Das 1,5-Grad-Limit einzuhalten bedeutet für die Landnutzung in Deutschland: Jährlich müssen mindestens 50.000 Hektar Moorböden wiedervernässt werden – eine Fläche so groß wie der Bodensee. In ihrer Dimension ist diese Aufgabe mit dem Kohleausstieg vergleichbar.
ein Gastbeitrag von Jan Peters,Franziska Tanneberger
Trotz der Belastungen des Bundeshaushalts durch Krieg und Energiepreiskrise sollen in den nächsten vier Jahren vier Milliarden Euro zusätzlich für Maßnahmen zum natürlichen Klimaschutz aufgebracht werden. Das kündigte Umweltministein Lemke am Montag auf einer Tagung zum Moorschutz an.
Im Koalitionsvertrag der Ampel-Regierung tauchen einige interessante naturbasierte Politikelemente auf. Diese gilt es nun in ein überzeugendes Konzept einer konsistenten klimapolitischen Doppelstrategie einzubauen. Teil 3 des Gastbeitrags.
Mit mehr Doppelnutzung von Flächen und Beteiligungsrechten der Kommunen wollen Wirtschafts-, Umwelt- und Agrarministerium den Ausbau und die Akzeptanz der Freiflächen-Photovoltaik voranbringen. Die drei grün geführten Ressorts legten dazu heute ein Eckpunkte-Papier vor.
Nachdem die gemeinsame Moorschutzstrategie mit dem Umweltministerium gescheitert ist, wollte Agrarministerin Julia Klöckner mit der Bund-Länder-Zielvereinbarung demonstrieren, dass sie beim Moorschutz doch auf der richtigen Seite steht. Aber ausgerechnet ihre CDU-Kollegin in Niedersachsen stellte sich quer.
Die Umweltpolitik der schwarz-roten Bundesregierung endet symbolträchtig: Allein auf weiter Flur legt das Umweltministerium heute eine nationale Moorschutzstrategie vor. Das Papier liest sich, wie man es aus dem Hause Schulze gewöhnt ist: Viele gute Ziele, wenig konkrete Vorgaben.
Deutsche Klimapolitik live: Eine Moorschutzstrategie scheitert in der Bundesregierung – private Stiftungen starten in Brandenburg eine Moorschutz-Initiative. Umweltministerin Schulze will den Moorschutz im Kabinett vorerst allein weiterverfolgen.
Natürliche Senken wie Moore bekommen mit der neuen deutschen Klimaneutralität für 2045 einen ganz anderen Wert. Das passt es eigentlich gut, dass die Regierung ihre Moorschutzstrategie ohnehin noch vor dem Ende der Legislatur überarbeiten muss – laut Koalitionsvertrag.
Moorbrand verhagelt Emissionsbilanz des deutschen Militärs
Ein Raketentest für die Bundeswehr im Emsland verursachte 2018 einen Moorbrand. Damals versprach das Verteidigungsministerium, den enormen Treibhausgasausstoß auszugleichen. Inzwischen will das Ministerium davon nichts mehr wissen – und von den Emissionen auch nicht.
Frühlingszeit, Pflanzzeit: Viele wissen nicht, dass für viele handelsübliche Blumenerden noch immer Moore zerstört werden. Das ist extrem klimaschädlich, aber leicht vermeidbar. Im Auftrag des Agrarministeriums klärt eine Fachagentur auf.
Die Förderung von Trinkwasser setzt die Moore in Berlin unter Druck, sie drohen wegen sinkender Wasserstände zu degradieren. Deshalb wollen die Berliner Wasserbetriebe den verlandeten Barssee zwei Jahre lang mit eigens aufbereitetem Wasser beregnen.
Fast alle Moore Europas sind durch Eingriffe des Menschen beeinträchtigt. Der Klimawandel verstärkt den Druck auf die CO2-reichen Ökosysteme noch. Neueste Forschungsergebnisse zeigen: Beim Moorschutz und beim Klimaschutz ist der Handlungsdruck größer als angenommen.
Auch mit einem naturverträglichen Klimaschutz lässt sich bis 2050 Klimaneutralität erreichen. Das schließt der Naturschutzbund aus einer Studie, mit der er das Wuppertal-Institut beauftragt hatte. Doch das Gutachten wirft am Ende einige Fragen mehr auf, als es beantwortet.
Trockengelegte Moore zu renaturieren kann viele Treibhausgase verhindern. Die Wiedervernässung von Torfböden wird deshalb als vielversprechende Klimaschutzmaßnahme gehandelt. Allerdings könnte der Klimawandel den Umweltschützern einen Strich durch die Rechnung machen.
Die Bundeswehr hat einen Moorbrand im Emsland verursacht und kann ihn nicht stoppen. Das wirft auch ein Licht auf den klimapolitisch fatalen Umgang mit Mooren in Deutschland.
Mehr als ein Drittel der weltweiten Feuchtgebiete ging seit 1970 verloren – und die Verlustraten wachsen, zeigt ein Bericht über den Zustand der Feuchtgebiete.