Früher war alles besser. Da kam der Strom einfach aus der Steckdose, und gut.
Na ja, so richtig gut war's auch wieder nicht. Wenn man das Licht ankniptse oder die Waschmaschine einschaltete, kam dafür gleich CO2 aus irgendeinem Kraftwerks-Schornstein herausgequollen. Und die latente Gefahr, auch mal persönlich einen AKW-Super-GAU zu erleben, in Biblis oder Brokdorf, war ebenfalls nicht sehr gemütlich.
Aber das konnte man gut verdrängen. Musste man auch, ging ja nicht anders.
Heute, in Zeiten der Energiewende, ist das mit dem Strom komplexer. Erst mussten wir lernen, dass wir selber Strom machen können, auf dem eigenen Hausdach oder in einer Solar- oder Wind-Genossenschaft. Dann, was eine Dunkelflaute ist. Nämlich, wenn Sonne und Wind pausieren und das drohende Loch in der Versorgung irgendwie gefüllt werden muss.
Und nun etwas über die "Hitzeflaute". Die entsteht, wenn wegen einer stationären Hochdruck-Wetterlage kaum noch Wind weht, folglich der Ertrag der Windräder gegen null geht. Auch da müssen wieder andere Anlagen einspringen.
In den letzten Tagen, geprägt von der Rekord-Hitzewelle, gab es solche Flauten. Tagsüber kein Problem, weil große Mengen Solarenergie das Netz fluteten.
Intelligente Lösungen
Doch abends, wenn die Leute nach dem Job ihre Klimaanlage hochfahren – immerhin ein Fünftel der Leute soll inzwischen so ein Teil haben – und das WM-Spiel im TV schauen, braucht es mangels Solarleistung Ersatz. Derzeit fährt man Gaskraftwerke hoch, was die Versorgung sichert, aber die Preise an der Strombörse zuletzt in schwindelerregende Höhen steigen ließ.
Ja, und nun? Wieder zurückkehren in die alte Stromwelt? Natürlich nicht, sondern intelligente Lösungen für das System suchen. Die liegen im Fall der Hitzeflaute auf der Hand.
Joachim Wille ist Co-Chefredakteur des Online-Magazins Klimareporter°.
Das Backup durch Gaskraftwerke muss durch Batteriespeicher ersetzt werden, die den tagsüber in Hülle und Fülle vorhandenen Solarstrom zur Nutzung am Abend und in der Nacht verfügbar machen. Die sind inzwischen so billig geworden, dass das funktioniert.
Außerdem braucht es mehr Flexibilität im Elektrizitätssystem und eine intelligente Steuerung. Das endlich voranzubringen, wäre doch einmal eine schöne Aufgabe für unsere Bundesregierung.
Strom-Nostalgiker, die von der Atomkraft als Alternative fabulieren, sollten übrigens mal nach Frankreich schauen. Dort wurden zuletzt wegen der Hitzewelle einige AKW abgeschaltet und eine Reihe weiterer gedrosselt. Und in Zukunft wird das nicht besser.
