Schwarz-rote Bremsspur beim Klima, Gewinn aus schwankenden Preisen und Reiches faktischer Skandal
Kalenderwoche 39: Gaskraftwerke machten Strom günstiger – diese Behauptung der Wirtschaftsministerin ist falsch, sagt Matthias Willenbacher, Gründer der nachhaltigen Investing-Plattform Wiwin und Mitglied im Klimareporter°-Herausgeberrat. Mit CO2-Zertifikaten und Investitionen koste neuer Gasstrom mit 10 bis 20 Cent je Kilowattstunde schnell bis zum Doppelten von Strom aus Wind, Sonne und Batterien.
Bei der UN-Generalversammlung zeigt sich, dass die Länder beim CO2-Sparen nachlegen müssen. Gerade große Emittenten wie die EU, China und Indien bleiben bei ihren Klimaplänen säumig.
"Es geht um eine soziale Klimapolitik und eine klimaresiliente Sozialpolitik"
Bei der gegenwärtigen Bundesregierung besteht zum ersten Mal die Gefahr klimapolitischer Rückschritte, warnt Brigitte Knopf vom Thinktank Zukunft Klimasozial. Wie die mögliche Klima-Wendung sich realisiert, ist für das ehemalige Mitglied des Klimarats noch offen. Teil 2 des Interviews.
"Der Expertenrat überwacht letztlich die Selbstbindung der Politik"
Deutschland hat die langfristigen Ziele bei der CO2-Reduktion nach 2030 nicht im Visier, kritisiert Brigitte Knopf, ehemaliges Mitglied im Klimarat. Mit den aktuellen Maßnahmen werde weder das Klimaziel für 2040 noch Klimaneutralität 2045 erreicht. Teil 1 des Interviews.
Um Demokratie und Umweltkrise geht es bei einem Symposium der Wissenschaftlervereinigung VDW am 25. September, das den Klimaforscher Hartmut Graßl ehrt. Sein Kollege Mojib Latif erläutert im Interview, was Graßl und seine Arbeit auszeichnet.
Stecken in Klimaschutz und Energiewende Chancen für die Demokratie?
Bei den Grundhaltungen zum Klimaschutz herrscht in Deutschland und Europa eine große Übereinstimmung – Unterschiede entstehen, wenn es um das konkrete "Wie" geht. Darüber ist zu reden und zuzuhören.
Politik gegen Physik: Trumps Klima-Feldzug geht weiter
Die Trump-Regierung will die rechtliche Basis für zahlreiche Klimagesetze in den USA kippen. Ein umstrittener Regierungsbericht stellt die Wissenschaft infrage – Expert:innen kritisieren massive Fehler und einen "wirklich erschreckenden" Umgang mit Forschungsergebnissen.
Angepasste Klimaschuldner, Ausfall der Waldsenke und leichte Entwarnung bei Methan
Kalenderwoche 35: Die Länder, die im Klimawandel noch günstige Bedingungen bieten, erreichten dies durch exzessive fossile Nutzung und somit massive Ungerechtigkeiten gegenüber anderen Weltregionen, erklärt Hartmut Graßl, Physiker und Meteorologe und Mitglied des Herausgeberrats von Klimareporter°. Ihre globale Klimaschuld diskutieren die angepassten Länder aber kaum.
Klimafonds zweckentfremdet, Bauturbo in der Kritik, Forscher warnen vor Golfstrom-Kollaps
Finanzminister Klingbeil will versäumten Klimaschutz mit Geld aus dem Klimafonds kompensieren. Architekt:innen, Umwelt- und Sozialverbände warnen vor dem "Bauturbo". Der Golfstrom ist deutlich instabiler als angenommen.
Auch weil Klimaschutz gerade wenig Konjunktur hat, lässt sich Erdgas mit einer stark verzerrten Kostendebatte gut vorantreiben, sagt Energiewendeforscher Volker Quaschning. Dem "Realitäts-Check" der Bundesregierung stellt er eine andere Betrachtung entgegen.
Energie-Geist zum Gruseln, Biomasse für sichere Versorgung und Wissenschaft als Randnotiz
Kalenderwoche 34: Die Zukunft unserer Kinder, der Bürgerinnen und Bürger und die Energiewende verdienen nicht, im Namen eines "Realitätschecks" ausgebremst zu werden, sagt Sebastian Sladek, Vorstand der Elektrizitätswerke Schönau (EWS) und Mitglied im Herausgeberrat von Klimareporter°. Wärmepumpen ließen sich für ihn effizienter und sozial gerechter fördern.
Das Potsdam-Institut zeigt, wie Investitionen in die Energiewende und solide Staatsfinanzen dank einer "grün-goldenen Regel" miteinander vereinbar sind. Das könnte den Klimaschutz aus der kurzfristigen Logik der Haushaltsdebatten befreien.
Verbuddeltes Klimaproblem, verursacherfreier Plastikmüll und die "Losverfahrendemokratie"
Kalenderwoche 32: Durch den herrschenden "progressiven Neoliberalismus" werden die systemischen Ursachen für die Klimakrise noch immer verdrängt, sagt Michael Müller, SPD-Vordenker und Mitglied des Herausgeberrats von Klimareporter°. Er kritisiert die schleichende Normalisierung hin zur AfD, die auch in den Medien stattfinde.
Kurz nachdem der Internationale Gerichtshof das 1,5-Grad-Ziel zur Pflicht für alle Staaten erklärt hat, beschließt die Bundesregierung einen Haushalt mit deutlich weniger Klimaschutz. Ein fatales Signal, auch international.
Der Bundeshaushalt klettert kommendes Jahr laut Regierungsentwurf auf über 520 Milliarden Euro. Anders als Verteidigung und Inneres sitzt der Klimaschutz künftig ziemlich auf dem Trockenen.
Schröder, Merkel, Scholz und Merz: Zwei versprachen Klimaschutz und lieferten nicht, bei einem war es praktisch umgekehrt, nun kommt eine neue Variante. Die Hoffnung stirbt zuletzt.
Transformation zum Erdgas, Irrlichterei mit "Lex Sauerland" und stromlinienförmige Schleimigkeit
Kalenderwoche 27: Statt den Preisunterschied von Strom und Erdgas zu verringern, subventioniert die Regierung fossile Energien und bremst die Wärmewende aus, kritisiert Sebastian Sladek, Vorstand der Elektrizitätswerke Schönau (EWS) und Mitglied im Herausgeberrat von Klimareporter°. Gegen den Anti-Klima-Zeitgeist empfiehlt er kreatives Rebellentum.
In den letzten drei Jahrzehnten war meist anderes politisch wichtiger als Klimaschutz – damit hatte eine engagierte Klimapolitik immer zu leben. Doch vermutlich hatte sie noch nie so einen schlechten Stand wie heute.
Sicherheit und Klimaschutz, Lulas Duftmarke und 30 Jahre alte Waldspeicher
Kalenderwoche 26: Die Nähe der Unionsparteien zur fossilen Lobby schwächt den Klimaschutz in Deutschland, sagt Hartmut Graßl, Physiker und Meteorologe und Mitglied des Herausgeberrats von Klimareporter°. Dämpfend wirkten dabei nur die EU und die von den Grünen erreichte Änderung des Grundgesetzes.
Der Klima- und Transformationsfonds soll laut schwarz-roter Haushaltsplanung künftig die Gasspeicher-Umlage begleichen. Umwelt- und Sozialverbände kritisieren auch, dass im Gesetz zum Infrastruktur-Sondervermögen fossile Projekte nicht ausgeschlossen werden.