Die meisten großen Autohersteller haben nach Angaben der Deutschen Umwelthilfe (DUH) bislang keine konkreten Pläne, das umstrittene Kältemittel R1234yf aus ihren Fahrzeug-Klimaanlagen zu verbannen, obwohl es sich in der Atmosphäre nahezu vollständig zu der "Ewigkeitschemikalie" Trifluoressigsäure (TFA) abbaut.
Bei einer Abfrage unter 16 Herstellern haben laut DUH zehn Unternehmen gar nicht reagiert und vier nur unverbindlich geantwortet. Die Organisation vergibt deshalb 14 "rote Karten". Lediglich Volkswagen und BYD schneiden mit "Gelb" etwas besser ab.
BMW etwa verweist laut DUH darauf, mit R1234yf die geltenden Vorschriften einzuhalten. Andere Hersteller hätten lediglich laufende Prüfungen oder technische Entwicklungen genannt.
Die DUH fordert dagegen einen schnellen Wechsel zu fluorfreien Kältemitteln wie Kohlendioxid oder Propan. VW setzt CO2 bereits in ausgewählten Elektroautos ein, der chinesische Hersteller BYD arbeitet laut DUH an der Integration in künftige europäische Modelle.
Der Streit hat eine lange Vorgeschichte. R1234yf wurde eingeführt, weil das zuvor verwendete R134a als sehr starkes Treibhausgas wirkt, wenn es etwa bei Leckagen oder Unfällen austritt. Seit 2017 dürfen in der EU neue Pkw und leichte Nutzfahrzeuge nur noch mit Kältemitteln mit niedrigem Treibhauspotenzial befüllt werden.
R1234yf erfüllt diese Vorgabe. Doch der Ersatzstoff bringt andere Umweltprobleme. Laut Umweltbundesamt (UBA) zerfällt er in der Atmosphäre binnen weniger Tage weitgehend zu TFA. Die Substanz ist extrem langlebig und mobil, gelangt über Regen in Böden und Gewässer und lässt sich mit üblichen Verfahren der Wasseraufbereitung kaum entfernen.
TFA bereits in Lebensmitteln nachweisbar
TFA ist inzwischen zu einem zentralen Problemstoff der Debatte über die "Ewigkeitschemikalien" geworden, wie die Gruppe der Per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen (PFAS) genannt wird. Der Stoff entsteht in der Umwelt nicht nur aus Kältemitteln, sondern auch aus Pestiziden und anderen fluorierten Stoffen. TFA ist bereits in Gewässern, Regen, Böden, Pflanzen und Lebensmitteln nachweisbar.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) und der Ausschuss für Risikobewertung der Europäischen Chemikalienagentur Echa bewerten TFA als fortpflanzungsgefährdend. Zugleich betont das BfR, dass daraus nicht automatisch ein aktuelles Gesundheitsrisiko folgt: Die Effekte wurden im Tierversuch erst bei Mengen beobachtet, die deutlich über den derzeitigen Umweltgehalten liegen.
Entscheidend ist daher das Vorsorgeprinzip. Weil TFA praktisch nicht abgebaut wird, steigt die Belastung mit jedem weiteren Eintrag. Das UBA empfiehlt deshalb seit Jahren, fluorierte Kältemittel durch natürliche Alternativen zu ersetzen.
CO2, in der Kältetechnik als R744 bezeichnet, ist nicht brennbar und bildet keine problematischen fluorierten Abbauprodukte. Gerade bei Elektroautos kann ein solches System zugleich als Wärmepumpe zum Heizen dienen. Auch Propan gilt als mögliche Alternative, verlangt wegen seiner Brennbarkeit aber entsprechende Sicherheitskonzepte.
Bemerkenswert ist, dass die deutsche Autoindustrie ursprünglich selbst auf CO2 setzen wollte. Der Verband der Automobilindustrie kündigte bereits 2007 an, das natürliche Kältemittel einzuführen. Später setzte sich jedoch R1234yf durch, weil es mit vergleichsweise geringen Änderungen in bestehende Klimaanlagen integriert werden konnte.
Mercedes und Audi brachten zeitweise Modelle mit CO2-Anlagen auf den Markt, VW bietet die Technik seit 2020 für bestimmte Elektroautos an. Nach UBA-Angaben waren bis September 2025 rund eine Million Fahrzeuge mit CO2-Anlagen ausgestattet.
Für die Umwelthilfe ist damit klar: Es fehlt weniger an Technik als am Willen zur Umstellung. DUH-Geschäftsführer Jürgen Resch wirft BMW, Mercedes und anderen Herstellern vor, sich hinter unverbindlichen Formulierungen zu verstecken.
Der Berliner Verkehrsexperte Axel Friedrich verweist darauf, dass VW zeige, "wie die Umstellung auf natürliche Kältemittel geht – leider nur als Extra". Das Beispiel zeige aber: "Die Technologie ist ausgereift und muss auch von den anderen Herstellern serienmäßig eingebaut werden." BMW, Mercedes und Co müssten jetzt "das Steuer herumreißen".

Warum das nicht in allen Modellen zum Einsatz kommt? Es sagt VW: "Erlebe im neuen ID.3 Neo die Vorteile der optionalen Wärmepumpe: energieeffiziente Innenraumheizung, mehr Reichweite und natürliches Kältemittel CO₂ (R744)" ...