Deutschland hat beim Ausbau von Batteriespeichern einen neuen Rekord erreicht. Nach einer aktuellen Auswertung des Internationalen Wirtschaftsforums Regenerative Energien (IWR) sind inzwischen mehr als zwei Millionen Speicheranlagen installiert.
Besonders Nordrhein-Westfalen, einst fossiles Energiezentrum der Bundesrepublik dank Kohle und Großkraftwerken, entwickelt sich nun durch die Energiewende erneut zum Zentrum – diesmal mit Erneuerbaren und modernen Speichern.
Allein zwischen Januar und Juli dieses Jahres kamen bundesweit über 318.000 neue Speicher hinzu, mit einer Leistung von insgesamt gut 2.000 Megawatt und einer Speicherkapazität von knapp 3.900 Megawattstunden.
Für das Gesamtjahr 2025 rechnet das IWR mit 550.000 zusätzlichen Anlagen. Damit wären Ende Dezember rund 2,3 Millionen Batteriespeicher in Betrieb – mit einer Leistung von 16.000 Megawatt und einer Kapazität von über 25.000 Megawattstunden.
Doch das sei nur der Anfang, meint IWR-Chef Norbert Allnoch. "Die Vielzahl aktueller Planungsprojekte mit Großanlagen verdeutlicht, dass der eigentliche Markthochlauf unmittelbar bevorsteht", sagte er.
Die Daten stammen aus dem Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur, das alle in Deutschland installierten Anlagen für Stromerzeugung und Speicher erfasst.
Vom Kraftwerks- zum Speicherstandort
Die meisten Speicher sind danach kleine Einheiten in Privathaushalten, meist gekoppelt mit Solaranlagen auf dem Dach. Sie erlauben es, Strom aus der Sonne am Abend oder in der Nacht zu nutzen, und entlasten so das Stromnetz.
Doch zunehmend entstehen auch Großspeicher, die mehrere Megawattstunden Strom puffern können. Sie werden vor allem von Stadtwerken, Energieversorgern und der Industrie gebaut.
Ein entscheidender Grund für den Boom sind die stark gesunkenen Preise für Batteriespeicher. Speicher, die vor wenigen Jahren noch für viele Haushalte unbezahlbar waren, sind inzwischen erschwinglich.
Hinzu kommt die wachsende Nachfrage aus Industrie und Gewerbe, die sich gegen hohe Strompreise und Netzausfälle absichern wollen.
Besonders stark wächst der Markt in Nordrhein-Westfalen. Mit knapp 11.000 neuen Anlagen lag das Bundesland im ersten Halbjahr 2025 vorn, gefolgt von Bayern (9.950) und Baden-Württemberg (8.600). Für Allnoch ist klar: "Nordrhein-Westfalen hat die besten Voraussetzungen, sich vom Kraftwerks- zum Speicherstandort für ganz Deutschland zu entwickeln."
Das Land mit seiner energieintensiven Industrie, der vorhandenen Netzinfrastruktur und den zahlreichen ehemaligen Kraftwerksstandorten könnte damit in der Energiewende eine neue Rolle einnehmen. Es geht also vom alten Kohlerevier zum Energiezentrum der Zukunft.
Batterien überbrücken kurze Zeiträume
Die Entwicklung ist Teil der Energiewende. Je stärker Solar- und Windkraft ausgebaut werden, desto wichtiger wird es, ihren fluktuierenden Strom zwischenspeichern zu können. Heute kommt es an besonders sonnigen oder windreichen Tagen regelmäßig zu Situationen, in denen mehr Strom produziert als verbraucht wird.
Ohne Speicheranlagen müssen Windräder dann abgeschaltet oder Solarstrom ins Ausland exportiert werden – oft zu niedrigen Preisen oder gar zum Nulltarif. Speicher können diese Überschüsse aufnehmen und bei Bedarf wieder einspeisen.
Gleichzeitig steigt mit der Elektrifizierung von Verkehr und Heizung der Strombedarf in Deutschland. Umso wichtiger ist eine flexible Strominfrastruktur, die auch Lastspitzen abfangen kann.
Speicher sind dafür ein wichtiger Baustein – neben intelligenten Netzen, steuerbaren Verbrauchern und einem europäischen Stromverbund. Und die neue Entwicklung zeigt, dass die Speicher eindeutig auf dem Weg zum Massenmarkt sind.
Allerdings wird der Ausbau von Batteriespeichern allein nicht ausreichen, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Batterien sind ideal für kurzfristige Schwankungen von Stunden bis zu einem Tag.
Für längere Flauten im Winter – wenn kaum Sonne scheint und wenig Wind weht – braucht es zusätzliche Lösungen, etwa Gaskraftwerke, die einspringen können, eine darauf ausgerichtete Fahrweise von Biogas-Kraftwerken sowie Speicher für grünen Wasserstoff, der mit Ökostrom gewonnen wird.
Aktuell plant die Bundesregierung den Bau von bis zu 20.000 Megawatt Erdgaskraftwerken, wobei noch unklar ist, ob und wann diese auf Wasserstoff umgestellt werden sollen. Das Volumen dieses Ausbaus ist in der Fachwelt umstritten.

Nein. Braucht es nicht. Es gibt genügend Möglichkeiten der Speicherung, über den Akku-Weg hinaus, ohne wieder fossil rückfällig zu werden. Es ist eine Frage des entsprechenden Willens, nicht der technischen Möglichkeiten. Zudem ist die Dunkelflauten-Situation nie absolut flächendeckend. Es gibt also auch immer Möglichkeiten des Stromimports.