Toll, diese Kernfusion. Meint zumindest Friedrich Merz. Sind die Fusionskraftwerke erstmal da, wird der Strom so günstig, "dass es keine anderen Erzeugungsmethoden mehr braucht", glaubt der Bundeskanzler.
Dann können die hässlichen Windkraftanlagen weg, Solarmodule und Biogas-Anlagen braucht es auch nicht mehr. Das waren dann nur "Übergangstechnologien", bis die CO2-freie Fusion uns von allen Energiesorgen befreit. Schöne neue Welt.
Schöne neue Welt? Seit etwa sieben Jahrzehnten versprechen Anhänger der Kernfusion, bald werde der Durchbruch gelingen. Es ist ja auch eine zu schöne Vorstellung, man könne die Kraft, die die Sonne bei 15 Millionen Grad Kerntemperatur zum Leuchten bringt, hier bei uns auf der Erde nutzen.
Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin hat die Fusionslandschaft aktuell unter die Lupe genommen und festgestellt: Trotz jahrzehntelanger öffentlicher Investitionen in die Grundlagenforschung ist die Nutzung zur Energieproduktion nicht näher gerückt.
Mit anderen Worten: Wer da weiter viel Geld reinsteckt, muss sich das wirklich gut überlegen.
Vielleicht 2040 oder 2050
Unsere Bundesregierung jedenfalls treiben solche Bedenken nicht um. Sie hat in ihrem Koalitionsvertrag das Ziel ausgegeben, in Deutschland den ersten funktionstüchtigen Fusionsreaktor der Welt ans Netz zu bringen.
Rund 2,7 Milliarden Euro an Forschungsgeldern steckt sie in den Sektor. Sie lässt sich nicht davon irremachen, dass seit vielen Jahrzehnten weltweit und auch hierzulande enorme Summen in die Fusion geflossen sind, ohne dass man über die Grundlagenforschung hinausgekommen ist.
Sie mag sich dadurch bestätigt fühlen, dass inzwischen ein regelrechter Hype um die Technik ausgebrochen ist. Allein in Deutschland gibt es vier Start-ups, zwei in Bayern, zwei in Hessen, die Geld dafür einsammeln konnten. Eines davon, Marvel Fusion in München, verspricht ein kommerzielles Kraftwerk bereits für Mitte der 2030er Jahre.
Joachim Wille ist Co-Chefredakteur des Online-Magazins Klimareporter°.
Passiert das wirklich, ist es eine Sensation. Dafür gibts dann den Nobelpreis. Das DIW jedenfalls rechnet damit, dass die Fusion vielleicht 2040 oder 2050 kommt.
Dann sind wir mit der Energiewende mit Solar- und Windkraft, Speichern und flexibler Stromnutzung freilich sehr weit. Die neue Technologie müsste dann enorme Kosten- und Umweltvorteile und auch Lösungen für den entstehenden schwach und mittelradioaktiven Abfall bringen, um noch Fuß zu fassen.
Darauf sollte auch Friedrich Merz sich nicht verlassen.

Dennoch ist sie für den Finanzkapitalisten Merz diese Technologie attraktiv. Sie schafft riesigen Kapitalbedarf und einen gewaltigen Zulieferungsindustriekosmos im Hightech-Bereich, in dem sich fast nur Konzerne tummeln. Das verspricht jede Menge Wertschöpfung, nicht zuletzt auch fürs Finanzkapital.