Der Möbelriese Ikea steigt ins Stromverkaufs-Geschäft ein und bietet ab sofort Privathaushalten einen dynamischen Elektrizitätstarif an, der den Kilowattstunden-Preis an die fluktuierenden Börsenstrompreise koppelt.
Die Idee dahinter ist, dass Kund:innen ihren Verbrauch in günstige Zeitfenster verschieben – etwa beim Waschen, Trocknen oder beim Laden eines E‑Autos. In Stunden mit viel Wind- und Solarstrom sind die Großhandelspreise oft niedriger, in Zeiten hoher Nachfrage dagegen ziehen sie deutlich an. Über Smart Meter und App sollen Preise und Verbrauch transparent werden, damit sich Lasten gezielt verlagern lassen.
Ikea liefert nach eigenen Angaben 100 Prozent Ökostrom, Partner dabei ist das schwedische Solarstrom-Unternehmen Svea Solar. Anmeldung und Wechsel laufen digital, ein Wechselservice ist inklusive.
Voraussetzung für die Abrechnung in kurzen Zeitintervallen bei dynamischen Tarifen ist ein Smart Meter, ein intelligentes Messsystem. Dieses wird von Ikea kostenlos eingebaut.
Der Möbelriese erklärt das Prinzip so: "Ist viel Wind- oder Sonnenenergie im Netz, sinkt der Preis und du sparst. Statt starrer Fixpreise setzen wir auf Transparenz und Flexibilität. So machen wir nachhaltigen Strom für mehr Menschen erschwinglich."
Eine spezielle Energie-App soll es den Kund:innen erlauben, den Stromverbrauch im Blick zu haben und "in Echtzeit zu sehen, wann die Börsenstrompreise am günstigsten sind".
Attraktiv für Haushalte mit E‑Auto und Wärmepumpe
Dynamische Tarife sind politisch gewollt. Das Energiewirtschaftsgesetz schreibt inzwischen vor, dass alle Stromlieferanten sie anbieten. Zu den bekannten Anbietern volldynamischer Tarife zählen Octopus und Tibber. Auch klassische Versorger sind eingestiegen, etwa Vattenfall oder Eon, aber auch Stadtwerke und weitere Ökostromanbieter wie Naturstrom.
Die Bundesnetzagentur betont, dass es deutlich mehr dynamische Angebote gibt, als auf Vergleichsportalen sichtbar sind, und rät bei der Suche auch zum Blick auf Anbieter-Webseiten.
Ob sich das Modell auszahlt, hängt stark vom Haushalt ab. Das Portal Finanztip sieht Vorteile von dynamischen Tarifen vor allem bei Kund:innen mit hohem, flexibel steuerbarem Verbrauch – typischerweise durch Wärmepumpe oder Elektroauto. Ikea betont denn auch, mit Photovoltaikanlage oder Wärmepumpe lasse sich der Stromverbrauch oft bereits automatisch steuern, womit dann "mehrere Hundert Euro im Jahr" zu sparen seien.
Wer dagegen kaum Stromlasten verschieben kann, trägt laut Finanztip vor allem das Risiko teurer Stunden, denn bei den rein am Börsenpreis orientierten Tarifen gibt es keine Preisgarantie. Zudem schwankt nur der börsenabhängige Energieanteil – Netzentgelte, Steuern und Umlagen fallen weiterhin an.
Beim Ikea-Stromtarif beträgt die Grundgebühr 6,99 Euro pro Monat, Mitglieder des Kund:innenprogramms kommen billiger weg. Außerdem wirbt das Unternehmen bei ihnen mit sechs Monaten Grundgebühr-Erlass und einem Gutschein. Statt fester monatlicher Abschläge wird entsprechend dem tatsächlichen Verbrauch abgebucht.
Ikea legt Wert auf ein nachhaltiges Image, steht aber bei Umweltschützer:innen in der Kritik für seinen Holzbezug aus wertvollen alten Wäldern in den rumänischen Karpaten. Laut einem aktuellen Greenpeace-Report war die großflächige Abholzung im dortigen Rusca-Montană-Wald für Ikea-Möbel zwar legal, zerstörte aber ein seltenes altes Waldökosystem.
