Luftaufnahme des Hofgartens in München, einer annähernd quadratischen Renaissance-Parkanlage. Im Vordergrund die Staatskanzlei.
Von der Staatskanzlei hätte Markus Söder immer einen schönen Ausblick auf sein kleines Atomkraftwerk. (Bild: Carsten Steger/​Wikimedia Commons)

Was hätten wir, wenn wir Markus Söder nicht hätten? Weniger zu schreiben. Söder ist immer für eine Nachricht gut. Eine schillernde Figur. Wenn's politisch passt, umarmt er Bäume. Neuerdings umarmt er Mini-Atomkraftwerke.

Was ist passiert? Bayerns Ministerpräsident will eine "neue Epoche der Kernenergie" in Deutschland, und diese soll vom Freistaat im Süden ihren Ausgang nehmen, weil Kanzler Merz für den Bund abgewunken hat.

Bayern sei bereit für ein "Pilotprojekt" mit einem der neuartigen SMR, der Small Modular Reactors, die als neue Hoffnung der Atombranche gelten.

Das ist schon erstaunlich. Denn Söder war nach der Fukushima-Katastrophe von 2011 einer der vehementesten Verfechter des Atomausstiegs gewesen, der dann unter der schwarz-gelben Bundesregierung beschlossen und bis 2023 sukzessive umgesetzt wurde.

Motto: Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern? So etwas wollen wir Söder natürlich nicht unterstellen. Er glaubt, behauptet es zumindest, die "Kernenergie 2.0" mit den für eine Serienfertigung konzipierten Mini-Reaktoren sei keine Rückkehr zur alten Technik, sondern "ein neues Kapitel ohne die früheren Gefahren".

Im Hofgarten ist genug Platz

Das Problem ist nur: Ob die SMR das Versprechen halten können, dank neuer Technik vor Katastrophen wirklich gefeit zu sein, ist fraglich. Ob die Serienfertigung wirklich so billig ist, kann heute auch niemand wissen. Zwei Mini-AKW-Typen laufen in China und Russland, nach überlanger Bauzeit und mit verringerter Stromproduktion.

Ansonsten gibt es weltweit rund 80 SMR-Konzepte, die meisten nur auf dem Reißbrett, kaufen kann man in den westlichen Ländern aber keine Anlage. Und Atommüll produzieren "die lieben Kleinen" auch. Zwar weniger als ein Großreaktor, dafür braucht man aber auch viel mehr von ihnen.

Fakt ist, die Konstruktion von SMR, die schon seit Jahren von interessierten Kreisen gehypt werden, hat sich als schwieriger herausgestellt als gedacht. Fachleute rechnen mit zehn bis 15 Jahren Entwicklungs- und Bauzeit, bis die "Minis" wirklich serienreif sein könnten.

Dann wird aber zumindest in Deutschland das Stromsystem schon zu 100 Prozent erneuerbar sein, mit Speichern und flexiblen Backup-Kraftwerken. Die SMR kommen, wenn sie kommen, zu spät.

Ob Markus Söder bereits einen SMR-Bauplatz nahe seiner Staatskanzlei reserviert hat, ist nicht bekannt. Das würde seine Begeisterung für die "Mini-AKW" untermauern. Platz wäre ja genug da, im angrenzenden Hofgarten.

 

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