"Das Gleichsetzen von Fliegen mit Urlaub ist faktenfremd"
Eine Debatte, wie der Flugverkehr künftig sinnvoll und sozial gerecht zu gestalten ist, mahnt Luftverkehrsexpertin Anja Köhne von Germanwatch an. Die Politik sorge sich nur um die von Kerosinpreisen Betroffenen – nicht um Familien, die sich erst gar keinen Urlaub leisten können.
Neue Gasheizungen sind nun per Gesetz unwirtschaftlich
Der Kompromiss zum "Heizungsgesetz" dient dem Schutz von Wohnungsmietern und wirkt im Sinne des Klimaschutzes abschreckend. Nicht-vermietenden Wohnungseigentümern bleibt die Freiheit zur Selbstschädigung. Dass aber der Mietmarkt für Gewerbeimmobilien anders als vereinbart ausgelassen wird, ist skandalös.
Vorausschauende Klimasozialpolitik erkennt soziale Belastungen frühzeitig und bezieht sie systematisch in Politikgestaltung und Kommunikation ein. Sie ist ein Gegenentwurf zu regressiver Klimapolitik, die soziale Ängste gegen Klimaschutz in Stellung bringt, ohne sie aufzulösen – wie jetzt wieder in der Debatte um das neue Gebäudegesetz.
ein Gastbeitrag von Torben Fischer, Philip Rathgeb, Leonce Röth, Maike Wittmann
Die Warnung vor dem "Teuer-Heizen-Gesetz" ist derzeit ein beliebter Frame in Verbänden und der grünen Politik. Der gewollte Ausstieg aus der Erdgasnutzung ist aber nicht vordergründig eine Frage des Preises. Entscheidend fürs Klima ist der Stopp fossiler CO2-Emissionen.
"Die Regierung sorgt beim Klimaschutz für Polarisierung"
Gerade jetzt in der Energiekrise besteht die Chance, den fossilen Kapitalstock zu verringern, sagt Lisa Badum, klimapolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag. Von Umweltminister Schneider erwartet sie mehr Einsatz für einen sozialen Klimaschutz, etwa für ein preiswertes Deutschlandticket.
Der SPD-Umweltexperte Michael Müller fordert eine Bremse bei den Militärausgaben, damit der sozial-ökologische Umbau weitergehen kann. Bleibe es bei der geplanten Steigerung, müssten sich Klimaschutz, Soziales, Wissenschaft und Bildung um den kleiner werdenden Rest streiten.
Kettensäge der Zukunft, Klimaschutz als Kriseneffekt und die "Kriegstüchtigkeit"
Kalenderwoche 12: Angesichts von Aufrüstung und geopolitischen Spannungen wird Klimapolitik in Deutschland wie international immer schwieriger, beklagt Michael Müller, SPD-Vordenker und Mitglied des Herausgeberrats von Klimareporter°. Auch dürfe Klimaschutz im Interesse ärmerer Menschen nicht der Effekt einer Krise sein.
Damit die Klimabewegung nicht scheitert, muss sie Offenheit zeigen für Menschen, die anders reden und handeln als sie selbst. Statt moralischen Perfektionismus braucht es eine Kultur der Vielfalt über Geschlechterrollen und Hautfarben hinaus.
Polarisierte Debatte, stabile Mehrheiten: Wie die Bevölkerung auf Klimaschutz blickt
Verschiedene politische Initiativen versuchen, erreichte klimapolitische Erfolge abzuschwächen und rückgängig zu machen. Doch was denken die Leute im Land über nachhaltige Transformation und Klimaschutz? Eine Befragung erbrachte teils unerwartete Ergebnisse.
Mehr Empathie für die Transformations-Sorgen der Normalbevölkerung wünscht sich Reinhard Loske von Grünen und Umweltschützern. Der Umweltexperte über Elon Musks Visionen, das Öko-Rollback trotz eskalierender Umweltkrise – und die Chancen für eine echte Wende.
Deutschlands Weg zur Klimaneutralität im Jahr 2045 wird holpriger, doch er ist nicht aussichtslos, zeigt eine Untersuchung der Universität Hamburg. Nötig seien jetzt neue gesellschaftliche Bündnisse.
Klimapolitik ist nur erfolgreich, wenn Menschen mit wenig Geld dabei gewinnen und nicht verlieren, sagt Brigitte Knopf. Die Klima- und Sozialexpertin über das neue Heizungsgesetz, die E‑Auto-Förderung und das Image der Transformationspolitik.
Die Planung der Städte und Gemeinden für künftige Fernwärmenetze kommt voran. Trotzdem erhalten viele Hausbesitzer:innen und Mieter:innen keine ausreichenden Informationen. Auch eine soziale Schieflage ergab die Untersuchung von 15 Kommunen.
Wie es ums Auto steht – oder was passiert, wenn 700 Parkplätze verschwinden
Der Graefekiez in Berlin zeigt als städtischer Verdichtungsraum: Verzicht auf ein privates Fahrzeug wird als Gewinn betrachtet. In anderen für Deutschland typischen Räumen bleibt das Umsteigen auf andere Verkehrsmittel schwierig.
Bei 35 Grad am Traumstrand: Wo bleibt da noch die Selbstentfaltung?
Der Soziologe Philipp Staab beschreibt, wie der Klimawandel unsere Gesellschaft in eine Systemkrise geführt hat und warum der grüne Kapitalismus als Lösung bei vielen nicht verfängt.
Der zentrale Klimaschutz-Fördertopf der Bundesregierung – der Klima- und Transformationsfonds – hat eine soziale Schlagseite, zeigt die Analyse eines Thinktanks. Haushalte mit niedrigen und mittleren Einkommen haben bisher kaum von den Geldern profitiert.
"Es braucht eine demokratische Kultur, die Hoffnung trägt"
Klimapolitik muss zuerst eine Vision vom guten Leben liefern, sagt der Philosoph Jakob Huber. Mit echter demokratischer Teilhabe statt Expertenherrschaft lasse sich die Umweltdebatte wieder vom Kopf auf die Füße stellen.
Bundesregierung sägt am Verbrenner-Aus, Greentech boomt, Klimapolitik geht nur sozial
Schwarz-Rot will das Auslaufdatum für Diesel- und Benzin-Autos kippen. Umwelt-Technologien boomen, aber nicht mehr so sehr in Europa. Die Klimakrise ist eine Gerechtigkeitsfrage, zeigt der Armuts- und Reichtumsbericht.
Fachleute von der TU München und dem Heidelberger Ifeu-Institut schlagen ein neues Konzept zur energetischen Sanierung von Altbauten vor. Angepasste Standards und Förderregeln sollen den Gebäude-Klimaschutz effizienter und sozial gerechter machen.
Kate Cahoon von der Klimaschutz-Organisation 350.org über den Zusammenhang von Klimawandel und Superreichtum, strategische Fehler der Klimabewegung und neue Allianzen.