Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) übergibt den Förderbescheid für die Produktion von "grünen" Flugkraftstoffen. Neben ihr der Chef eines Unternehmens, das in Kürze abgewickelt wird. Ganz rechts Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD). (Bild: Angela Regenbrecht/Enertrag)

Einen Förderbescheid über knapp 350 Millionen Euro übergab Katherina Reiche symbolisch am 11. Mai für den Bau einer E‑Fuels-Produktionsanlage für nachhaltige Flugkraftstoffe an der Ölraffinerie PCK Schwedt in Brandenburg. Neben der Bundeswirtschaftsministerin stand Jan Toschka, Chef des Unternehmens Zaffra, das wenige Wochen später abgewickelt werden sollte. Es ist nicht die einzige Frage, die sich bei diesem Projekt stellt, das Hoffnung für eine nachhaltige Zukunft der Ölraffinerie an der Oder schaffen soll.

Die Geschichte des Projekts begann vor mehreren Jahren. 2021 kündigte das Unternehmen Enertrag ein Projekt mit dem Namen "Concrete Chemicals" an. Geplant war zunächst, CO2-Emissionen aus einem Zementwerk des Konzerns Cemex in Rüdersdorf östlich von Berlin abzufangen und daraus mithilfe von Wasserstoff chemische Rohstoffe und Treibstoffe herzustellen.

Enertrag ist vor allem als Betreiber von Windparks bekannt. Doch das Unternehmen gehört auch zu den frühen Pionieren bei der Produktion von grünem Wasserstoff. Bereits 2011 nahm das Unternehmen bei seinem Hauptsitz im brandenburgischen Prenzlau einen Elektrolyseur zur Erzeugung von grünem Wasserstoff aus überschüssigem Windstrom in Betrieb.

In den frühen 2020ern wurde Wasserstoff zum Hypethema in Deutschland und der Europäischen Union. In dieser Zeit begann Enertrag, eine Reihe weiterer wasserstoffbasierter Projekte zu planen, darunter das Projekt in Rüdersdorf. Die Idee, aus Kohlendioxid und Wasserstoff Treibstoffe oder Chemikalien herzustellen, ist als Carbon Capture and Utilization (CCU) bekannt. Bei so erzeugten Treibstoffen spricht man auch von E‑Fuels.

Pläne mit Zementwerk bei Berlin wurden aufgegeben

Solche E‑Fuels sind Gegenstand zahlreicher Kontroversen. Die Umwandlung von Strom zunächst in Wasserstoff und dann in langkettige Kohlenstoffmoleküle sowie eine anschließende Verbrennung sind extrem verlustbehaftet und ineffizient. Damit E‑Fuels klimafreundlich sein können, muss der Strom aus erneuerbaren Energien stammen. Doch selbst wenn das der Fall ist, stellt sich die Frage, ob der grüne Strom an anderer Stelle nicht einen größeren Klimaschutzeffekt hätte.

Bei einem Projekt wie dem von Enertrag geplanten stellt sich zudem die Frage nach der Gesamtklimabilanz. Kohlendioxid aus einem Zementwerk entsteht vor allem durch die Umwandlung von Kalziumcarbonat aus Kalkstein zu Kalziumoxid.

Das Zementwerk Rüdersdorf bei Berlin soll bald mit CO2-Abscheidung arbeiten. (Bild: Zavijava/​Wikimedia Commons)

Wird dieses Kohlendioxid anschließend zu E‑Fuels umgewandelt und werden diese verbrannt, landet der vorher geologisch gebundene Kohlenstoff weiterhin als Kohlendioxid in der Atmosphäre. In der Gesamtbilanz ist damit maximal eine Emissionsreduktion um etwa die Hälfte möglich – klimaneutral ist etwas anderes.

Cemex plant inzwischen in einem Projekt namens Co2llect, die Emissionen des Zementwerks abzuscheiden und unterirdisch zu lagern, was als Carbon Capture and Storage (CCS) bezeichnet wird.

Denkbar wäre eine Kombination gewesen, bei der der Anteil an geologischen und fossilen Emissionen der Zementproduktion mittels CCS unterirdisch gelagert und – beim Einsatz von biologischen Brennstoffen – der biologische Anteil des CO2 für die Produktion von E‑Fuels und Chemikalien genutzt wird.

Letztendlich nahm das Projekt jedoch einen anderen Weg und wird jetzt an einem neuen Standort mit einer anderen CO2-Quelle geplant.

Biogenes CO2 aus Schwedter Papierfabrik

Im Januar 2026 wurde bekanntgegeben, dass das Projekt nicht mehr in Rüdersdorf, sondern an der Raffinerie PCK in Schwedt realisiert werden soll. Später folgte auch ein neuer Projektname, aus "Concrete Chemicals" wurde "Brandenburg eSAF". Als Partner hinzu kam die Firma Leipa, die in Schwedt eine Papierfabrik betreibt.

Bei der Produktion von Papier werden Reststoffe häufig verbrannt, um Prozessenergie zu gewinnen, so auch in Schwedt. Auf dem Gelände von Leipa befindet sich ein Kraftwerk, in dem Prozessdampf gewonnen wird. Da das hierbei entstehende CO2 aus der Verbrennung biologischer Reststoffe stammt, gilt dies als klimaneutral. Ob das tatsächlich so ist, hängt allerdings von der Herkunft des verwendeten Holzes ab und davon, ob die dabei betriebene Forstwirtschaft nachhaltig ist und nicht zu dauerhaften Kohlenstoffverlusten des Waldes führt.

Laut der Ankündigung von Enertrag sollen in der Anlage später 30.000 Tonnen Kerosin und 7.000 Tonnen Naphtha, das als Rohstoff in der chemischen Industrie verwendet werden kann, hergestellt werden.

Insgesamt produziert die Raffinerie Schwedt etwa 300.000 Tonnen Kerosin im Jahr. Das Projekt von Enertrag würde also, wenn es denn realisiert wird, ein Zehntel davon ersetzen.

Die Zukunft von PCK ist in der Landespolitik ein großes Thema

Die Ankündigung, dass bei der PCK-Raffinerie in Schwedt ein Projekt für grüne Flugkraftstoffe entstehen soll, dürfte für Brandenburgs Landesregierung erfreulich sein, denn wie es um die Zukunft der Raffinerie bestellt ist, ist in der Region seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine ein heißes Thema.

Die Raffinerie verarbeitete lange Zeit vor allem Öl aus Russland, das über die Pipeline Druschba (deutsch: Freundschaft) geliefert wurde. Hauptanteilseigner ist Rosneft Deutschland, ursprünglich ein Tochterunternehmen des russischen Rosneft-Konzerns. Das Unternehmen steht inzwischen unter Treuhandverwaltung des Bundes. Kein Geheimnis ist, dass manche in der Region und in Brandenburg nach wie vor darauf hoffen, dass die Öllieferungen aus Russland wiederaufgenommen werden, wenngleich das weder realistisch noch ethisch verantwortbar erscheint.

Schmucklose Einfahrt in ein Betriebsgelände mit Portal, Nebengebäude und gerader Fahrstraße, alles aus Beton.
Haupteingang zur PCK-Raffinerie in Schwedt/​Oder, die das Kerosin, die Kraftstoffe und das Heizöl für Berlin und Brandenburg produziert. (Bild: Sergey Kohl/​Shutterstock)

Wie es mit der Raffinerie langfristig in einer klimaneutralen Zukunft weitergehen soll, dafür gibt es bislang lediglich diffuse Pläne und kleinere Pilotprojekte. Insofern war die Meldung, dass Enertrag eine Anlage zur Produktion grüner Flugtreibstoffe in Schwedt plane, für die Landespolitik positiv. Wirtschaftsminister Daniel Keller (SPD) teilte im Januar mit, dadurch könne sich "für die PCK-Raffinerie ein Tor in die Zukunft öffnen".

Kurz nach der symbolischen Übergabe des Förderbescheids kamen jedoch erste Fragen auf. Neben der in Treuhandverwaltung befindlichen Rosneft Deutschland sind die Ölkonzerne Eni und Shell Anteilseigner der PCK-Raffinerie. Laut einem Bericht im Berliner Tagesspiegel von Ende Mai war noch unklar, ob die Flächen für den Bau der Anlage von den Eigentümern freigegeben werden.

Der Tagesspiegel-Bericht bezieht sich dabei auf eine Anfrage des Linken-Abgeordneten Christian Görke an die Bundesregierung. In der Antwort heißt es laut Bundestagsprotokoll: "Bei der PCK-Raffinerie muss eine Grundstückbereitstellung von den Gesellschaftern (Shell, Eni und Rosneft Deutschland) gebilligt werden. Die Bundesnetzagentur wird die Prüfung des Antrages von Rosneft Deutschland abschließen, sobald alle erforderlichen Dokumente vorliegen. Derzeit ist das noch nicht der Fall. Darüber hinaus liegen der Bundesregierung keine Erkenntnisse vor, ob andere Gesellschafter der PCK-Raffinerie bereits ihre Zustimmung gegeben haben."

Auf eine Nachfrage, ob diese Zustimmung inzwischen erteilt worden sei, antwortete Enertrag nicht.

Deutsche Fischer-Tropsch-Technologie aus Südafrika

Neben Enertrag war das Unternehmen Zaffra an "Brandenburg eSAF" beteiligt, ein Gemeinschaftsunternehmen des südafrikanischen Energiekonzerns Sasol und des dänischen Anlagenbauers Topsoe. Deren Technologien sollten eine wichtige Rolle spielen.

In Südafrika betreibt Sasol einige Anlagen, in denen aus Kohle Treibstoffe und Chemikalien hergestellt werden. Dafür kommen eine Kohlegasifizierung und ein Verfahren namens Fischer-Tropsch-Synthese zum Einsatz. Dass diese Technologie dort genutzt wird, hat historische Gründe.

Die Fischer-Tropsch-Technologie wurde in den 1920ern entwickelt und spielte in der Nazizeit eine wichtige Rolle. Das NS-Regime nutzte die Technologie, um aus der in Deutschland vorhandenen Kohle Treibstoffe herzustellen. Auch in der DDR wurden Fischer-Tropsch-Anlagen eingesetzt.

Die noch heute in Betrieb befindlichen Anlagen von Sasol in Südafrika sind ein Resultat des Apartheid-Regimes. Südafrika war zu dieser Zeit international isoliert und konnte durch die Nutzung eigener Kohle Ölimporte ersetzen.

Die größten Fischer-Tropsch-Syntheseanlagen stehen zurzeit in Südafrika. Dort werden sie genutzt, um aus Kohle Treibstoffe herzustellen. (Bild: Antimattermachine/​Wikimedia Commons)

Treibstoffe aus Kohle herzustellen ist mit hohen Emissionen verbunden und absolut nicht klimafreundlich. Aber genau diese Fischer-Tropsch-Technologie gilt als eine Möglichkeit, klimafreundliche Kraftstoffe herzustellen.

Die Fischer-Tropsch-Synthese ist allerdings nicht der einzige Weg, um aus CO2 Treibstoffe herzustellen. Eine Alternative, die viele andere Projekte verfolgen, ist die Synthese von Methanol als Zwischenschritt.

Die Idee, die Fischer-Tropsch-Synthese für grüne Kraftstoffe einzusetzen, ist nicht neu. Seit Jahrzehnten gibt es immer wieder Ankündigungen und Pläne, nicht nur aus CO2, sondern beispielsweise auch aus Abfällen oder Holz mittels Fischer-Tropsch-Prozess flüssige Kraftstoffe zu produzieren. Passiert ist es bislang in großem Stil nicht.

Bei der Kohlegasifizierung wird die Kohle zunächst in ein Synthesegas, ein Gemisch aus Kohlenmonoxid und Wasserstoff, umgewandelt. Daraus wird im Fischer-Tropsch-Prozess eine Form von Rohöl. Will man den gleichen Prozess stattdessen mit CO2 und Wasserstoff betreiben, ist ein weiterer Prozessschritt nötig, eine reverse Wassergas-Shift-Reaktion, kurz RWGS. Sie wandelt Kohlendioxid in Kohlenmonoxid um.

Diese beiden Technologieschritte waren die Basis der Zusammenarbeit von Sasol und dem Anlagenbauer Topsoe. Das Gemeinschaftsunternehmen Zaffra sollte die Technologie für nachhaltige Kraftstoffe bereitstellen, mit einer Fischer-Tropsch-Synthese von Sasol und einer von Topsoe entwickelten Technologie für die RWGS.

Am 26. Juni kündigten Topsoe und Sasol jedoch an, dass das Unternehmen Zaffra abgewickelt werden soll. Die genaue Motivation bleibt unklar. Sasol und Topsoe betonten, dass sie weiterhin gemeinsam die Entwicklung von nachhaltigen Flugkraftstoffen verfolgen wollten.

Enertrag will auch ohne Zaffra weitermachen

Bei Enertrag wurde man davon wohl überrascht. Unternehmenssprecher Michael Rassinger betonte im Gespräch, dass die beiden Unternehmen noch gemeinsam Anfang Juni bei der Luftfahrtmesse ILA in Schönefeld präsent gewesen seien und dort von einer Auflösung von Zaffra keine Rede gewesen sei.

Enertrag hofft allerdings, das Projekt trotz dieser ungeplanten Entwicklung weiterzuverfolgen. Man gehe weiterhin davon aus, "Brandenburg eSAF" zu realisieren, sagte Rassinger. Der Förderbescheid ist demnach weiterhin gültig, da er nicht an Enertrag und Zaffra, sondern an ein gemeinsam gegründetes Projektentwicklungs-Unternehmen ausgestellt wurde. Zudem plant das Unternehmen weiterhin, die Fischer-Tropsch-Technologie von Sasol einzusetzen.

 

Vom brandenburgischen Wirtschaftsministerium hieß es auf Anfrage: "Es gibt einen bestandskräftigen Zuwendungsbescheid. Es ist jetzt die Verantwortung der am Projekt beteiligten Unternehmen, hier nach einer Lösung zu suchen, wie das Projekt weiterhin und wie geplant umgesetzt werden kann."

"Grundsätzlich sind Gesellschafterwechsel im Rahmen einer Zuwendung möglich, sofern die neue Gesellschafterkonstellation die zuwendungsrechtlichen Anforderungen erfüllt. Wir sind hier in Gesprächen", teilte das Bundeswirtschaftsministerium mit. "Bei der Frage um Fördergeld handelt es sich um sensible Informationen. Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir diese Informationen nicht teilen. Im Rahmen einer solchen Zuwendung werden Fördermittel nur ausgezahlt, wenn der Zuwendungsempfänger neben der Erfüllung weiterer zuwendungsrechtlicher Anforderungen mögliche Rückforderungsansprüche absichert."

E‑Fuels sind für alle Verkehrsmittel teuer und ineffizient

Die Produktion von E‑Fuels ist vor allem deshalb umstritten, weil sie extrem ineffizient ist, und das in doppelter Weise. Jeder Prozessschritt bei der Produktion führt zu Energieverlusten. Dazu kommt die inhärente Ineffizienz von Verbrennungsmotoren: Ein Großteil der Energie geht als Abwärme verloren. Der effiziente Verbrennungsmotor schaffte es zwar bereits in Wahlprogramme, ist allerdings mit den Gesetzen der Physik nicht vereinbar.

Vor allem in Deutschland wird immer wieder über die Möglichkeit diskutiert, auch in Pkw E‑Fuels einzusetzen. Es ist allerdings weitgehend eine Phantomdiskussion. Weder werden E‑Fuels für Pkw in nennenswerten Mengen produziert, noch gibt es ernst zu nehmende Investitionen oder Pläne in diesem Bereich.

Allerdings vernahm man häufig die Position, dass E‑Fuels zwar in Sektoren, in denen eine Elektrifizierung möglich ist, wenig Sinn ergeben, aber dass sie für den Flug- und Schiffsverkehr auf langen Strecken unverzichtbar seien. Doch auch das wird zumindest in dieser naiven Form immer mehr infrage gestellt. Denn auch der Schiffs- und Flugverkehr kommt an den Gesetzen der Physik und den unvermeidbaren Ineffizienzen nicht vorbei.

E‑Kerosin kostet sieben- bis elfmal mehr als fossiles Kerosin

E‑Fuels wären vergleichsweise teuer, und für E‑Kerosin gilt das ganz besonders, da hier besonders viele Umwandlungsschritte nötig sind. In der Branche ist inzwischen die Rede davon, dass Abnahmeverträge für E‑Kerosin angeboten werden, die den sieben- bis elffachen Preis von fossilem Kerosin vorsehen. Vor einigen Jahren war man hier noch optimistischer.

Der hohe Energiebedarf bei der Produktion von E‑Fuels für den Flugverkehr spricht dafür, neben alternativen Kraftstoffen auf eine Reduktion des Flugverkehrs zu setzen. Zu diesem Schluss kommt etwa eine Studie von Wissenschaftlern der ETH Zürich aus dem Jahr 2023.

Der CO2-Kompensationsanbieter Atmosfair baute 2021 eine Pilotanlage für E‑Kerosin im niedersächsischen Werlte auf, die jedoch nicht den Durchbruch brachte. (Bild: Atmosfair)

Wenn man E‑Kerosin und andere sogenannte E‑SAFs nutzen will, stellt sich die Frage, wo für ihre Produktion ein geeigneter Standort wäre. Da sich Wasserstoff schlecht transportieren lässt, liegt es nahe, entsprechende Technologien dort aufzubauen, wo erneuerbare Energien reichlich vorhanden und besonders günstig sind, etwa in sonnenreichen Regionen Afrikas oder Australiens oder in dünn besiedelten Regionen mit viel Wasserkraft und dem Potenzial für einen starken Ausbau von Windenergie wie in Schweden oder Norwegen.

Ob solche Projekte in Deutschland sinnvoll sind, kann man infrage stellen. Selbst dort, wo grüner Strom vergleichsweise günstig verfügbar ist, sind sie kein Selbstläufer.

Möglicherweise stellt sich sogar viel grundlegender die Frage, ob die Idee, aus Kohlendioxid und Wasser, die selbst keinerlei nutzbare Energie enthalten, energiereiche Treibstoffe und Chemikalien herzustellen, von vornherein fehlgeleitet ist.

Wäre eine Kombination aus Biosprit und E‑Fuels sinnvoll?

Klassische Biokraftstoffe sind allerdings auch keine Lösung, da sie auf Rohstoffen wie Fetten und Zucker basieren, die entweder nur in geringen Mengen verfügbar sind, etwa als Reststoffe aus der Lebensmittelproduktion, oder die bei ihrem Anbau gigantische Flächen benötigen. Beides ist nicht skalierbar und Letzteres auch nicht klimafreundlich.

Will man Biokraftstoffe nachhaltig in größerem Stil produzieren, müsste man auf Technologien setzen, die es bisher nicht in großem Maßstab gibt. Man könnte etwa, ähnlich der Kohlegasifizierung, verschiedene Formen von Biomasse in Synthesegas umwandeln und anschließend, wahlweise mittels Fischer-Tropsch-Synthese oder durch die Produktion von Methanol, in flüssige Energieträger umwandeln.

Bei einer solchen Biomassegasifizierung könnte man wiederum durch die Zugabe von Wasserstoff die Ausbeute deutlich erhöhen, da die meiste Biomasse ein für derartige Prozesse nicht optimales Verhältnis von Wasserstoff und Kohlenstoff hat und zudem im Prozess auch CO2 entsteht.

Das Ergebnis wäre eine Kombination von Biokraftstoffen und E‑Fuels. Vor allem in China setzt man inzwischen auf solche Kombitechnologien. Eine erste industrielle Anlage, in der grünes Methanol hergestellt wird, betreibt das Unternehmen Shanghai Electric seit Mitte 2025. Zur Herstellung von grünem Flugbenzin wären weitere Umwandlungsschritte nötig, Methanol kann allerdings auch direkt als Treibstoff im Schiffsverkehr genutzt werden.

 

Betrachtet man das angedachte Konzept für die E‑SAF-Anlage in Schwedt, erscheint es naheliegend, in eine ähnliche Richtung zu denken. Schon allein die bislang geplante Abscheidung von CO2 aus dem Kraftwerk, in dem die Reststoffe der Papierfabrik verbrannt werden, benötigt erhebliche Mengen an Energie, da das Kohlendioxid aufwendig von anderen Gasen wie Sauerstoff und Stickstoff aus dem Abgasstrom abgetrennt werden muss. Üblicherweise kommt dafür eine sogenannte Aminwäsche zum Einsatz. 

Statt biogene Reststoffe zuerst zu verbrennen, somit jeglicher Energie zu berauben, und anschließend diese Energie wieder aufwendig in Form von Wasserstoff zuzuführen, könnte man sich vorstellen, viel direkter vorzugehen. Man könnte die Biomasse gasifizieren und dann weitaus geringere Mengen Wasserstoff zur Erhöhung der Ausbeute hinzugeben. Den Energiebedarf der Papierproduktion könnte man alternativ über industrielle Großwärmepumpen bereitstellen.

Insgesamt wäre das effizienter, allerdings sollte man nicht verschweigen, dass die Gasifizierung von Biomasse oder Abfällen technisch sehr anspruchsvoll ist, besonders wenn das Synthesegas anschließend für die Produktion von Kraftstoffen und Chemikalien genutzt werden soll. Hierfür ist eine aufwendige Gasreinigung nötig. Viele Projekte, die Derartiges in der Vergangenheit versuchten, scheiterten daran. Bislang wurde diese Technologie nirgends in großem Stil und langfristig eingesetzt.

Erwähnenswert ist hier, dass ein Start-up namens Cyclize aus Stuttgart an einer entsprechenden Technologie arbeitet und damit eine von der PCK-Raffinerie organisierte Start-up-Challenge gewann. Angedacht ist der Bau einer kleinen Pilotanlage. Zur geplanten E‑SAF-Anlage hat das allerdings bislang keinen direkten Bezug.

Enertrag hofft weiter auf eine "klassische" E‑Fuels-Produktion mithilfe von Wasserstoff und CO2. Eine Investitionsentscheidung für das Projekt wird für 2027 angestrebt, 2030 könnte die Produktion starten. Ob es wirklich dazu kommt, bleibt abzuwarten.

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