Vor bald einem halben Jahr versetzte Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) die Solar-Branche in helle Aufregung – mit dem zweiten ihrer zehn Punkte, die die Ministerin aus dem von ihr bestellten Monitoringbericht filterte.
Laut dem Punkt zwei soll die Förderung für erneuerbare Energien künftig system- und marktorientiert erfolgen. Das bedeute die "konsequente Abschaffung" der Einspeisevergütung, ist da noch zu lesen.
Wie dereinst beim Heizungsgesetz gibt es nun fast täglich Schlagzeilen, was die "Abschaffung" für private Solarstromerzeuger bedeutet. Vom drohenden Chaos ist die Rede.
Die Panik ist übertrieben. Es gibt noch nicht einmal einen Gesetzentwurf für ein reformiertes Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Im EEG ist die Einspeisevergütung geregelt.
Der Gesetzentwurf soll bis Ende März vorliegen, hatte der zuständige Wirtschaftsstaatssekretär kürzlich angekündigt. Aber selbst wenn der Bundestag das neue EEG noch vor der Sommerpause beschließt, muss es dann erst beihilferechtlich von der EU genehmigt werden. Das dauert bekanntlich.
Solarstromer müssen sich auf Vermarktung umstellen
Es ist nicht ausgemacht, dass die Einspeisevergütung, wie überall zu lesen, schon Anfang 2027 Geschichte sein wird. Und wer sie noch nach dem jetzigen EEG bekommt, behält sie dann ohnehin für 20 Jahre. Es gilt Bestandsschutz.
Derzeit erhalten vor allem Photovoltaik-Anlagen bis 100 Kilowatt Spitzenleistung ihren Strom nach den festen Sätzen vergütet. Fallen die weg, müssen die Betreiber die Energie künftig auf dem Strommarkt verkaufen. Das ist ein harter Einschnitt.
Diese Anlagen erzeugen zu wenig Strom, um eigenständig am Markt operieren zu können. Sie brauchen einen Vermarkter, der viele der kleinen Erzeuger bündelt. Solche sogenannten Aggregatoren gibt es bereits – nur kostet der Stromverkauf über Dritte extra. Ob sich eigener Solarstrom dann noch lohnt – die Frage lässt Raum für Spekulationen.
Da ist es gut, dass jetzt eine Studie des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE) im Auftrag der Ökoenergiegenossenschaft EWS in Schönau im Schwarzwald untersuchte, wie sich der Wegfall der Einspeisevergütung für die besonders beliebten Dachanlagen bis 30 Kilowatt ausgleichen lässt. Diese stellen hierzulande ein Drittel des gesamten Photovoltaikstroms bereit.
Kleine Photovoltaik rentiert sich durch Eigenverbrauch
Die Studie knüpft an den Umstand an, dass sich eine Solaranlage schon heute am besten rentiert, wenn ihr Strom den üblichen Haushaltsstrom ersetzt.
Die Rechnung ist einfach: So eine kleine Dachanlage erzeugt derzeit Strom für sechs bis 14 Cent je Kilowattstunde. Haushaltsstrom kostet laut der Studie im fixen Tarif um die 35 Cent – wer stattdessen eigenen Solarstrom verbraucht, kann also bis zu knapp 30 Cent pro Kilowattstunde sparen.
Als Einspeisevergütung erhalten kleine Solaranlagen mit Selbstverbrauch aktuell rund 6,8 bis 7,9 Cent pro Kilowattstunde. Die ins Netz abgegebene Strommenge ist in der Regel aber nicht groß. Das erleichtert offenbar die Kompensation durch höheren Eigenverbrauch.
So bilanziert Projektleiterin und Studien-Koautorin Verena Fluri vom Fraunhofer ISE: Bei Direktvermarktung des Stroms kleiner Photovoltaik-Dachanlagen bis 30 Kilowatt wäre zurzeit noch eine um rund 15 Prozent höhere Eigenverbrauchsquote nötig, um den gleichen wirtschaftlichen Ertrag wie mit der EEG-Vergütung zu erzielen.
Für diese Solarstromer lautete künftig also die Frage: Lässt sich der Eigenverbrauch erhöhen?
Kleinere Anlagen oder mehr Stromverbrauch als Auswege
Ein nicht neues, aber probates Mittel ist, die Solaranlage zu verkleinern. Weniger Strom trifft dann, vereinfacht gesagt, auf den gleichen Bedarf. Wird zum Beispiel eine Anlage von zehn auf vier Kilowatt verkleinert, erhöht sich der Anteil des Eigenverbrauchs auf im Mittel etwa 60 Prozent, beziffert die Studie den Effekt.
Ein zweiter Weg zu mehr Eigenverbrauch ist, die Solaranlage mit einem Batteriespeicher zu kombinieren oder sich eine Wärmepumpe oder einen anderen Großverbraucher wie ein E‑Auto zuzulegen.
2025 wurden allerdings rund 80 Prozent der neuen Photovoltaik-Anlagen bereits mit einem Batteriespeicher kombiniert, wird in der Studie betont. Das ermögliche schon einen hohen Eigenverbrauch von 65 bis 70 Prozent.
Der Anteil könnte mit einem größeren Batteriespeicher auf bis zu 78 Prozent erhöht werden. Die zusätzlichen Investitionskosten für den Speicher ließen sich so aber nicht einspielen, heißt es weiter.
Erneuerbare graben sich auch selbst das Wasser ab
Dazu kommt: Bei einem entscheidenden Faktor in der Rechnung, ob sich mehr Eigenverbrauch lohnt, graben sich die Solarstromer gewissermaßen selbst das Wasser ab. Das ist der künftige Preis des Haushaltsstroms. Hier leidet die Dach-Photovoltaik zunehmend unter ihrer eigenen Wirtschaftlichkeit.
Denn die erneuerbaren Energien mit ihren geringen Betriebskosten drücken den Strompreis an der Börse. Dadurch sinkt am Ende die Preisdifferenz zwischen Eigen- und Haushaltsstrom. So sorgt der Ausbau der Erneuerbaren mit dafür, dass die Erlöse der Erneuerbaren-Anlagen sinken, bestätigt Studien-Auftraggeber EWS auf Nachfrage.
Selbstverständlich begrüße man, wenn die Strompreise gerade für Haushalte sinken, betont die Energiegenossenschaft. Da dies aber den Ausbau kleiner Photovoltaik-Anlagen hemme, sollte es hier einen Ausgleich geben. Denn der weitere Solarausbau werde gebraucht, um die Klimaziele zu erreichen, fasst EWS seine Position zusammen.
Vorläufiges Fazit: Für eine einzelne Anlage lässt sich der Wegfall der Einspeisevergütung möglicherweise ausgleichen – für die Energiewende im Ganzen offenbar nicht. Jetzt die EEG-Vergütung abzuschaffen, würde voraussichtlich zu einem deutlichen Rückgang der Investitionen in private Photovoltaik-Anlagen führen, betont die Studie entsprechend.
"Wegfall der Vergütung gefährdet Energiewende"
Auch Volker Quaschning hält das Signal für problematisch, das vom Wegfall der Einspeisevergütung ausgeht. "Bereits jetzt schwächelt der private Aufdachbereich. Viele Unternehmen, die sich darauf spezialisiert haben, sind wirtschaftlich angeschlagen oder gehen insolvent", erklärt der Professor für Regenerative Energiesysteme an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin gegenüber Klimareporter°.
Quaschning, der nicht an der Studie beteiligt war, weist zudem auf ein Folgeproblem hin: Würden Dachanlagen in der Wirtschaftlichkeit so stark verschlechtert, dass sie nicht mehr attraktiv sind, würden nur noch große Unternehmen mit zentralen Anlagen die Energiewende stemmen.
"Gerade bei Freiflächen-Photovoltaik und Windparks sehen wir erhebliche Widerstände. Bröckelt die Akzeptanz weiter, könnte das die Energiewende so stark ausbremsen, dass wir unsere Klimaschutzziele nicht mehr erreichen können", warnt Quaschning.
Auch für das ISE‑Team erhöht die direkte Teilhabe, die über eigenerzeugten Solarstrom möglich ist, die Akzeptanz für die Energiewende. In der Studie wird dafür plädiert, die Einspeisevergütung vorerst beizubehalten.
Ein überstürzter Ausstieg aus der EEG-Vergütung würde Kleininvestoren wie zum Beispiel Bürgerenergiegesellschaften direkt treffen, mahnt EWS-Vorstand Alexander Sladek seinerseits. Die Energiewende würde dadurch ausgebremst, weil weniger und kleinere Anlagen gebaut würden.
Außer dem Rat zu mehr Eigenverbrauch finden sich in der Studie nur noch wenige Alternativen zur Einspeisevergütung. Überschussstrom könnte, heißt es darin, zu einem Festpreis an den Stromversorger verkauft werden, der den Strom dann vermarktet und zugleich den sogenannten Reststrom für den Solar-Haushalt bereitstellt.
Vorgeschlagen werden auch eine flexible Einspeisevergütung, die sich nach dem Strommarkt richtet, oder eine dauerhafte Begrenzung der eingespeisten Strommenge.
Hier mehr anzubieten – damit sollte sich die Erneuerbaren-Branche nicht so viel Zeit lassen wie das Wirtschaftsministerium mit der EEG-Reform.

Ab Juni gibt es ja dann das (vereinfachte) Energy-Sharing-Modell (https://www.buendnis-buergerenergie.de/fileadmin/user_upload/Home/Publikationen/20251118_Factsheet_Energy_Sharing.pdf).
Ist das dann die Lösung, dass man mit der Nachbarschaft Verbrauchsgemeinschaften bildet? Wenn ich meinem Nachbarn dann Strom für 20 oder 25ct anbiete, ist das ja eine Win-Win-Situation. Versorgungslücken werden dann auch da vom offiziellen Energieversorger gedeckt.