Here comes the sun
Doo doo doo doo
Here comes the sun and I say
It's alright

Diese Zeilen gingen Bill McKibben im Jahr 2024 durch den Kopf, als er sein neues Buch schrieb, das den gleichnamigen Titel des George-Harrison-Songs bekommen sollte.

McKibben ist ein Urgestein des Klimaaktivismus. Als führender Kopf der Organisation 350.org hat er maßgeblich die Keystone-XL-Pipeline verhindert, die Ölsande aus Kanada bis an den Golf von Mexiko transportieren sollte.

 

Er hat außerdem 20 Bücher geschrieben, die, wie er sagt, alle einen "dunklen Realismus" widerspiegeln – mit Titeln wie "Das Ende der Natur" und "Genug". 20 Jahre, in denen sich die Erde zunehmend erhitzt und das Artensterben Fahrt aufgenommen hat.

"Und doch, genau jetzt, wirklich zum ersten Mal, kann ich den Weg sehen, der uns herausführt", schreibt er im Vorwort von "Here comes the sun". "Ein Weg, erhellt von der Sonne."

Unbemerkte Revolution

Nach all den zähen Jahren hat sich in seinen Augen etwas Grundlegendes auf dem Planeten verändert, aber die allerwenigsten nahmen Notiz davon. Anfang 2020 habe die Welt "eine unsichtbare Linie überschritten" – erstmals war es günstiger geworden, mit Solarmodulen Energie zu produzieren als mit fossilen Treibstoffen.

Und damit ging es erst so richtig los. Mitte 2023 überschritt die Welt die nächste unsichtbare Linie – und installierte ein Gigawatt Solar-Anschlussleistung pro Tag – und nicht mehr pro Monat wie 2010 oder pro Jahr wie 2004.

Getrieben vor allem durch den gewaltigen Ausbau in China, das im ersten Quartal des Jahres 2025 fünf Prozent weniger Kohle verstromte – ein Hinweis, dass der jahrzehntelange Anstieg bei den globalen Treibhausgasen nun enden könnte und damit das "endlose Wachstum bei der Nutzung von fossilen Treibstoffen".

Dass womöglich gerade ein Kipppunkt erreicht wird, aber ein positiver.

Auch für Kalifornien war 2024 ein Schlüsseljahr. An vielen Tagen des Jahres deckten die erneuerbaren Energien den größten Teil des gesamten Strombedarfs, sodass gegenüber dem Vorjahr der Gasverbrauch für Strom um ein Viertel einbrach.

Hollywood-verdächtig

Es hätte ausnahmsweise mal ein richtiges Wohlfühlbuch werden können. Doch dann kam der 5. November 2024. Dann kam Donald Trump.

Er beendete die gesamte staatliche Förderung für die Windenergie, beschleunigte die Ausbeutung von Öl- und Gaslagerstätten und zwang andere Staaten, das gefrackte US-Flüssigerdgas abzunehmen. Und verkündete, aus dem Pariser Klimavertrag auszusteigen.

Der Begriff "Klimawandel" kam auf den Index, Kohlendioxid galt nicht länger als Luftschadstoff und langjährige Beobachtungsreihen des CO2-Ausstoßes wurden eingestellt. Den Klimawandel gibt es in der Welt von Donald Trump einfach nicht.

Das Buch

Bill McKibben: Here Comes the Sun. A Last Chance for the Climate and a Fresh Chance for Civilization. W. W. Norton, New York 2025. 224 Seiten, 19,99 USD

"In wahrer Hollywood-Manier ereignen sich unsere Befreiung und unsere Zerstörung zu genau derselben Zeit, was uns vor eine bemerkenswerte Wahl stellt", schreibt McKibben.

Nicht zuletzt dieses verrückte Spannungsfeld macht das Buch von Bill McKibben so lesenswert. Es führt die Leser durch die Solar-Revolution, von ihren Ursprüngen bis heute.

Überraschend oft kommt der Autor dabei auf Deutschland zu sprechen, nicht nur, wenn es um die "Dunkelflaute" geht, ein Begriff, der es ins Englische geschafft hat, sondern auch, wenn es darum geht zu zeigen, was möglich ist: Erneuerbare-Energien-Gesetz, Balkonkraftwerke und die weltweit meisten Photovoltaik-Anlagen pro Kopf in einem wohlgemerkt eher sonnenarmen Land.

Aber auch den Siegeszug und die neuen Möglichkeiten durch Solaranlagen in den Entwicklungsländern beleuchtet McKibben.

Daneben widmet er sich der Entzauberung einer Reihe von Mythen über erneuerbare Energien und speziell der Solarenergie: Etwa, dass wir uns diese nicht leisten können oder zumindest die Ärmeren nicht. Oder dass die Flächen oder die Rohstoffe wie Lithium oder seltene Erden für die Energiewende nicht ausreichten.

 

Am Ende kommt der Klimaaktivist auf den Klimaaktivismus zu sprechen und fordert einen neuen Fokus. "Heute leben wir in einer anderen Welt – einer Welt, in der die wirtschaftliche Dynamik zu unseren Gunsten wirkt."

Und das bedeute, dass Klimaaktivisten lernen müssten, nicht mehr nur "nein" zu sagen, sondern auch "ja". McKibben hat diese Wende selbst vollzogen – mit seiner Sammlung von Erfolgsgeschichten.