Der Stromzähler zeigt 3108,7 Kilowattstunden an.
Ein Drehstromzähler, auch Ferraris-Zähler genannt. Der italienische Physiker Galileo Ferraris erfand das Messprinzip vor 140 Jahren. (Bild: Claudia Nass/​Shutterstock)

Viele wissen gar nicht, dass sie Ferraris haben. Also genauer: Ferraris-Zähler.

Das sind diese schwarzen Kästen im Sicherungskasten im Keller oder im Hausflur, mit dem per rotierender Scheibe der Stromverbrauch gemessen wird. Diese Zähler tun in vielen Millionen Häusern ihren Dienst, und das seit Jahrzehnten.

Und was viele auch nicht wissen: Die Dinger sind völlig überholt. Gehören längst ins Technik-Museum oder, weil es wirklich viele sind, in den Elektroschrott. 

Die bittere Wahrheit ist: Deutschland ist bei der Umrüstung auf intelligente Stromzähler – Smart Meter genannt – ein arger Nachzügler. Während die digitalen Geräte in Ländern wie Frankreich, Italien und Schweden längst Standard sind, dümpelt die Bundesrepublik hinterher.

 

Dabei sind Smart Meter eine Schlüsseltechnologie der Energiewende. Ohne sie lässt sich ein Stromsystem, das auf fluktuierende Wind- und Solarenergie setzt, kaum effizient steuern.

Die Smart Meter ermöglichen flexible Tarife, helfen beim Stromsparen und machen es überhaupt erst praktikabel, E‑Autos, Wärmepumpen und Batteriespeicher intelligent ins Netz einzubinden.

Nur ein erster Schritt

Doch hierzulande geht es nur im Schneckentempo voran. Bürokratische Hürden, hohe Sicherheitsanforderungen, Streit um Kosten und Zuständigkeiten – all das hat den Smart-Meter-Rollout jahrelang gebremst. Selbst die Energiewirtschaft klagt über komplizierte Vorgaben und fehlende Planungssicherheit.

Das Ergebnis ist ernüchternd: Erst eine vergleichsweise kleine Zahl von Haushalten verfügt bislang über die neuen Zähler – nur fünfeinhalb Prozent der Messstellen sind damit ausgerüstet.

Immerhin hat jetzt die Bundesnetzagentur ein Signal gesetzt und 77 Stromnetz-Betreiber wegen zu langsamer Umsetzung des Rollouts gerügt

Das ist aber wohl nur ein erster Schritt. Denn beim derzeitigen Tempo würde es noch Jahrzehnte dauern, bis alle Haushalte ausgestattet sind. Viel zu spät für ein Energiesystem, das im Stromsektor schon Mitte der 2035er Jahre zu fast 100 Prozent erneuerbare Energien nutzen soll.

Joachim Wille ist Co-Chefredakteur des Online-Magazins Klimareporter°.

Die Politik muss also endlich Ernst machen. Ein schnellerer Umbau der Strommesser gehört ganz oben auf die Prioritätenliste des Bundeswirtschaftsministeriums.

Ambitionierte Vorschriften für den Hochlauf, weniger Bürokratie, klare Zuständigkeiten – nur so kann aus dem digitalen Rückstand ein Fortschritt werden. Sonst bleiben die Ferraris noch ewig im Keller.

 

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