 für Klimagerechtigkeit mobilisieren will. McKibben ist Autor von "The End of Nature" und 20 weiteren Büchern und hat zahlreiche Auszeichnungen erhalten, darunter den "Alternativen Nobelpreis".
Wo steht aktuell die Klimabewegung? Auf welche Themen und Strategien sollten sich Klimaschützer:innen konzentrieren?
Die größte Chance liegt wahrscheinlich in der Popularität und Erschwinglichkeit erneuerbarer Energien. Es ist einfacher, Politiker dazu zu bringen, zu sauberer Energie Ja zu sagen als zu schmutziger Energie Nein – obwohl beides harte Arbeit erfordert.
Sie sprechen von einer "stillen Revolution" im Zusammenhang mit der globalen Energiewende. Was treibt diese Revolution an?
Die sinkenden Kosten für Solar- und Windenergie sowie für Batterien. Sie liefern in diesem Herbst weltweit ein Drittel mehr Strom als im letzten Jahr. Wir haben 70 Jahre gebraucht, um das erste Terawatt Solarenergie zu erzeugen, zwei Jahre, um das zweite zu erreichen, und das dritte kommt jetzt sogar noch schneller.
Sie setzen sich seit Jahrzehnten als Journalist und Aktivist für den Klima- und Umweltschutz ein. Was gibt Ihnen die Hoffnung und Kraft, weiterzumachen?
Viele Menschen leiden sehr, vor allem an Orten, die nichts zum Klimawandel beigetragen haben. Wenn sie weiterkämpfen können, kann ich das wohl auch!
