Kaum waren erste Ergebnisse der neuen E‑Auto-Studie der TU München bekannt, hatte CSU-Chef Markus Söder schon die passende politische Folgerung parat: Es brauche "dringend das echte Aus vom Verbrenner-Aus der EU".

Nur: Darauf wollen sich die Autoren des Whitepapers gar nicht festlegen lassen. Ihre Metastudie ergibt vielmehr, dass batterieelektrische Autos über den gesamten Lebenszyklus im Schnitt 41 Prozent weniger CO2 verursachen als Benziner und Diesel.

 

Dass E‑Autos nicht zu 100 Prozent klimaneutral sind, nur weil sie keinen Auspuff haben, dürfte niemanden überraschen, der sich ernsthaft mit dem Thema beschäftigt hat. Karosserie, Fahrwerk, Motor und Innenausstattung müssen hergestellt werden, besonders die Batterie verursacht einen großen CO2-Rucksack. Und der Fahrstrom ist erst zur Hälfte erneuerbar.

Das Bundesumweltministerium allerdings nennt für moderne E‑Autos inzwischen schon einen Klimavorteil gegenüber Verbrennern von 70 bis 80 Prozent. Die Münchner TU-Professoren arbeiteten zum Teil mit Daten aus älteren Studien.

Söder und Co geht es nicht um Klimaschutz 

Natürlich haben die Münchner Forscher einen Punkt: Für eine ehrliche Klimabilanz muss der gesamte Auto-Lebenszyklus betrachtet werden – vom Rohstoffabbau über die Nutzung bis zum Recycling.

Und weil sich die Emissionen in den Lieferketten heute besser erfassen lassen als früher, sollte die Politik Anreize setzen, sie zu senken. Durch Ökostrom in der Batteriezellfertigung, grünen Stahl für die Karosserie, mehr Recycling und eine konsequente Kreislaufwirtschaft. EU‑Regeln können dabei helfen.

Nur hätten die Professoren ahnen können, was aus ihrer zugespitzten Kritik gemacht wird. Belehrungsresistente Verbrenner-Fans wie Söder und die Bild am Sonntag, die gleich die "Auto-Lüge der EU" ausrief, interessieren sich weniger für grünen Stahl als für eine Lebensverlängerung für Benzin- und Diesel-Autos. 

Joachim Wille ist Co-Chefredakteur des Online-Magazins Klimareporter°.

Dabei verwandelt ein Verbrenner bei 200.000 Kilometern Gesamtfahrleistung und dem heutigen Durchschnittsverbrauch von 7,4 Litern rund 15.000 Liter fossilen Kraftstoff in Treibhausgase. Bezahlbare E‑Fuels in solchen Mengen sind für zig Millionen Pkw nicht absehbar, und sie werden in Luft- und Schifffahrt dringender gebraucht.

Das E‑Auto dagegen wird mit jedem zusätzlichen Windrad und Solarmodul im Strommix automatisch sauberer.

Vielleicht hätten die Münchner Forscher deshalb eine alte politische Weisheit beherzigen sollen: Entscheidend ist, was hinten rauskommt.

 

 

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