Ein geleakter Referentenentwurf für eine Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) sorgt für scharfe Kritik, vor allem wegen geplanter Einschnitte bei kleinen Photovoltaikanlagen auf Hausdächern. Branchenverbände und Umweltorganisationen warnen vor einem Einbruch dieses bislang dynamischen Segments. Gleichzeitig sehen Fachleute Risiken für das 80‑Prozent-Ziel beim Ökostrom bis 2030.
Nach dem Entwurf sollen kleine Photovoltaikanlagen im typischen Einfamilienhaus-Segment künftig nicht mehr oder nur noch stark eingeschränkt gefördert werden. Die klassische Einspeisevergütung für neue Dachanlagen, die mit dem ersten EEG im Jahr 2000 eingeführt wurde, soll entfallen, Eigentümer neuer Anlagen sollen überschüssigen Strom künftig selbst vermarkten.
Damit würde ein Bereich getroffen, der in den vergangenen Jahren maßgeblich zum starken Solarausbau beigetragen hat. Über den auf den 22. Januar datierten Entwurf hatten zuerst das Handelsblatt und die Süddeutsche Zeitung berichtet.
Der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar) warnt vor gravierenden Folgen. "Wenn die Förderung für kleine Anlagen abrupt wegfällt, droht ein deutlicher Markteinbruch", sagte Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig. Private Dachanlagen seien eine tragende Säule der Energiewende. Hunderttausende Bürgerinnen und Bürger hätten investiert und damit Akzeptanz für die Solartechnik geschaffen. Ein Rückgang werde nicht nur die Klimaziele treffen, sondern auch das Handwerk und die Arbeitsplätze in der Branche.
Auch der Energiewirtschaftsverband BDEW sieht Risiken. Kleine Photovoltaikanlagen stärkten Beteiligung und Dezentralität. "Ein Förderstopp darf nicht zu einem abrupten Nachfrageeinbruch führen", erklärte Verbandschefin Kerstin Andreae. Wichtig sei auch eine stärkere Systemdienlichkeit der Anlagen, etwa durch Anreize für Speicher und den Eigenverbrauch von Strom, um die Netze zu entlasten.
"Dann stürzt das Solarhandwerk in die 'Reiche-Schlucht'"
Harsche Kritik kam von den Umweltverbänden. Der BUND befürchtet eine starke Schwächung der Bürgerenergie. Auch der Naturschutzbund Nabu sieht in der geplanten Neuregelung ein falsches Signal, weil sie die gesellschaftliche Beteiligung an der Energiewende zurückschraube.
Das Bundeswirtschaftsministerium verteidigte die Pläne als Schritt zu mehr Marktintegration und Kosteneffizienz. Zudem handle es sich bei dem Entwurf erst um einen Arbeitsstand. Ziel sei es, erneuerbare Energien stärker in den Markt zu integrieren und Förderkosten zu begrenzen. Gleichzeitig halte man am 80-Prozent-Ziel für 2030 fest.
Neben der Dachanlagen-Debatte sorgt ein weiterer Punkt für Kritik: Anders als im geltenden EEG enthält die Novelle keinen "Strommengenpfad" mehr. Auch eine konkrete Annahme zum Bruttostromverbrauch im Jahr 2030 wird nicht genannt.
Gerade diese Bezugsgröße ist entscheidend, um zu beurteilen, ob 80 Prozent des Stromverbrauchs tatsächlich aus erneuerbaren Quellen gedeckt werden können. Steigt der Strombedarf durch Elektromobilität, Wärmepumpen, Rechenzentren oder neue Industrieansiedlungen stärker als erwartet, könnten die vorgesehenen Kapazitäten nicht ausreichen.
Formal hält der Entwurf an den bisherigen Ausbauzielen fest: 2030 sollen 115.000 Megawatt Windenergie an Land und 215.000 Megawatt Photovoltaik installiert sein, 2040 sollen es 160.000 beziehungsweise 400.000 Megawatt sein. Der Offshore-Ausbau bleibt unberührt, da er im Windenergie-auf-See-Gesetz geregelt ist.
Aus der Wissenschaft kommen teils positive, zumeist aber kritische Stimmen. Für Christian Rehtanz, Professor für Energiesysteme und Energiewirtschaft an der TU Dortmund, wird mit der geplanten EEG-Novelle eine Integration der Ökostrom-Produktion in den Markt "zielgerichtet vorangetrieben". Dach-Solaranlagen ließen sich heute so mit Stromspeichern kombinieren, dass die Amortisation über die Deckung des Eigenbedarfs an Strom sichergestellt werden könne. "Hierzu bedarf es keiner Förderung mehr."
Energiewirtschafts-Professorin Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung hingegen kritisierte den geplanten abrupten Förderstopp bei kleinen Anlagen. "Markt ja. Aber erst, wenn die Infrastruktur, die Digitalisierung und die Flexibilitätsmärkte so weit sind, dass der Markt tatsächlich funktioniert. Sonst droht aus einer notwendigen Reform ein unnötiger Rückschritt", sagte Kemfert.
Noch drastischer äußerte sich Michael Sterner, Professor für Energiespeicher und Energiewirtschaft an der TH Regensburg: "Wenn dieses EEG Realität wird, stürzt das Solarhandwerk in die 'Reiche-Schlucht'", sagte er. Vor 15 Jahren seien durch ähnliche Maßnahmen Tausende Arbeitsplätze in der Solarbranche zerstört worden. "Das droht uns mit diesem Entwurf in noch radikalerer und gefährlicherer Form."
Redaktioneller Hinweis: Claudia Kemfert ist Mitglied im Herausgeberrat von Klimareporter°.

1. PV-Anlagen bis 25 kWp sollen zukünftig keine Einspeisevergütung mehr erhalten.
2. Um das PV-Ausbauziel zu erreichen sollen die Ausschreibungsmengen für Freiflächen-Solaranlagen in den nächsten Jahren von 9,9 GW auf 14 GW pro Jahr erhöht werden. Freiflächen-PV kann nur durch große Unternehmen gestemmt werden.
3. Für PV-Dachanlagen ab 25 Kilowatt, die nicht in die Ausschreibungen müssen, soll die Direktvermarktung verpflichtend werden.
Eine Frage ist, ob 25 kWp neben dem privaten nicht auch den Gewerbebereich betrifft.
Freiflächen sollen stärker ausgebaut werden. Welche Flächen sollen dafür genutzt werden bzw. kommt es zu Nutzungskonflikten (Landwirtschaft)?
Eine Einspeisevergütung für kleine PV-Anlagen ist grundsätzlich verzichtbar, unter der Voraussetzung, dass Energy Sharing in Deutschland so umgesetzt wird, wie in Österreich. Warum klappt das hier nicht, sind die Deutschen zu dumm?
Wer sich schon einmal mit der Direktvermarktung beschäftigt hat weiß, dass die Gebühren, die aktuell von den Direktvermarktern verlangt werden (ca. 1.000 EUR/a), jede Wirtschaftlichkeit zunichte machen. Hier muss sich erheblich etwas tun. Auch macht eine Direktvermarktung ohne Speicher wirtschaftlich keinen Sinn, da der Großteil des Stroms zu Zeiten eingespeist wird, wenn der Strompreis sehr niedrig ist.
Derzeit ist es Superattraktiv einfach ohne weitere Eigenbedarfsplanung so viel wie Module wie möglich aufs Dach zu schrauben, ja mittlerweile werden hier bei uns auch die Gartenzäune in PV gemacht.
Diese Entwicklung ist grundsätzlich gut, allerdings führt dies immer öfter zu einem sehr schwierigem Klumpenrisiko mit dem Gefahrenpotial eines lokalem Blackout.
Der Hintergrund dabei ist schlicht die vollständige ungesteuerten Einspeisung der PV Anlagen
Gerade hier im schönen südlichen Bayern hat fast jedes Einfamilienhaus maximal PV auf dem Dach, natürlich auch mit Speicher
Im Zeitraum von April bis September sind diese Speicher bereits am frühen Mittag voll und der gesamte PV Strom geht ins lokale Straßendorfnetz. Tja es gibt aber in den Mittags bzw Nachmittagsstunden keine Verbraucher.
Die Folge davon ist dass die Niederspannungsnetz und deren Trafostationen immer öfter ausfallen.
Das Problem ist das Dorf bzw Kleinstadtnetz.
Für den einzelnen PV ler ist das egal er bekommt ja die garantierte überschusszahlung aus dem EEG, d.h. der nicht benötigte Strom wird bezahlt und muss am Kleinnetz kostenintensiv vernichtet werden.
Dieses Problem ist so groß, dass derzeit kein lokaler PV Neuanschluss mehr genehmigt wird aus nachweisbaren technischen Gegebenheiten.
Was ist nun die Lösung?
Ganz einfach PV mit maximalem Fokus auf Eigenverbrauchsmerkmal zu legen, oder besser auch eine Insellösung für z.B die E Fahrzeuge.
Nachdem wir keine weitere Anschlussmöglichkeit ans Netz mehr bekamen haben wir unsere Doppelgarage und zwei Carports zu einer Inselanlage zusammengefasst und 90 KWh LFP Speicher verbaut.
Das reicht für die 3 E Autos und Waschmaschine sowie die Klimaanlagen.
Dieser Strom ist nun immer fix den Abschreibungskosten.
Wer darüberhinaus PV möchte kann in Solarparks als Kommantitist einsteigen und durchaus gut partizipieren.
Meine Erwartung an Katharina Reiche ist der schnellmöglichste Einbau der Smartmeter Gateways.
In Großstädten sieht das allerdings ganz anders aus, da können die Dächer nicht voll genug gemacht werden. Zumal in urbanen Räumen Freiflächen-PV nicht zu realisieren ist.
Darüber hinaus bringen Batteriespeicher - wie Sie richtig beschrieben haben - nur etwas, wenn die Mittagsspitze gepuffert wird.
Auch hierfür bräuchte man keine Netzeinspeisung sondern vielmehr den direkten Anrechnungsmodus beim Mieter oder Quartiersstrom
Nicht das ich Falsch verstanden werde der weitere Ausbau von PV und Wind muss höchste Priorität haben.
Oberste Priorität hat ebenso die Marktausrollung der Smart Meter.
Hierbei müsste meines Erachtens unbedingt die Mobilnetzanbindung wegfallen.
Die Mehrzahl der Stromverteilzähler sind in den Kellern und gibt es halt häufig keinen Empfang