Das Wichtigste aus 52 Wochen: Sonst befragen wir die Mitglieder unseres Herausgeberrats im Wechsel jeden Sonntag zu ihrer klimapolitischen Überraschung der Woche. Zum Jahresende wollten wir wissen: Was war Ihre Überraschung des Jahres? Heute: Carolin Dähling von der Energiegenossenschaft Green Planet Energy, wo sie den Bereich Politik und Kommunikation leitet.
Wir neigen dazu, negativen Meldungen mehr Aufmerksamkeit zu schenken als positiven Schlagzeilen. Ich kann mich davon nicht ausnehmen, und oft ging es auch in dieser Kolumne um Rückschritte und Aufreger (ja, davon gab es auch wirklich viele).
In den letzten Wochen habe ich – auch als Podcast-Host – viel mit Menschen darüber gesprochen, was ihnen trotzdem Hoffnung macht. Eine Erkenntnis hat mich dabei besonders überrascht: Wir sind bei der Energiewende viel weiter und haben viel mehr erreicht, als vielen bewusst ist.
Raten Sie die doch selbst einmal, ob Sie bei diesen Einschätzungen richtig liegen: Wie viel Prozent der neu gebauten Kraftwerkskapazität waren im vergangenen Jahr erneuerbar? Und wie weit sind wir beim Einsparen von CO2-Emissionen gekommen? Zu den Antworten kommen wir gleich.
Alle, mit denen ich darüber gesprochen habe, unterschätzten diese Erfolge. Klar, es gibt noch viel zu tun. Das möchte ich auch nicht kleinreden. Aber die Richtung ist weltweit klar. Es ist höchste Zeit, diesen Wandel als das zu erzählen, was er ist: eine Erfolgsgeschichte, die Mut macht und zeigt, was möglich ist.
2026 muss das Jahr werden, in dem wir den Untergangspropheten beweisen, dass Zuversicht und Wandel stärker sind als Angst. (Apropos: Selbst AfD-Wähler:innen interessieren sich für Solardächer und Wärmepumpen.)
Für einen hoffnungsvollen Start ins neue Jahr hier als kleines Weihnachtsgeschenk sieben Fakten, die Zuversicht geben.
1. Fast alle neuen Kraftwerke weltweit sind erneuerbar
92,5 Prozent aller neuen Kraftwerke weltweit erzeugen inzwischen Strom aus Sonne, Wind, Wasser oder Biomasse – so die IEA im Renewable Energy Report 2025. Das fossile Zeitalter endet durch die schlichte technische Überlegenheit. Selbst der klimapolitische Kurswechsel der USA unter Trump konnte diesen Trend nicht umkehren.
Im ersten Halbjahr 2025 produzierten Windkraft und Photovoltaik erstmals weltweit mehr Strom als alle Kohlekraftwerke zusammen, ergab eine Analyse der Denkfabrik Ember. Warum? Weil die Erneuerbaren in über 140 Ländern günstiger sind als fossile Energien.
2. Deutschlands CO2-Ausstoß hat sich seit 1990 halbiert
Der Ausstoß von Treibhausgasen geht in Deutschland seit Jahrzehnten zurück. Seit 1990 sind die Emissionen um 48 Prozent gesunken. Das ist vor allem das Ergebnis von deutlich weniger Kohlestrom und einem wachsenden Anteil der Erneuerbaren.
Erstmals ist der deutsche Emissionspfad damit auf Kurs zur Treibhausgasneutralität – das Klimaziel für 2040 ist laut Umweltbundesamt noch erreichbar, wenn der Kurs jetzt gehalten und optimiert wird, gerade auch in den Bereichen Wärme und Verkehr.
3. Wärmepumpen sind zum Bestseller geworden
Das Jahr 2025 markiert eine echte Trendwende auf dem Wärmemarkt: Erstmals war jede zweite neue Heizung in Deutschland eine Wärmepumpe. Im Neubau ist sie längst Stand der Technik.
Der aktuelle Heizspiegel zeigt, warum: Wärmepumpen sind heute die günstigste Art zu heizen. Während Öl- und Gasheizungen zur Kostenfalle werden, überzeugen Wärmepumpen durch stabile Betriebskosten und eine viel höhere Effizienz.
Sie sind ein kleines physikalisches Wunderwerk: Wir stecken eine Kilowattstunde elektrische Energie rein und bekommen drei bis vier Kilowattstunden Wärme raus! Und die Technik funktioniert längst nicht nur im Neubau. Eine Langzeitstudie des Fraunhofer-Instituts ISE zeigt, dass moderne Wärmepumpen auch in unsanierten Altbauten zuverlässig und effizient arbeiten.
4. Strompreise fallen dank Wind und Sonne
Ohne den massiven Ausbau erneuerbarer Energien wären die Strompreise heute deutlich höher. Laut Agora Energiewende senken Wind- und Solaranlagen die Großhandelspreise um bis zu 23 Prozent bis 2030.
Wind- und Solarenergie senken die Kosten langfristig – sie stabilisieren Märkte, reduzieren Importabhängigkeiten und machen Strom planbarer und bezahlbarer für Haushalte und Industrie.
5. Das Comeback der Atomkraft bleibt aus
Von der viel beschworenen "Renaissance" der Atomenergie ist nichts zu sehen: Weltweit stagniert die installierte Kapazität, während die Baukosten explodieren.
Die viel gefeierten kleinen modularen Reaktoren (SMR) scheitern an der Realität: Die IEA sieht bis 2030 kaum kommerzielle Reaktoren – erste Prototypen sind Jahre entfernt. In den USA wurden Projekte wegen stark steigender Kosten schon wieder eingestampft.
Und die Kernfusion? Selbst optimistische Prognosen sehen eine kommerzielle Nutzung frühestens 2050 – viel zu spät für die Klimaneutralität bis 2045. Erneuerbare sind schon jetzt da, skalierbar, sehr viel günstiger, und das ganz ohne teure Ewigkeitslasten.
6. Elektromobilität ist in der Fläche angekommen
2025 ist batterieelektrische Mobilität vom Nischenphänomen zum festen Bestandteil des Massenmarkts geworden. Bis Ende November wurden rund 490.000 batterieelektrische Pkw neu zugelassen, das ist zwar noch viel zu wenig, entspricht aber einem deutlichen zweistelligen Wachstum gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Parallel dazu ist das öffentliche Ladenetz deutlich angewachsen – rund 150.000 Ladepunkte werden für Ende 2025 ausgewiesen –, ergänzt um Millionen private Wallboxen. Für den Alltag bedeutet das: In praktisch jeder Region stehen heute Schnellladepunkte an Autobahnen, Bundesstraßen, Supermärkten und in Innenstädten zur Verfügung.
International ist der Trend unumkehrbar. Der Markt ist längst weiter als die deutsche und europäische Politik. Offen ist nur: Kommen Elektroautos in Zukunft fast nur aus China oder auch aus Europa?
7. Die Energiewende treibt Wirtschaft und Jobs an
Erneuerbare Energien und Greentech sind ein klarer Wirtschaftstreiber: Investitionen in Klimaschutz generieren bis 2070 jährlich mindestens 20 Billionen US-Dollar zusätzliches globales Bruttoinlandsprodukt, vermeiden neun Millionen Todesfälle und befreien 100 Millionen Menschen aus extremer Armut, wie ein UN‑Report zeigt.
Der Greentech-Markt wächst global um sieben bis zehn Prozent jährlich und verdoppelt sich in weniger als zehn Jahren, wobei Deutschland 13 Prozent des Welthandels abdeckt. Wer Wirtschaftswachstum will, kommt an den Erneuerbaren nicht vorbei.
2026: Erfolgsgeschichten fortschreiben
Die Bundesregierung muss die Energiewende jetzt auf Kurs halten und sozial verankern – durch erschwingliche Tarife, faire Netzentgelte und Beteiligung für alle.
Technik und Ökonomie sprechen längst dafür. Was fehlt, ist eine starke gemeinsame Geschichte, die Erfolge sichtbar macht. Branche, Zivilgesellschaft und Politik müssen 2026 zusammenstehen – besonders gegen die Angstkampagnen der Klimaleugner. So behalten wir die Mehrheit für die Energiewende. Wir bleiben dran!

In der Tat ist die regenerative Energiebereitstellung deutlich im Vormarsch, gleichzeitig aber erfindet die Menschheit laufend Neues, das den Energieverbrauch weiter steigert, etwa Bitcoins und KI, was zur Folge hat, dass der Verbrauch an fossilen Kraftstoffen nicht sinkt, z. T. weiter steigt. Der einzige nicht fälschbare Parameter ist der Gehalt der klimarelevanten Atmosphärenanteile - und diese steigen munter weiter, sogar schneller. Neben dem bereits Erwähnten, tragen zunehmende Waffenproduktion und -gebrauch dazu bei. Und immer wichtiger - Einträge aus nicht-direkt anthropogenen Quellen, z. B. Ausgasungen aufgrund tauenden Permafrosts.
Offenbar steht die Autorin unserem Wirtschaftssystem unkritisch gegenüber, trotz aller immer offensichtlicheren durch den ungebremsten Kapitalismus verursachten katastrophalen Fehlentwicklungen. Nur ein Gesamtbild ist ein realistisches Bild, seinen Blick nur auf klimabezogene Entwicklungen zu richten, ist trügerisch. Da ist die Biodiversitätsabnahme, die Zerstörung von Wäldern, die Plastik-Katastrophe - Stichwort zwei Kreditkarten Plastik im Hirn -, die allgemeine Vermüllung, buchstäblich unzählige Altlasten an extrem problematischen Substanzen, kaum abbaubare, radioaktive, pathogene... Dazu kommen soziale Katastrophen aller Art, z. B. eine dysfunktionale Pharmabranche, die Ernährungskatastrophe - die krebsartig wuchernde Ausbreitung ultraprozessierter Industrienahrung -, aber auch die laufende Steigerung von Wohnkosten, Pauperisierung breiter Bevölkerungsschichten auch im sozioökonomischen Speckgürtel dieses Planeten... Und schliesslich die globale politische Tendenz nach rechts, nicht nur der Erfolg von Autokraten, sondern die Aushöhlung sozialliberaler Staatsordnungen - ein aktuelles Indiz dafür die Verhaftung von Greta Thunberg in London. Am kurzfristig allerschlimmsten die bestürzende kriegsaffine Stimmung in Europa, kriegshetzerische Statements gewichtiger Funktionsträger. Wenn es zu einem Krieg zwischen mit Überwaffen ausgerüsteten Mächten kommt, müssen wir uns um die Energiewende nicht mehr kümmern. Falls wir das überleben, haben wir dann ganz andere Probleme.
Zusammengefasst - der perfekte Sturm kommt auf... aber wie eingangs erwähnt, schöner denken hat stets Konjunktur.