"Marx hat es geahnt: Der KI-Kapitalismus bedroht unsere Jobs – und unsere Demokratie", titelte der Spiegel am 7. August. Das ist aber nicht die einzige Schreckensnachricht dieser Tage.

Nur eine Woche später meint der Spiegel, dass der Klimawandel in diesem Sommer zur Klimakatastrophe werde: "Es ist, als hätten wir mittlerweile das Fünf-Phasen-Modell der Sterbeforscherin Elisabeth Kübler-Ross vollständig durchlaufen und nun das letzte Stadium erreicht: Akzeptanz, die Annahme des Unvermeidlichen."

 

Tatsächlich wird in diesem Sommer ganz konkret erfahrbar, wovor die Klimawissenschaftler seit Jahrzehnten warnen: weltweite Waldbrände, Niedrigstwasser in Flüssen, Seen und Bächen, Hitzerekorde an Land und in den Meeren und schon im ersten Halbjahr 2026 um die 12.000 Hitzetote allein in Deutschland.

Einige Kipppunkte im Klimasystem sind offenbar bereits erreicht.

Doch die deutsche Bundesregierung mit Friedrich Merz als Kanzler und Katherina Reiche als Wirtschaftsministerin hat bereits bedingungslos vor dieser Katastrophe kapituliert. Sie erklären, wir müssten lernen, "mit dem Klimawandel zu leben".

"Duldungsstarre"

Eigentlich hat die Bundesregierung ehrgeizige Klimaschutzziele. Sie hat Wasserstrategien, Aktionspläne und Förderprogramme gezimmert. Doch sie handelt kaum. 

Ausgerechnet jetzt bremst sie die Energiewende sogar noch aus, wo es darauf ankäme, sie zu beschleunigen. Nochmal der Spiegel zu diesem Trauerspiel: "Das Schlimmste an diesem Sommer ist nicht die Dürre selbst. Sondern die Duldungsstarre, mit der sie hingenommen wird." 

Ein Land sieht zu, wie seine Lebensgrundlagen sterben: gute Luft, sauberes Wasser, fruchtbare Böden. Sind wir noch zu retten?

Foto: Axel Thomae/​Sonnenseite

Franz Alt

ist Journalist und Buch­autor. Er leitete 20 Jahre das Politik­magazin "Report" beim Südwest­rundfunk, dann bis 2003 die Zukunfts­redaktion des SWR. Als einer der ersten informierte er über Klima­wandel und Energie­wende.

Dabei gibt es überall Vorbilder: Pakistan hat die Kapazität seiner Solaranlagen in nur zwei Jahren auf das 28‑Fache gesteigert. Das arme Äthiopien ist das erste Land der Welt, das keine Verbrennerautos mehr zulässt. Die Stadt Kopenhagen hat beschlossen, schon 2030 klimaneutral zu sein, und handelt entsprechend.

Griechenland ist schon heute von Braunkohle unabhängig, die dortige Regierung setzt zu 100 Prozent auf erneuerbare Energien. Island, Costa Rica und Uruguay produzieren ihren Strom schon zu über 95 Prozent erneuerbar. Die Zukunft ist überall erneuerbar – in Deutschland, in Europa und in der ganzen Welt.

"Solar- und Windstrom ist der preiswerteste Strom weltweit, Elektroautos sind schon heute zwei- bis dreimal effizienter als Verbrennerautos, Wärmepumpen erzeugen drei- bis viermal mehr Wärme pro eingesetzte Kilowattstunde als Gasheizungen und die Speicherrevolution transferiert Solarstrom günstig in den Abend", sagt der Energieforscher Patrick Graichen.

Ja, wir sind noch zu retten. Worauf eigentlich warten wir noch? Wenn die Regierung schläft, müssen aufgewachte Bürgerinnen und Bürger die Wende organisieren.