Die Klimaauswirkungen des Autoverkehrs hängen künftig mehr und mehr von der Herstellung der Fahrzeuge und weniger von ihrem Betrieb ab. Denn der Antrieb wird zunehmend elektrisch und der Strommix grüner, und so gibt es auf den Straßen immer weniger Abgase und CO2-Emissionen.
Der Fokus verschiebt sich dadurch auf die CO2-intensiven Lieferketten der Fahrzeugproduktion.
Der europäische Verkehrs-Dachverband Transport and Environment (T&E) schlägt nun vor, durch die Produktion von Autos mit umweltfreundlichem Aluminium große Mengen CO2 zu vermeiden. Das jährliche Einsparpotenzial entspreche den Emissionen von rund 900.000 Autos mit Verbrennungsmotor.
Bisher wird vor allem über die CO2-trächtige Produktion von E‑Auto-Batterien diskutiert, wenn es um die Klimabilanz von E‑Autos geht. Die Akkus werden vor allem in Asien hergestellt.
Doch auch das in den Autos verbaute Aluminium spielt eine wichtige Rolle. T&E zufolge stammt rund ein Fünftel der gesamten Emissionen bei der Pkw-Produktion aus der Herstellung dieses vielseitigen Werkstoffs, der etwa in Karosserien, Batteriewannen, Strukturbauteilen und Fahrwerkskomponenten eingesetzt wird.
Besonders energieintensive Herstellung
Laut einer jetzt von T&E vorgestellten Untersuchung würde die Umstellung auf "grünes Aluminium", das mit niedrigen CO2-Emissionen hergestellt wird, bis zum Jahr 2040 nur 25 Euro zusätzlich pro Auto kosten. Zu diesem Ergebnis kommt der Verband durch eine Modellierung der Kostendifferenz zwischen herkömmlichem und grünem Aluminium.
Durch die CO2-Bepreisung werde grünes Aluminium ab 2045 sogar preiswerter. Gleichzeitig lasse sich auf diesem Weg eine Branche für saubere Technologien aufbauen, in der Europa einen Vorteil gegenüber anderen Regionen hat, argumentiert T&E.
Neues Aluminium wird aus Bauxit hergestellt, einem Erz, dessen Verhüttung sehr energieintensiv ist – Hauptproduktionsländer sind Australien, China und Guinea. Um eine Tonne Aluminium zu schmelzen, wird laut T&E zehnmal so viel Strom benötigt, wie ein durchschnittlicher EU-Haushalt in einem Jahr verbraucht.
Demgegenüber kann "grünes" Aluminium die Emissionen deutlich senken – gemeint ist damit entweder recyceltes Aluminium oder Primäraluminium, das durch neue Produktionstechnologien hergestellt wird. Die Organisation argumentiert, die EU könne in diesem Segment bei entsprechenden Vorgaben aufgrund des vergleichsweise sauberen Strommixes gegenüber anderen Regionen einen Wettbewerbsvorteil ausspielen.
Lars Andersen von T&E Deutschland sagte dazu: "Europa hat die Chance, weltweit eine Führungsrolle in dieser Technologie einzunehmen." Entsprechende Ziele und Anforderungen an die Autohersteller seien ein Hebel, um dieses Potenzial auszuschöpfen.
Aluminium wird importiert, Aluschrott exportiert
Derzeit importiert Europa mehr als die Hälfte des hier genutzten Primäraluminiums, vor allem aus Regionen mit CO2-intensiver Stromerzeugung. Gleichzeitig schrumpft die heimische Aluminiumindustrie. So hat sich die Zahl europäischer Schmelzwerke binnen zehn Jahren halbiert, vor allem wegen hoher Energiepreise und globalem Kostendruck.
Außerdem wird viel Aluminiumschrott exportiert, statt in der EU recycelt zu werden. T&E warnt daher vor einer zunehmenden Abhängigkeit von klimaschädlicheren Importen – ausgerechnet in einer Zeit, in der der Alu-Bedarf stark wächst, nicht nur im Automobil-, sondern auch im Windkraft- und Solarsektor.
Der Dachverband fordert deshalb eine industriepolitische Weichenstellung. In dem für Dezember angekündigten Industriegesetz müsse die EU-Kommission Ziele für den Anteil von grünem, ausschließlich in Europa hergestelltem Aluminium für Automobilhersteller festlegen.
Als weiteren Hebel sieht T&E das bevorstehende Kreislaufwirtschaftsgesetz. Dafür solle die Kommission Ziele für das Aluminiumrecycling, und zwar auf Grundlage von lokal gewonnenem Altmetall, in einer Änderung der Altfahrzeugverordnung vorschlagen.
Die EU-Kommission hat übrigens schon eine erste Maßnahme angekündigt, um die Aluminiumbranche zu unterstützen: Sie will den Export von Aluminiumschrott aus der Union beschränken.
Handelskommissar Maroš Šefčovič sagte zur Begründung, der zunehmende Export gefährde die Nachhaltigkeitsziele der EU. Hiesige Aluminiumhersteller klagen darüber, sie hätten bereits rund 15 Prozent ihrer Recyclingkapazitäten stilllegen müssen, da der Schrott von den Händlern zu hohen Preisen in die USA und nach Asien verkauft werde.
Hintergrund ist im Fall der USA offenbar, dass Washington einen 50-Prozent-Zoll auf Importe von Aluminium und Stahl aus der EU verhängt hat, jedoch nicht auf Schrott. US-Schmelzbetriebe erhöhten daraufhin den Einkauf von Metallschrott aus der EU, um Metalle herzustellen.
