Länder wie Frankreich, Spanien oder Belgien schützen ihre Bevölkerung systematischer vor hohen Temperaturen als Deutschland. Die Beispiele zeigen auch: Klimaanlagen schaffen keinen Hitzeschutz in der Breite.
In der Klimakrise geraten auch Straßen und Autobahnen unter Druck, wie die jüngste Hitzewelle zeigte. Die Bestandserhaltung wird künftig noch teurer werden. Experten warnen vor weiteren Neubauprojekten.
"Aktuell wären wir für eine Flut wie 2021 nicht gewappnet"
Eveline Lemke hatte schon vor der verheerenden Ahrtal-Flut ein Haus durch Extremwetter verloren. Seit fünf Jahren bewegt sie die Frage, was jetzt zu tun ist, damit wir gesellschaftlich besser auf kommende Krisen und Katastrophen vorbereitet sind.
Lässt sich aus der Hitzewelle politische Energie ziehen?
Die Realität der Klimakrise erteilt allzu naiven Hoffnungen eine Absage, Klimafolgen würden die Menschen politisch aufrütteln, wenn sie in ihrem Alltag spürbar werden. Für den Staat ist Hitzeschutz bislang ohnehin vor allem eine Sache der Eigenverantwortung.
Für Hitzeschutz nicht zuständig, für schwächeres Umweltrecht schon
Die Ausgestaltung eines nationalen Hitzeaktionsplans zu prüfen, kündigte Bundesumweltminister Carsten Schneider Mitte Juni an. Tage später erklärt er sich für nicht zuständig beim Hitzeschutz. Wichtiger ist seinem Haus offenbar eine vermeintliche Modernisierung des Umweltrechts.
El Niño hat offiziell begonnen. Das Wetterphänomen beeinflusst Niederschläge und Temperaturen rund um den Globus und könnte in den kommenden Monaten Dürren, Überschwemmungen und Ernteausfälle verschärfen. Besonders groß ist die Sorge derzeit in den Pazifikstaaten.
Deutschland ist auf die Folgen extremer Hitze gerade für gefährdete Menschen schlecht vorbereitet, kritisieren Organisationen der Zivilgesellschaft. Das Umweltministerium baut auf Leitfäden, natürlichen Klimaschutz – und hofft auf frisches Geld im Bundeshaushalt.
Entgegen der dringend nötigen Klimaanpassung verlieren die deutschen Städte an Baumbestand und versiegeln mehr Flächen, zeigt der neue Hitzecheck der Deutschen Umwelthilfe. Die Organisation fordert, Baumschutz müsse vor Baurecht gehen.
Der Geograf Rüdiger Glaser schildert in seinem Buch "Klimadämmerung" die Veränderungen des Klimas in Deutschland von der Kleinen Eiszeit bis in die neue Warmzeit. Er beschreibt auch, wie sich die Lebensbedingungen der Menschen wandeln – und wie sie darauf reagieren.
Nach der Flut kommt die Hitze und nach der Hitze wieder das Wasser. Aus immer dichter aufeinanderfolgenden Extremen wird eine neue Normalität in Pakistan – eine Normalität, in der der Mensch zunehmend keinen Platz mehr hat. Ein Vor-Ort-Bericht.
Die Stadt sollen hunderttausende neue Bäume bekommen. Der Start des Projekts ist holprig. Dabei ist ein großer, gut gepflegter Baumbestand die beste Klimaanlage einer Stadt.
Deutschland wird kein afrikanisches Klima bekommen, sagt der Dürre-Experte Andreas Marx. Dennoch bedeute der Klimawandel viel Stress, vor allem für die Forsten und Wälder. Sommerliches Wassersparen sei eher bei der Industrie sinnvoll.
Bis zu 19 Milliarden Euro müssten Kommunen jährlich in Klimaschutz investieren. Doch tatsächlich ist es nur ein Bruchteil. Eine Studie zeigt: Vor allem komplizierte Förderstrukturen und bürokratische Hürden bremsen den Klimaschutz vor Ort aus.
Schuldenpaket zweckentfremdet, Lücke zum Klimaziel 2030 wächst, Förderstopp für Anpassung
Aus dem Sondervermögen für Klima und Infrastruktur stopft die Regierung Haushaltslöcher. Die CO2-Emissionen stagnieren, damit wird die Lücke zum Klimaziel für 2030 größer. Wohlfahrtsverbände fordern Geld für Klimaanpassung aus dem Schuldenpaket.
Zu wenig Klimaanpassung in der EU, Kritik am Infrastruktur-Zukunftsgesetz, durstige Plug-in-Hybride
Der EU-Klimabeirat fordert mehr Anstrengungen zur Klimaanpassung. Der beschleunigte Infrastrukturausbau, den die Bundesregierung plant, geht auf Kosten von Umwelt und Natur. Plug-in-Hybride verbrauchen noch mehr Sprit als bislang gedacht.
Nach dem tagelangen Stromausfall im Januar in Berlin fragt sich auch die Energiebranche, wie das Stromsystem widerstandsfähiger werden kann. Dafür lässt sich die ohnehin kommende Dezentralität nutzen, meint das Akademienprojekt Esys.
Ohne Wumms: Die EU auf der Weltklimakonferenz in Brasilien
Will die EU ihren Führungsanspruch beim Klimaschutz erneuern, muss sie ihren Ansatz zur internationalen Klimafinanzierung überdenken. Europa sollte den Partnerländern entgegenkommen, Emissionsvermeidung und Klimaanpassung als Paket behandeln und nicht gegeneinander ausspielen.
ein Gastbeitrag von Steffen Bauer, Svea Koch,Mariya Aleksandrova