Der Ausbau der Netze geht in Deutschland viel zu langsam voran. Darum plant Wirtschaftsministerin Katherina Reiche ein neues Netzpaket, mit dem sie das Ausbautempo von Solar- und Windkraftanlagen reduzieren will.
Ja, ihr habt richtig gehört. Das wäre genauso, wie wenn wir die Neuzulassung von Pkws begrenzen, bis wir alle maroden Straßen und Brücken saniert haben.
Was genau ist aktuell geplant? Netzbetreiber sollen Regionen ausweisen dürfen, in denen die Netze stark überlastet sind. Wer dort noch neue Solar- und Windkraftanlagen bauen möchte, soll bis zu zehn Jahre lang auf Entschädigung verzichten, wenn die Anlagen abgeregelt werden.
Das bedeutet ein unkalkulierbares Risiko für neue Anlagen. Die Finanzierung dürfte extrem schwierig werden, was für viele Projekte praktisch einem Ausbaustopp gleichkommt.
Gleichzeitig wird der Druck von den Netzbetreibern genommen, ihre Stromnetze zeitnah auszubauen. Das verzögert die Energiewende, zementiert die Abhängigkeit von Erdgas und Kohle, macht Strom unnötig teuer und zudem die deutschen Klimaschutzziele unerreichbar.
Liebe Frau Reiche, ja, wir haben ein Problem mit den Netzen, weil die deutschen Regierungen viel zu lange beim Netzausbau geschlafen haben. Und darum müssen Regierung und Netzbetreiber beim Netzausbau endlich mal deutlich mehr Tempo machen.
Batteriespeicher ließen sich schnell errichten und können an den richtigen Stellen Netzengpässe entschärfen. Australien, China und Kalifornien machen es vor. Wir müssen doch in Deutschland nicht immer die schlechteste aller Lösungen umsetzen.
Volker Quaschning
ist Professor für Regenerative Energiesysteme an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin. Seine Lehr- und Sachbücher zur Energiewende gelten als Standardwerke.
