In einem großen Solarpark stehen zwei Batteriespeicher-Container und ein großer Wechselrichter.
Solarspitzen sollten in Batterien fließen oder in Wasserstoff-Elektrolyseure. (Bild: Braille Grenate/​Shutterstock)

Zu viel Solarstrom? Kann es das überhaupt geben? Eigentlich nicht, denn bekanntermaßen wird bei einem Ökostrom-Anteil von heute im Schnitt 50 bis 60 Prozent immer noch viel zu viel Kohle und Erdgas verbrannt, um unsere vielen privaten elektrischen Bedürfnisse und die von Gewerbe und Industrie zu erfüllen – vom Kaffeekochen übers Supermarkt-Betreiben bis zur Stahlerzeugung.

Doch an den letzten, super-sonnigen Wochenend-Tagen war es wieder so weit: Mittags flutete zu viel solare Elektrizität das Netz. Die Strompreise an der Börse gingen in den Keller, ja, wurden sogar negativ.

Und kurios: Wer an einem solchen Tag, an dem der Verbrauch wegen gedrosselter Industrie niedrig ist, einen flexiblen Stromtarif hatte, bekam von seinem Stromlieferanten sogar Geld dazu, wenn er Elektrizität abnahm – etwa durch das Laden eines E‑Autos. In der Spitze pro Kilowattstunde rund 40 Cent. Schön für sie oder ihn.

Trotzdem ein absurdes Bild – und eines, das Kritiker der Energiewende dankbar aufgreifen. "Zu viel Solarstrom überfordert das System", heißt es dann.

Da ist was dran, denn rund läuft die Ökostrom-Produktion in solchen Fällen nun wirklich nicht. Muss abgenommener Strom auch noch vergütet werden, um ihn loszuwerden, geht es auf Kosten der Allgemeinheit. Denn: Letzten Endes kommt das Geld vom EEG-Konto, ergo aus dem Bundeshaushalt.

Strom dann verbrauchen, wenn es viel davon gibt

Allerdings darf das nicht das Ende der Debatte sein. Tatsächlich ist auch das Gegenteil richtig: Die Negativpreise sind kein Zeichen von Überfluss im eigentlichen Sinne, sondern von mangelnder Flexibilität in einem System, das noch immer primär auf die Logik fossiler Grundlastkraftwerke zugeschnitten ist.

Es fehlt an Speichern, die den Überschuss aufnehmen könnten, und an Verbrauchern, die dank eines intelligenten Stromzählers gezielt auf solche Preissignale reagieren können. Genau hier liegt der Kern des Problems – und der Lösung. 

Joachim Wille ist Co-Chefredakteur des Online-Magazins Klimareporter°.

Viele Anwendungen können Strom dann verbrauchen, wenn er im Überfluss vorhanden ist: E‑Autos, die dann geladen werden, Wärmepumpen, die dann das Warmwasser für den Haushalt produzieren, flexible industrielle Prozesse, die dann hochgefahren werden.

Außerdem braucht es mehr Batteriespeicher, E‑Autos, die bidirektional laden können (also auch als Speicher dienen), und Elektrolyseure für die Wasserstoff-Produktion. Dass es das alles noch nicht flächendeckend gibt, ist kein technisches, sondern ein politisches Versäumnis.

 

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