Nachdem große Kernkraftwerke in Deutschland Geschichte sind, werden kleine modulare Reaktoren wieder mal zum neuen heißen Scheiß. Sind sie der Weg in unsere Zukunft?
Nein. Allein darüber zu diskutieren ist völlig gaga. Kernkraftwerke sind mit die teuerste Art der Stromerzeugung. Das erfahren gerade Frankreich und Großbritannien mit ihren Kernkraftwerksneubauten schmerzlich.
Kleine modulare Reaktoren, so wird versprochen, seien billiger. Dabei haben wir früher Kernkraftwerke immer größer gebaut, um so die Kosten zu reduzieren. Und jetzt soll auf einmal das Gegenteil gut sein?
Volker Quaschning
ist Professor für Regenerative Energiesysteme an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin. Seine Lehr- und Sachbücher zur Energiewende gelten als Standardwerke.
Das Argument lautet, die Serienfertigung solle sie billig machen. Doch damit es Kostenvorteile gibt, müssten laut BASE‑Auftragsstudie mindestens 3.000 kleine Reaktoren gebaut werden. Völlig illusorisch.
So oder so werden sie nur dann nicht zum finanziellen Desaster, wenn sie das ganze Jahr durchlaufen. Aber wie soll das gehen? Sollen wir viel billigere Solar- und Windkraftanlagen zugunsten der teuren Reaktoren abschalten?
Kleine Kernreaktoren sollen sicherer sein, brauchen aber teilweise höher angereichertes Uran, das nicht in falsche Hände geraten darf. Wer beschützt die vielen kleinen Reaktoren?
Außerdem sind die weltweiten Uranvorkommen begrenzt. Daran, dass uns früher oder später das Uran ausgeht, ändern die kleinen Reaktoren nichts. Auch nichts an der ungelösten Frage der Atommüllendlagerung.
Nein, kleine modulare Reaktoren sind keine sinnvolle Alternative für unsere Energieversorgung, und mit der Diskussion darüber verlieren wir nur wertvolle Zeit, um Deutschlands Energieversorgung zukunftsfest zu machen.
