Klimaaktivistinnen demonstrieren mit einem Transparent mit der Aufschrift: Für Klimagerechtigkeit - Exit Gas.
In Potsdam beteiligten sich am Klimastreik rund 250 Menschen, darunter Luisa Neubauer.  (Bild: Fridays for Future Potsdam)

Mit Transparenten, Trillerpfeifen und viel Tatendrang demonstrierten am Samstag beim jährlichen bundesweiten Klimastreik mehrere tausend Menschen. Unter dem Motto "Exit Gas – Enter Future" forderten sie den Ausstieg aus fossilem Erdgas und Investitionen in eine gerechte Energiewende.

"Die Bundesregierung sichert die Gewinne der fossilen Lobby, anstatt Wohlstand und Sicherheit der Bevölkerung im Blick zu haben", kritisierte Nele Evers von Fridays for Future Deutschland.

Während die Gaslobby, die Regierungspartei CDU und ihre Wirtschaftsministerin Katherina Reiche immer neue Vorstöße gegen die Energiewende unternehmen, kämpft die Klimabewegung darum, Menschen für ihre Demonstrationen zu mobilisieren. 2019 gingen deutschlandweit noch 1,4 Millionen Menschen gegen die Erderwärmung auf die Straßen – im vergangenen Jahr beteiligten sich nur noch 130.000 an den Protesten.

Doch nun wagt die Bewegung neben dem klassischen Klimastreik einen neuen Vorstoß. Einige der deutschen Klimagruppen, darunter Fridays for Future und Extinction Rebellion, haben sich dem neuen Bündnis "Draw the Line" angeschlossen.

In dieser internationalen Allianz kooperieren Kirchen, indigene Gruppen und Klimabewegungen aus 97 Ländern, um in den sechs Wochen vor dem UN-Klimagipfel in Brasilien die Regierungen mit verschiedenen Aktionsformen zum Handeln gegen die Klimakrise aufzufordern und symbolisch eine rote Linie gegen die Zerstörung der Lebensgrundlagen zu ziehen.

Aktionen in vielen Ländern

Dafür organisierten sie eine weltweite Veranstaltungswoche, die am vergangenen Montag begann und jetzt in einem Aktionswochenende mündet. Laut den Veranstalter:innen fanden weltweit über 600 Aktionen statt.

Auch beim globalen Klimastreik am Samstag gingen allein in Berlin einige Tausend auf die Straße. Zeitgleich demonstrierten Menschen in 80 weiteren Städten in Deutschland.

Von Berlin über Paris und New York bis Johannesburg erstreckten sich die Aktionen gegen Ungerechtigkeit, Umweltzerstörung und Gewalt. In London verkleideten sich Aktivist:innen als Milliardär:innen und "fossile Brennstoffbosse" und verschenkten in diesen Kostümen auf den Stufen des britischen Finanzministeriums Geld.

Auch an Orten mit viel Repression gab es Aktionen. "Meine Kolleginnen in Indonesien, den Philippinen und in der Türkei machen sich gerade Sorgen darüber, ob es sicher ist, jetzt auf die Straße zu gehen", sagt die Aktivistin Kate Cahoon von der Klimaschutzorganisation 350.org. "Aber wir finden Möglichkeiten, trotzdem sichtbar zu sein."

In Indonesien liefen 50 Menschen entlang einer 60 Kilometer langen Linie von Nord nach Süd. "Das ist genau wie der Aufruf, eine Grenze für Gerechtigkeit zu ziehen", beschreiben die Veranstalter:innen die Aktion auf Instagram.

"Draw the Line" existiert erst seit einigen Monaten. Die Idee wurde von indigenen Gemeinschaften, hauptsächlich aus Lateinamerika und dem Pazifikraum, entwickelt. Bisher haben sich dem Bündnis weltweit mehr als 80 Gruppierungen angeschlossen, darunter Nichtregierungsorganisationen wie 350.org, Greenpeace, Oxfam und Transparency International.

"Angesichts der ganzen Krisen auf dem Planeten – Klimakrise, Wirtschaftskrisen, Angriffe von rechts – müssen wir uns vereinen, auch über die Klimabewegung hinaus", erklärte Kate Cahoon.

Ein solcher Zusammenschluss könnte die Rettung für die Klimabewegung sein.