Rostrot verputztes Gebäude mit einfachen Fenstern und einem eher schmucklosen, aus Metall gestalteten Eingangsbereich mit Glastür.
Auch Banken, die Bürgerenergie seit Jahren begleiten, müssen jedes Projekt einzeln prüfen. (Bild: Markus Lutter/​Wikimedia Commons)

Bürgerenergieprojekte gelten als tragfähig, lokal verankert und politisch gewollt. Trotzdem bleibt ihre Finanzierung oft kleinteilig, aufwendig und schwer skalierbar. Dabei liegt das Problem weniger im fehlenden Kapital als in den Strukturen dahinter.

Wer heute ein Bürgerenergieprojekt aufsetzt – ob Photovoltaik, Windkraft oder Wärmenetz –, beginnt finanziell meist bei null. Geschäftsmodelle, Verträge und Risikoprüfungen werden individuell entwickelt. Für Banken bedeutet das hohen Aufwand, für Initiativen lange Vorlaufzeiten und erhebliche Kosten. 

Gerade kleinere Bürgerenergiegruppen stoßen schnell an ihre Grenzen. Projekte verzögern sich oder scheitern in frühen Phasen. Das ist kein Einzelfall, sondern strukturell bedingt.

Denn es fehlt an standardisierten Prozessen.

Standardisierung klingt technisch, ist aber entscheidend für die nächste Phase der Energiewende. Gemeint ist der Übergang von Einzelfalllösungen zu wiederholbaren Modellen.

Es geht dabei um mehrere Ebenen – um einheitliche Finanzierungsstrukturen, standardisierte Verträge, klar definierte Risikobewertungen und die Möglichkeit, Projekte zu bündeln. Der Effekt wäre erheblich: geringere Transaktionskosten, schnellere Abläufe und ein besserer Zugang zu Kapital.

Statt jedes Projekt einzeln zu finanzieren, könnten skalierbare Modelle entstehen.

Bürgerenergiefonds sind ein erster Schritt

Dass sich hier inzwischen etwas bewegt, zeigen neue Förderinstrumente auf Landesebene. Bürgerenergiefonds setzen dort an, wo viele Projekte heute scheitern: in der frühen Entwicklungsphase.

So unterstützt etwa der Bürgerenergiefonds NRW Initiativen von mindestens sieben ortsansässigen Bürgerinnen und Bürgern, die gemeinsam Energiewendeprojekte umsetzen möchten.

Für die Vorplanung solcher Projekte stellt der Fonds bis zu 300.000 Euro pro Vorhaben zur Verfügung, die nur bei erfolgreicher Projektumsetzung zurückgezahlt werden müssen.

Dadurch werden Risiken in der oft kritischen Vorplanungsphase gemindert. Das gibt Bürgerenergie-Akteuren die Chance, die Machbarkeit von Projekten zu prüfen, ohne in eine finanzielle Schieflage zu geraten, falls die Ergebnisse negativ ausfallen.

Das ist mehr als Förderung. Es ist ein erster Schritt in Richtung systematischer Projektentwicklung.

Auch Banken stehen vor einem Dilemma. Institute wie die GLS Bank begleiten Bürgerenergie seit Jahren, müssen aber natürlich jedes Projekt einzeln prüfen. Ohne standardisierte Prozesse bleibt die Skalierung begrenzt. 

Solar- und Windprojekte in einem komplexen Markt 

Dabei kann man nach der Technologie differenzieren: Bei der Finanzierung von Wind- und Photovoltaik-Projekten gibt es im Grunde bereits weitgehend standardisierte Finanzierungsansätze.

Hier unterscheiden sich die Angebote der Banken sachlich oft nur in Nuancen. Diese Konditionen sind auch den großen Projektierern im Detail bekannt – so können sie ihre Vorhaben entsprechend skalieren.

Porträtaufnahme von Urszula Papajak.
Bild: privat

Urszula Papajak

leitet den Bereich Bildung beim Bündnis Bürger­energie. Die studierte Politik- und Medien­wissen­schaft­lerin beschäftigt sich mit der Finanzierung von Bürger­energie­projekten, gemein­schaft­licher Energie­versorgung und kommunaler Energie­wende. Sie war für verschiedene inter­nationale NGOs und Netzwerke tätig.

Aber die Bürgerinitiativen kennen diese Finanzierungs-Standards meist nicht so genau, zumindest nicht bei ihrem ersten Projekt. Dadurch haben Banken bei Finanzierungsanfragen von Bürgerinitiativen oftmals einen erhöhten Aufwand, den sie bei begrenzten Kapazitäten scheuen oder eben einpreisen.

Dazu kommt: Der Markt ist zunehmend im Umbruch – weg von der einfachen Finanzierung über die garantierten Einnahmen aus der EEG-Vergütung und hin zu stärker marktbasierten Stromvermarktungsmodellen.

Die Politik zieht hier bekanntlich auch nochmals stark die Zügel an. Dadurch müssen sich gerade im Photovoltaik-Markt neue Finanzierungsstandards etablieren.

So stellen sich beispielsweise Fragen wie: Welchen Mehrwert liefern Grünstrom-Speicher an einer Solaranlage? Nimmt man einen pauschalen Ansatz oder lässt man ein standortspezifisches Ertragsgutachten erstellen? Welchen (monetären) Mehrwert haben Solarparks mit Ost-West-Ausrichtung? Welche Rücklagen sind zur Instandhaltung von Speichern nötig?

Der Markt wird komplexer, und nur über Verbände sind kleinere Bürgerinitiativen in der Lage, mit diesen Entwicklungen immer Schritt zu halten.

Wärmeprojekte auf dem Weg

Bei Wärmevorhaben gibt es diese Standardisierung wie beim Ökostrom noch nicht. Das liegt an ihrer geringeren Stückzahl. Auch gibt es keine überregionalen Projektierer, die den Markt pushen könnten – gerade der Wärmemarkt ist prädestiniert für Bürgerenergie. Weitere Gründe sind die bisher noch sehr heterogenen Technologien sowie die Kombinationen von Strom- und Wärmeerzeugung.

Zumindest kann sich die Wärmefinanzierung aber an bewährten Standards aus Solar- und Windprojekt-Finanzierungen orientieren und diese übertragen. Das Rad muss nicht komplett neu erfunden werden.

So hat zum Beispiel der Deutsche Genossenschafts- und Raiffeisenverband (DGRV) sogenannte "Leitplanken zur Finanzierung Erneuerbarer Energien" auch für Wärme entwickelt. Diese sollen den regionalen Genossenschaftsbanken helfen, Bürgerenergieprojekte schneller zu realisieren und auch hier zunehmend einheitliche Standards zu setzen.

Diese Fragen werden auch auf dem Bürgerenergie-Konvent am Wochenende in Bamberg im Zentrum stehen. "Auf dem Weg zur Standardisierung" heißt ein Workshop, der Perspektiven aus Projektentwicklung und Finanzierung zusammenbringt – mit Praxiserfahrungen aus der Bankenperspektive und Einblicken in die Finanzierung von Wärmenetzen.

Ziel der Diskussion wird es sein, konkrete Ansatzpunkte zu identifizieren: Wie lassen sich Finanzierungsprozesse vereinfachen? Wo ist Standardisierung möglich – und wo stößt sie an Grenzen?

Zwischen Effizienz und Vielfalt

Standardisierung ist jedoch kein Selbstläufer. Bürgerenergie lebt von lokalen Strukturen, unterschiedlichen Akteurskonstellationen und individuellen Lösungen.

Zu viel Vereinheitlichung könnte diese Vielfalt einschränken – zu wenig verhindert Skalierung. Es geht also um einen Mittelweg: standardisierte Prozesse, die flexibel genug bleiben, um lokale Besonderheiten zu berücksichtigen.

Damit Bürgerenergie ihr Potenzial entfalten kann, braucht es den nächsten Schritt: übertragbare Finanzierungsmodelle, die breit angewendet werden können. Dazu gehört auch, Projekte stärker zu bündeln, um Investitionen effizienter und planbarer zu machen.

Ebenso entscheidend ist eine engere Zusammenarbeit zwischen Banken, Politik und Bürgerenergieinitiativen, vor allem mit letzteren. Denn Standardisierung entsteht nicht von allein – sie muss aktiv gestaltet werden.

 

Die Voraussetzungen dafür sind da: Erste Fonds wurden aufgelegt, Erfahrungen wachsen und das Problembewusstsein ist vorhanden.

Doch ohne einfache, schnelle und reproduzierbare Finanzierungsprozesse wird die Bürgerenergie nicht in dem Maße skaliert werden können, wie es für die Energiewende notwendig wäre.

Oder anders gesagt: Die Transformation entscheidet sich nicht nur auf Dächern und Feldern – sondern auch in den Strukturen, die sie finanzieren.

Redaktioneller Hinweis: Klimareporter°ist offizieller Medienpartner des Bürgerenergie-Konvents 2026.

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