Noch immer steigen die weltweiten Treibhausgas-Emissionen. In einem entscheidenden Sektor aber gibt es ein Signal, das Energieexpertinnen und Klimaforscher aufhorchen lässt: Im Jahr 2025 ist die Kohlestrom-Erzeugung sowohl in China als auch in Indien zurückgegangen, was nach einer Auswertung des finnischen Thinktanks Centre for Research on Energy and Clean Air (Crea) für den Infodienst Carbon Brief seit 1973 nicht mehr vorkam.

Für China beziffert die Analyse den Rückgang der Stromproduktion aus Kohle auf 1,6 Prozent, für Indien auf drei Prozent – ein Minus von 58 respektive 57 Terawattstunden. Crea-Autor Lauri Myllyvirta bezeichnete das als einen historischen Moment, der zu einem Umschwung bei den globalen CO2-Emissionen beitragen könnte.

 

Der Hintergrund: In den beiden großen Ländern mit zusammen fast drei Milliarden Menschen ist die saubere Stromproduktion zuletzt so stark gewachsen, dass sie einen erheblichen Teil des Nachfrageanstiegs auffangen konnte.

Besonders China hatte 2025 weiterhin kräftigen Stromhunger. Die nationale Energiebehörde NEA meldete für 2025 einen Anstieg des Stromverbrauchs um fünf Prozent auf 10.400 Terawattstunden. Die amtlichen Zahlen zeigen aber, dass sich fossile Stromerzeugung trotzdem zurückdrängen ließ.

Zehn Jahre CO2-Anstieg fast nur durch China und Indien 

Laut der chinesischen Statistikbehörde, die die Agentur Reuters zitiert, sank die thermische Stromerzeugung aus Kohle und einem kleinen Teil Erdgas im Gesamtjahr 2025 um ein Prozent. Im Dezember lag sie um 3,2 Prozent unter dem Vorjahr.

Wichtig dabei ist, dass der Rückgang nicht in einer Rezession passierte, sondern in einem Jahr mit weiter wachsendem Strombedarf – getrieben etwa durch den Dienstleistungssektor und die Elektrifizierung in Verkehr und Industrie.

Auf einem geraden Steinweg durch einen kleinen Solarpark geht ein Mann.
Solarpark in einem Dorf im nordindischen Bundesstaat Uttar Pradesh. (Bild: Maneesh Agnihotri/​Shutterstock)

Indien wiederum meldete 2025 einen Rekord beim Ausbau der erneuerbaren Energien. Laut Zahlen vom Jahresende wurden bis einschließlich November 44.500 Megawatt neu installiert, davon knapp 35.000 Megawatt Solar- und 5.820 Megawatt Windenergie.

Parallel deuten Daten der indischen Stromagentur CEA darauf hin, dass die Kohlekraftwerke weniger lieferten als ein Jahr zuvor. Zusammen mit dem kräftigen Zuwachs bei Sonne und Wind sorgten ein schwächeres Wachstum und ein teils witterungsbedingt geringerer Bedarf 2025 laut Carbon Brief erstmals seit Jahren für einen Rückgang beim Kohlestrom in Indien.

Warum ist das global von Bedeutung? In China und Indien gibt es weltweit die seit Jahren größte Dynamik beim Neubau von Kraftwerken, und die Stromsektoren beider Länder stehen laut der Carbon-Brief-Auswertung für 93 Prozent des Anstiegs der globalen CO2-Emissionen zwischen 2015 und 2024.

Wenn ausgerechnet dort die Kohleverstromung strukturell sinkt, kann das die Kurve der globalen Emissionen drücken – selbst wenn in anderen Regionen der Kohleeinsatz stagniert oder zeitweise steigt.

Mit mehr Solar- und Windparks ist es nicht getan

Gleichzeitig wäre es verfrüht, schon jetzt das Ende des weltweiten Emissionswachstums auszurufen. Die Internationale Energieagentur IEA bilanziert noch für 2024 einen neuen Rekord bei den energiebedingten CO2-Emissionen: 37,8 Milliarden Tonnen, ein Plus von 0,8 Prozent.

Ein globaler "Peak" bei den Treibhausgasen hängt zudem nicht nur von der Stromproduktion ab, sondern auch von Industrie, Gebäuden, Verkehr, Methanemissionen und Landnutzung.

Und selbst im Stromsektor gibt es Gegenkräfte. So wurden in China zwar enorme Wind- und Solarkapazitäten installiert, gleichzeitig blieb die Kohleproduktion hoch, und neue Kohlekraftwerke sind im Bau. Auch in Indien sind viele weitere Kohlemeiler in der Projekt-Pipeline.

Und in den USA wird inzwischen nach vielen Jahren des starken Rückgangs wieder mehr Kohle verstromt. 2025 gab es ein Plus von 13 Prozent – vor allem, weil Kohle billiger als Erdgas war, aber auch als Folge der rückwärtsgewandten Energiepolitik unter Präsident Donald Trump.

 

Ob der "Peak" wirklich erreicht wird, entscheidet sich daher an drei Kriterien. Erstens muss der Ausbau der Solar- und Windkraft in China und Indien hoch bleiben und mit einem Ausbau von Netzen und Speichern einhergehen.

Zweitens muss die Stromerzeugung aus Kohle dauerhaft sinken, statt viele neue Kapazitäten "auf Vorrat" zu bauen, die dann schlecht ausgelastet und unwirtschaftlich sind.

Drittens brauchen beide Länder Regeln, die saubere Erzeugung wirklich ins Netz bringen, also den Vorrang der Ökoenergie etwa durch flexible Nutzung absichern.

Die politischen Ziele sind gesetzt: China will den Höchststand der CO2-Emissionen vor 2030 erreichen und vor 2060 klimaneutral werden, Indien peilt das für 2070 an.