Vor zehn Jahren flog einer der größten Industrieskandale der deutschen Geschichte auf: der Dieselskandal.
Im Zentrum: Volkswagen. Allein dort wurden elf Millionen Autos mit manipulierten Abgas-Softwares verkauft – Fahrzeuge, die auf dem Prüfstand sauber erschienen, auf der Straße aber Dreckschleudern waren. Als alles herauskam, drohte sogar der Kollaps des Konzerns.
Doch schlimmer noch: Es ging nicht um harmlose "Tricksereien". Es war Betrug in Reinform – an der Kundschaft, an der Öffentlichkeit, an der Umwelt.
Millionen Käufer wurden getäuscht, sie glaubten, ein sauberes Auto zu fahren. In Wahrheit wurden durch die schmutzigen Dieselabgase ganze Städte eingenebelt.
Und das kostet Menschenleben. Es wird geschätzt, dass insgesamt bis zu 205.000 vorzeitige Todesfälle auf das Konto der überhöhten Stickoxid-Emissionen gehen. Das sind Opfer einer Konzernpolitik, die Profit über Gesundheit stellte.
Besonders perfide: Diesel wurde von Herstellern und Politik als Öko- und Klimatechnologie verkauft. Dabei war längst klar, dass Elektroantriebe die saubere Alternative sind. Statt mutig voranzugehen, klammerte sich die deutsche Autoindustrie an den Diesel – und hat damit die eigene Zukunft gefährdet.
Heute sind es chinesische Hersteller, die den Ton angeben, mit E-Autos, die technisch überlegen und preislich konkurrenzfähig sind. Währenddessen mühen sich VW, BMW und Mercedes ab, verlorene Jahre aufzuholen.
Ebenso beschämend ist die juristische "Aufarbeitung". Trotz einer Flut von Prozessen ist die Kernfrage ungelöst: Wer hat die Befehle zur Manipulation gegeben und abgesegnet? Bis heute weiß man es offiziell nicht. Einige Manager mussten gehen, manche erhielten Bewährungsstrafen. Doch die wirklich Verantwortlichen, die das System der Lüge aufgebaut haben, sind bisher nicht belangt worden.
Zehn Jahre danach bleibt ein bitteres Fazit: Der Dieselskandal ist Symbol einer Industrie, die sich verhoben hat. Er zeigt, wie gefährlich es ist, wenn Profitstreben, Lobbyismus und politisches Duckmäusertum zusammenspielen. "Made in Germany" hat dadurch in der Welt viel von seinem Glanz verloren.
Und die Lehre? Es braucht eine radikale Abkehr vom alten Denken in der Autoindustrie. Transparenz statt Vertuschung, Innovation statt Rückwärtsgewandtheit.
Und es braucht eine konsequente Verkehrspolitik, die aufhört, verlängerte Werkbank der Autokonzerne zu sein. In den Mittelpunkt gehören stattdessen die Leichtigkeit des Verkehrs – nicht nur des Autoverkehrs –, die "Vision Zero" bei den Unfällen und der Klimaschutz.
