Für Solarstrom gab es aus der Politik zuletzt keine guten Nachrichten. Unverändert will Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) ab 2027 die Einspeisevergütung für kleinere Solaranlagen streichen. Hier laufen innerhalb der Koalition die Debatten derzeit auch nicht so, dass sich das verhindern lässt.
Zudem wurde die Branche jetzt durch eine Untersuchung erschreckt, wonach das überarbeitete Erneuerbare-Energien-Gesetz, das EEG 2027, neu installierte private Solarstromanlagen weiter drastisch ausbremsen könnte.
Ab Anfang kommenden Jahres soll für neue Photovoltaik bis 25 Kilowatt auch gelten: Strom, der nicht selbst verbraucht, sondern als Überschuss-Strom ins Netz abgegeben wird, ist entweder zu schwankenden Börsenstrompreisen zu vermarkten – oder darf nicht mehr in das Netz eingespeist werden.
Mit dieser sogenannten Nulleinspeisung würden 69 Prozent des Stromertrags einer typischen Photovoltaikanlage abgeregelt werden, also verloren gehen, ergab eine Analyse des Forschungsinstituts Aquu im Auftrag des Solarenergie-Fördervereins SFV.
Und am Horizont droht noch der Plan der Bundesnetzagentur, sogenannte Prosumer – also Haushalte, die eigenen Solarstrom nutzen – ab 2029 mit einer jährlichen Einspeisegebühr von bis zu 100 Euro zu belegen.
Vorzieheffekte bei kleineren Solaranlagen
Im Moment aber erlebt die Solarbranche eher eine kleine Sonderkonjunktur. "Die Auftragsbücher füllen sich", konstatierte Carsten Körnig am Dienstag in München, wo die Messe Intersolar und die Speichermesse EES Europe eröffnet wurden.
Für den Aufschwung sieht Körnig, Chef des Branchenverbandes BSW-Solar, im Wesentlichen zwei Gründe. Einer ist die erneute Energiekrise infolge des Iran-Konflikts, der andere die erwähnte Ankündigung der Bundeswirtschaftsministerin, die Förderung für Anlagen im Heimsegment zu streichen. Das führe zu Vorzieheffekten, so Körnig. Haushalte würden auf Nummer sicher gehen und ihre Solaranlage noch dieses Jahr bauen lassen.
Solar-Ausbau in Deutschland
- Ende Juni 2026 sind hierzulande 125.000 Megawatt Photovoltaik-Leistung in Betrieb, verteilt auf sechs Millionen Anlagen, darunter gut 1,2 Millionen Steckersolargeräte.
- Im Eigenheimsegment werden heute vier von fünf Solaranlagen zusammen mit einem Heimspeicher installiert.
- Solarstrom überflügelte in den letzten fünf Jahren bei der erzeugten Strommenge Kernenergie, Braunkohle und Erdgas und liegt jetzt hinter Windkraft auf Platz zwei.
- Der Ausbau der Photovoltaik sparte laut Branchenverband BSW-Solar seit 2020 über 20 Milliarden Euro für Energieimporte ein.
- In den ersten fünf Monaten dieses Jahres wurden rund 225.000 neue Stromspeicher mit einer Gesamtkapazität von rund 3.400 Megawattstunden in Betrieb genommen, etwa 70 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.
- Besonders stark zugelegt haben Großbatteriespeicher, von Januar bis Mai 2026 gingen hier 1.500 Megawattstunden Kapazität neu ans Netz.
Das spiegeln die vom Verband bekannt gegebenen Marktdaten auch wider. So lag im zurückliegenden Zeitraum von Januar bis Mai der gesamte Photovoltaik-Zubau rund fünf Prozent über dem des Vorjahreszeitraums. Im Mai 2026 gab es sogar ein Ausbau-Plus von 16 Prozent, verglichen mit dem Mai 2025.
Die Vorzieh-Effekte dürften im Jahresverlauf anhalten. Im Heimsegment rechnen laut einer aktuellen Branchenumfrage viele Unternehmen mit einem leichten bis starken Anziehen der Photovoltaik-Nachfrage. Knapp ein Viertel der befragten Firmen erwartet demnach eine deutlich oder eher günstigere Geschäftsentwicklung, knapp die Hälfte eine gleich bleibende.
Wachstumstreiber Freiflächen-Solar
Was den Solarstrom-Markt insgesamt betrifft, geht der BSW für 2026 mit einem Ausbau etwa auf Vorjahresniveau aus. Die Anteile verschieben sich dabei weiter in Richtung Freiflächen-Solarparks und nähern sich der auch von der Bundesregierung angestrebten Aufteilung in je 50 Prozent Gebäude- und Freiflächen-Photovoltaik.
Wachstumstreiber sind laut den Angaben derzeit vor allem ebenerdig errichtete Solarparks. In den Monaten Januar bis Mai gingen hier Anlagen mit 3.400 Megawatt installierter Leistung ans Netz, ein Plus von mehr als einem Drittel gegenüber demselben Zeitraum 2025.
Ob es demnächst auch politisch gute Nachrichten für die Branche gibt, da konnte sich Carsten Körnig am Dienstag nicht festlegen.
Er merkte an, dass die Förderung – pro Kilowatt gerechnet – in den letzten Jahren ohnehin zurückgegangen sei. Für einen Euro Förderung könne jetzt sehr viel mehr Photovoltaik auf Dächern und Freiflächen installiert werden.
Prosumer-Haushalte können Wegfall der Förderung kaum ausgleichen
Gerade für Haushalte sieht der BSW-Solar ein Beibehalten der Förderung in den nächsten Jahren als wichtig an, auch wenn sich, wie Körnig betonte, die Rentabilität dieser Solarsysteme vor allem aus dem Eigenverbrauch ergebe.
Allerdings werde im Schnitt immer noch ein Drittel des in den Solarhaushalten erzeugten Stroms ins Netz eingespeist und entsprechend gefördert, so der Verbandschef. Selbst bei hohen Eigenverbräuchen dank Wärmepumpe oder E‑Auto verzögere sich die Amortisation der Anlage auf über 20 Jahre, wenn die Einspeisevergütung für das Drittel des Stroms wegfalle, sagte Körnig.
Für solche langen Zeiträume gebe es keine hinreichende Investitionsbereitschaft der Haushalte mehr, warnte er. Umfragen hätten ergeben, dass nur ein Zeitraum von zehn bis zwölf Jahren für die Amortisation akzeptiert werde. Gehe es in Richtung 20 Jahre, sei nur noch ein Bruchteil der Haushalte bereit, in eine Solaranlage zu investieren.
Um das Aus für die Einspeisevergütung noch zu verhindern, baut der BSW-Solar auf Widerstand beim Koalitionspartner SPD. Körnig verwies auch darauf, dass alle Bundesländer die Streichung einhellig ablehnen.
Zum Erreichen der gesetzlichen Ziele müsse der Ausbau von Photovoltaik und Speichern im Gegenteil weiter beschleunigt werden, mahnte Carsten Körnig. Wer die Energiewende zum Erfolg führen wolle, dürfe jetzt nicht auf die Bremse treten.
Aktuell, so ist in Berlin zu hören, dauern die Debatten zwischen dem Umwelt- und dem Wirtschaftsministerium um Beschleunigung oder Bremse noch an. Gehofft wird auf eine Einigung bis zur parlamentarischen Sommerpause.
Er glaube nicht, dass die Pläne von Ministerin Reiche eins zu eins umgesetzt werden, sagte Körnig am Dienstag. Wie gut die Nachricht über einen irgendwann gefundenen Kompromiss ausfällt, wird sich zeigen.
