Das abrupte Ende der E‑Auto-Förderung Ende 2023 nannte sogar der stets so selbstgewisse damalige grüne Wirtschaftsminister später einen Fehler. In der Folge brach der Absatz gerade bei den rein batterieelektrischen Fahrzeugen ein und erholte sich erst 2025 ein wenig.

Das Ziel der Ampel-Regierung, bis 2030 um die 15 Millionen Elektroautos auf die Straße zu bringen, geriet außer Reichweite. Derzeit sind es erst um die zwei Millionen.

 

Schon im Koalitionsvertrag nahm sich die neue schwarz-rote Bundesregierung vor, den Fehler zu beheben, und beschloss, die E‑Mobilität mit einem Programm für Haushalte mit kleinem und mittlerem Einkommen zu unterstützen. Damit die deutschen Hersteller mit Verbrennertechnik auch was davon haben, sollten auch Plug-in-Hybride und sogenannte Range Extender gefördert werden. Letzteres sind Verbrennungsmotoren, die in E‑Autos die Antriebsbatterie wieder aufladen.

Für den Klimaschutz bringen die Hybrid-Fahrzeuge, wie schon viele Studien nachwiesen, keinen Beitrag. Um die Details für ihre Förderung habe es innerhalb der Koalition noch Debatten gegeben, räumte Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) am Montag ein. Deswegen sei die zunächst für Freitag angesetzte Präsentation der Eckpunkte des Förderprogramms auch verschoben worden.

Die Emissionsgrenze für Hybride wurde noch erhöht

Ursprünglich soll das Umweltministerium dabei für die Hybride einen Emissions-Grenzwert von 50 Gramm CO2 pro Kilometer angestrebt haben. Nunmehr liegt dieser bei 60 Gramm. Als weitere Bedingung für die Förderung der Plug-in-Hybride nannte Schneider eine elektrische Reichweite von 80 Kilometern. Dieselben Konditionen gelten auch für die Range-Extender-Fahrzeuge.

Seine Zustimmung zur Förderung der umstrittenen Hybride erklärte Schneider damit, es gehe auch um den Automobilstandort Deutschland. Dies sei ein wichtiges Argument für die Arbeitsplätze in der Zulieferindustrie. Aus dem Grund habe es sowohl in der SPD als auch in der Union den starken Wunsch gegeben, die Hybridautos mit in die Förderung aufzunehmen.

Sein Fokus liege aber auf den batterieelektrischen Fahrzeugen – die E‑Mobilität sei für ihn ein Hoffnungsträger, erklärte Schneider am Montag bei der Eckpunkte-Präsentation. Auch machten E‑Autos einfach Spaß beim Fahren. "Das sind jetzt richtig geile Autos, die von deutschen Herstellern auf dem Markt sind", drückte Schneider seine Begeisterung aus.

Pro E‑Auto gibt es maximal 6.000 Euro Zuschuss

Auch bei der Förderhöhe orientiert sich die schwarz-rote Koalition an der Ampel. Damals gab es einen Umweltbonus von bis zu 6.750 Euro – nunmehr ist bei optimalem Zusammenspiel von E‑Auto, Einkommensgrenzen und Zuschüssen für Familienmitglieder eine Förderung von 1.500 bis zu maximal 6.000 Euro pro Fahrzeug möglich.

Für reine E‑Autos ist dabei eine Art Grundförderung von 3.000 Euro vorgesehen, für Hybrid-Autos nur die Hälfte davon.

Einige Dutzend übereinandergestapelte zerdrückte Schrottautos.
Autoverschrotter bekommen wieder mehr zu tun. (Bild: Gary Scott/​Pixabay)

Zugleich spielen Einkommensgrenzen eine Rolle. Die volle Förderung können nur Haushalte mit einem zu versteuernden Jahreseinkommen von maximal 80.000 Euro erhalten. Diese Grenze bedeute, dass die Hälfte derjenigen, die sich in den letzten Jahren privat ein Auto neu gekauft haben, die neue Förderung beanspruchen könne, erläuterte Minister Schneider.

Die soziale Staffelung orientiert sich des Weiteren an der Zahl minderjähriger Kinder im Haushalt. Der Zuschuss kann dabei rückwirkend zum Jahresanfang 2026 beantragt werden.

Interessierte müssen sich aber noch gedulden. Die am Montag vorgelegten Eckpunkte muss das Bundesumweltministerium noch in eine Richtlinie gießen, in der weitere Details geregelt werden.
Derzeit verhandle sein Haus auch noch mit verschiedenen Institutionen über die Umsetzung des Programms, erklärte der Umweltminister.

Im Mai sollen dann auf einer neuen Website die entsprechenden Anträge gestellt werden können. Dies könne auch noch ein Jahr nach dem Datum der Neuzulassung des Fahrzeugs geschehen. Das geförderte Fahrzeug darf dann drei Jahre nicht weiterverkauft werden.

80.000 Euro Einkommensgrenze werden als zu hoch kritisiert

Für die Förderung stehen insgesamt drei Milliarden Euro für die nächsten drei Jahre zur Verfügung. Damit kann nach den Angaben des Umweltministers der Kauf – Leasing ist auch möglich – von rund 800.000 Autos unterstützt werden.

Der Erwerb von E‑Gebrauchtwagen wird derzeit noch nicht gefördert. Ob das ins Programm aufgenommen wird, solle 2027 oder 2028 entschieden werden, sagte der Umweltminister.

Die Thinktanks Agora Verkehrswende und Stiftung Klimaneutralität hatten vor der Bekanntgabe der Eckpunkte die geplante Obergrenze von 80.000 Euro pro Haushalt mit Blick auf Single-Haushalte als zu hoch kritisiert. Danach würden alleinstehende Personen selbst dann gefördert, wenn sie fast 8.150 Euro pro Monat brutto verdienen.

Für einen Haushalt mit zwei Erwerbstätigen seien die 80.000 Euro hingegen gut vertretbar, betonten die beiden Denkfabriken. Dies entspreche etwa einem monatlichen Bruttoeinkommen von 4.300 Euro pro Person.

Die Organisation Transport & Environment Deutschland begrüßt zwar, dass es endlich eine Einkommensgrenze gibt – allerdings komme die Förderung auch künftig vor allem Besserverdienenden zugute. "Damit subventioniert gerade die SPD an ihrem Ziel vorbei, E‑Mobilität für Menschen mit niedrigen und mittleren Einkommen zugänglich zu machen", mahnte die Klima- und Sozialexpertin der Umweltorganisation, Susanne Goetz.

 

Den entscheidenden Booster für den Hochlauf der E‑Mobilität sieht Carsten Schneider aber nicht vom Drei-Milliarden-Programm ausgehen, sondern von den bereits seit 2025 geltenden Steuerbefreiungen für Firmenwagen. Das sei der größte Hebel, stellte der Umweltminister am Montag klar. Dazu komme die bis über zehn Jahre reichende Befreiung der E‑Autos von der Kfz-Steuer.

Konkrete Angaben, wie viel CO2-Emissionen im Verkehr durch das Milliarden-Programm eingespart werden, konnte das Ministerium am Montag nicht nennen. Schneider rechnet nun aber mit einem exponentiellen Wachstum der E‑Mobilität. 2026 halte er für das Jahr des Beginns des Durchbruchs der Elektromobilität, gab sich der Umweltminister auf Nachfrage von Klimareporter° zuversichtlich.

Kritik am Programm richtet sich besonders gegen die Förderung der Hybrid-Autos. Die Erfahrungen zeigten, dass der Wert von 60 Gramm irreführend sei, erklärte Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe. "Plug-in-Hybride stoßen in der Praxis bis zu fünfmal mehr CO2 aus und bieten somit kaum Klimavorteile gegenüber konventionellen Verbrennern", kritisierte Resch. Zudem würden auch schwere E‑SUV mit hohem Stromverbrauch mit Steuergeldern subventioniert.

Am 24. Januar wurden die Angaben von Agora Verkehrswende zu den Förder-Obergrenzen der monatlichen Bruttoeinkommen für Single-Haushalte sowie für Haushalte mit zwei Erwerbstätigen korrigiert. Die ursprünglichen und im Beitrag verwendeten Angaben – 6.700 Euro für eine erwerbstätige Person und 3.300 Euro pro Person in einem Haushalt mit zwei Erwerbstätigen – gelten für das zu versteuernde Einkommen, waren aber in den Informationen des Thinktanks falsch als Bruttoeinkommen ausgewiesen. Agora Verkehrswende hat den Fehler selbst offengelegt und um Korrektur gebeten.