China entwickelt sich immer stärker zum Motor für den Ausbau der erneuerbaren Energien. Allein in den ersten sechs Monaten dieses Jahres wurden in dem Land neue Solarstrom-Anlagen mit einer Spitzenleistung von 210.000 Megawatt neu errichtet, wie das Internationale Wirtschaftsforum Regenerative Energien (IWR) aus Münster berichtet.
Zum Vergleich: Das ist deutlich mehr als die gesamte bisher installierte Solarleistung des früheren Weltmarktführers Deutschland, die Ende letzten Jahres bei 100.000 Megawatt lag. China hat damit als erstes Land die Marke von einer Million Megawatt Solarkapazität überschritten, inzwischen sind es sogar rund 1,1 Millionen.
Was wie eine nüchterne technische Zahl klingt, bedeutet in Wahrheit eine tektonische Verschiebung in der globalen Energiewelt. Während Europa und gerade Deutschland noch über das weitere Tempo des Erneuerbaren-Ausbaus debattieren und die USA unter Präsident Donald Trump auf die Bremse steigen, hat Peking Fakten geschaffen.
China demonstriert, wie politische Steuerung und der Aufbau von industriellen Kapazitäten den Weg zu einer kaum mehr anfechtbaren Hegemonie führen können.
An Netzen und Speichern mangelt es noch
Für das Gesamtjahr 2025 sind laut dem China Electricity Council (CEC) nach bisherigen Planungen im Stromsektor mehr als eine halbe Million Megawatt neue Erzeugungskapazität vorgesehen – zu vier Fünfteln aus erneuerbaren Energien. Es wird erwartet, dass der tatsächliche Zuwachs am Jahresende angesichts der starken Ausbauzahlen im ersten Halbjahr diese Planzahlen noch übersteigt.
IWR zitiert die Tageszeitung China Daily, wonach sich der Erneuerbaren-Ausbau in den kommenden Jahren weiter fortsetzen soll, allerdings auf etwas niedrigerem Niveau. Im nächsten Fünfjahresplan von 2026 bis 2030 werde die jährliche Ausbaurate bei 200.000 bis 300.000 Megawatt an erneuerbarer Energieleistung liegen, kündigte demnach Zhang Lin, Leiter der CEC-Planungsabteilung, Ende Juli in Peking an.
Die Millionen-Rekordmarke zeigt freilich nicht die ganze Wahrheit. Zwar übertrafen in China bereits im Frühjahr die installierten Solar- und Windkapazitäten erstmals jene der fossilen Kraftwerke, doch ihr Beitrag zur Stromversorgung bleibt unter den theoretischen Möglichkeiten.
Hauptgrund: Das Stromnetz ist nach wie vor auf die zahlreichen Kohlekraftwerke ausgerichtet, und es fehlen Speicher. Zudem entstehen die riesigen Solar- und Windparks vor allem im Westen des Landes – ertragreich, aber tausende Kilometer entfernt von den Verbrauchszentren an der Küste.
Die Folge: Trotz Rekordproduktion aus Photovoltaik und Wind kommt es regelmäßig zu Abregelungen. Sauberer Strom wird nicht genutzt, weil Speicher nicht verfügbar sind und Leitungen zu den industriellen Zentren im Osten des Landes nicht ausreichen, und Kohlestrom springt ein.
Der Anteil von Solar- und Windenergie am gesamten Strommix lag im ersten Quartal dieses Jahres nur bei 22,5 Prozent. Zum Vergleich: In Deutschland ist es bereits über die Hälfte.
Wirtschaft wächst ohne Mehremissionen
Trotz der Netzprobleme und des fortgesetzten Baus von Kohlekraftwerken zeigen sich für Chinas CO2-Emissionen positive Effekte, die Hoffnung auf eine Trendwende bei dem mit Abstand größten Emittenten machen. Laut dem finnischen Thinktank Centre for Research on Energy and Clean Air (Crea) sank Chinas gesamter CO2-Ausstoß im ersten Halbjahr 2025 um ein Prozent gegenüber dem Vorjahr, im Stromsektor sogar um drei Prozent.
"Die Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Quellen wächst inzwischen schneller als die Nachfrage nach Elektrizität – sowohl kurzfristig als auch im längerfristigen Durchschnitt. Dadurch geht der Einsatz fossiler Energieträger zurück", sagte Crea-Chefanalyst Lauri Myllyvirta im britischen Klima-Infodienst Carbon Brief.
"Sollte sich dieser Trend fortsetzen, wäre damit der Höhepunkt der Emissionen erreicht und ein dauerhafter Rückgang im chinesischen Stromsektor eingeleitet", kommentierte der Experte.
Chinas Präsident Xi Jinping hat mit Blick auf das Pariser Klimaabkommen versprochen, dass die Emissionen spätestens 2030 ihr Maximum erreichen werden und das Land 2060 klimaneutral ist. Nur wenn China als globaler "Obereinheizer" diesen Pfad einhält und eventuell noch vorzieht, gibt es noch eine Chance, die Erderwärmung unter zwei Grad zu stabilisieren.
Das Land ist heute für rund ein Drittel der Treibhausgas-Emissionen verantwortlich, gefolgt von den USA mit zwölf und Indien mit acht Prozent, nach Zahlen für 2023 und der üblichen Berechnung nach dem Produktionsprinzip. Der jüngste Rückgang macht hier Hoffnung, aber er ist noch kein garantierter Trend.
Bemerkenswert ist allerdings, dass der Rückgang nicht – wie etwa in Deutschland – durch eine Konjunkturschwäche erklärt werden kann. Im Gegenteil: Die Nachfrage nach Strom wächst in China weiter, doch der Mehrbedarf und ein Teil des bisherigen Verbrauchs wird aus sauberen Quellen gedeckt.
Hier liegt die eigentliche Botschaft: Dekarbonisierung findet beim größten Emittenten der Welt bereits statt. Wenn auch noch fragil.
Grüner Wandel und wachsende Marktmacht
Denn parallel zur grünen Offensive expandieren in China klimaschädliche Industrien. Besonders deutlich ist dies im "Kohle zu Chemie"-Sektor. Hier wird Kohle in großen Chemieparks unter hohem Energieaufwand zu synthetischen Treibstoffen oder petrochemischen Produkten verarbeitet. China will damit seine umfangreichen Erdölimporte verringern.
Seit 2020 haben diese Anlagen die chinesischen Treibhausgas-Emissionen laut der Crea-Analyse bereits um drei Prozent gesteigert. Bis 2029 könnten weitere zwei Prozent hinzukommen.
In dieser Gleichzeitigkeit von Erneuerbaren-Schub und Kohle-Expansion spiegelt sich das Paradox einer Strategie, mit der China zwar den Anspruch erhebt, den CO2-Peak anzusteuern, aber auch weiter auf starkes ökonomisches Wachstum setzt. Solange weiter neue Kohlekraftwerke genehmigt und gebaut werden und solange petrochemische Expansion für wachsende Emissionen sorgt, bleibt das Fundament der Transformation unsicher.
Hinzu kommt die geopolitische Dimension. IWR-Chef Norbert Allnoch erläutert: "Indem Peking die Solartechnik in beispiellosem Tempo ausrollt, sichert es sich nicht nur einen Platz in der Klimapolitik, sondern auch eine dominierende Rolle in der globalen Industrie." Tatsächlich dominieren chinesische Unternehmen inzwischen die Produktion von Solarsilizium und Solarmodulen, was den Rest der Welt in diesem Sektor zunehmend in Abhängigkeit bringt.
Dazu passt, dass auch die chinesischen Windkraft-Produzenten inzwischen technisch konkurrenzfähig etwa zu europäischen Herstellern sind, zudem auf dem Weltmarkt billiger anbieten. Westliche Fachleute warnen, dass die Energiewende im Rest der Welt ohne chinesische Technologie kaum mehr möglich ist.
Die Millionen-Megawatt-Marke ist also nicht nur ein Symbol für Chinas grünen Wandel, sondern auch für seine wachsende Marktmacht.
Lesen Sie dazu den Gastkommentar von Franz Alt: Chinas Doppelstrategie: Erneuerbare plus Kohle

Das sind eben die globalen Widersprüche. Auf einen Schub Richtung eigentliche ökologische Nachhaltigkeit wartet die Menschheit wohl vergeblich.
Auch in dieser Technik ist China führend und sie ist ein wichtiger Baustein für Co2 freie Stromerzeugung dort.
China ist mitnichten ein Musterknabe, die Co2preise sind winzig, das einzige was zählt ist Wachstum, neue Kohlekraft inklusive.